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  • Di., 09. Mai 2023, 15:58 Uhr
    NIBELUNGENFESTPIELE WORMS: Edda-Lücke wird mit BRYHILD geschlossen

    Sagenwelten werden verwoben

    Vom Ensemble waren u.a. Bless Amada, Parisa Madani, Jens Albinus, Bekim Latifi, Alexander Angeletta, Laina Schwarz, Simon Kirsch und Ruby Commey da (Lena Urzendowsky, Şafak Şengül und Ralf Moeller fehlten). Foto Rudolf Uhrig


    Von Rudolf Uhrig › Die Nibelungenfestspiele kommen in diesem Jahr ganz „nordisch“ daher, zumindest was die Wahl der Namensgebung anbelangt. So heißt Siegfried im nordischen Sagenkreis Sigurd, gleich bleiben beiden jedoch die Elemente der übermenschlichen Kräfte, sie zeugen von großem Mut und Tapferkeit. Kommt er aber aus Xanten oder ist er eher dem Heldengeschlecht der Wölsungen zuzuordnen?

    Auch Brynhild ist in dieser Sagenwelt verortet. Und das, obwohl sie erst im Nibelungenlied erwähnt wird. Dort ist sie eine sagenhafte Königin und keinesfalls dem Mittelalterlich-Höfischen zuzuordnen.

    Aber gibt es da nicht eine „Vorgeschichte“, die das Nibelungenlied nicht kennt? Denn eine andere Erzählung besagt, dass Siegfried, bevor er nach Worms kommt und Gunthers Schwester heiratet, die Feuerwand von Brynhilds Burg durchbricht und die Walküre aus ihrem Zauberschlaf erweckt. Sie verlieben sich und schwören sich ewige Treue. Aber nur zu gut wissen wir, wie die „Geschichte wirklich war…“

    Aber wie sieht es Brynhild-Autorin Maria Milisavljević? Und wie wird Regisseurin Pınar Karabulut jene „neue“ Geschichte umsetzen?

    Junges Ensemble

    Pınar Karabulut sprüht vor Lust und Laune, während sie ihr Ensemble vorstellt. Es ist eine junge Truppe. Laina Schwarz ist nach 2006 und 2007 wieder da. Sie verbringt ihren fünften Sommer in Worms, denn sie war auch hier, als ihr Mann, Sascha Göpel, spielte. Insofern ist sie heimliche Spielführerin und konnte den „Neuankömmlingen“ schon „halb“ Worms zeigen.

    Ruby Commey spielt den Hagen. Foto: Rudolf Uhrig


    Edda lückenhaft

    Und ja, die Regisseurin ist im Stoff. Sie kennt die Sagenwelten und die Mären. Sie weiß auch, das, was Dramaturg Thomas Laue zugibt, nicht gewusst zu haben, nämlich: Es gibt eine Edda-Lücke. Irgendwann reißen die Erzählstränge ab und werden später fortgesetzt. Jene Lücke wird nun erzählt. Aber mit dem Anspruch, es in die „Neuzeit“ zu transformieren. „Es gibt Bezüge zur aktuellen Lage“, so Nico Hofmann und Thomas Laue unisono. „Jede Generation hat neue Identitäten, neue Linien. Es wird in dieser Edda-Lücke Zuschreibungen geben, mit den Rollenbildern, wie wir sie kennen, wird gnadenlos gebrochen, denn Brynhild will wahrlich nicht mehr das sein, was man von ihr erwartet“, so Laue weiter.

    Stargate lässt grüßen, so könnte man Videokünstlerin Susanne Steinmassl interpretieren. Dieses Jahr wird es keinen Pool geben, aber eine riesige Leinwand. Sie nimmt Besucher mit in andere Welten, sie ist wie ein Tor. Wer hindurchgeht, erlebt vieles intensiver, präziser, komplexer, vielschichtiger, hautnah, oder aber noch verschleiert!? Steinmassl und Karabulut lassen das noch offen. Es wird Sequenzen aus dem Dom geben, es wird im Studio gedreht, aber auch im Odenwald und in einem Steinbruch.

    Kulturelles Flaggschiff

    Oberbürgermeister Adolf Kessel spricht zu Beginn vom kulturellen Flaggschiff. Staatssekretär Prof. Dr. Jürgen Hardeck bestätigt dies und lobt Rheinland-Pfalz als Kernland deutscher Geschichte. „Gerade in Worms wurde viel Geschichte geschrieben…“ Das ist dem Land die höchste Stufe der Kulturförderung wert. Es gibt 680.000 Euro.

    Nico Hofmann ist gespannt auf Stück und Ensemble, das keinen Superstar braucht. „In Berlin zum Beispiel“, so Hofmann, „spürt man die große, neue Lust auf Theater, Film. Wir müssen all diesen neuen Ideen nach Diversität und Wokeness nicht immer und bedingungslos folgen. Aber es ist schon sehr interessant zu sehen, wie Frauen über Frauen schreiben.“

    Bernadette Schoog, die durch die Pressekonferenz führt, entlockt Nico Hofmann die herrliche Aussage als sie nach seinen Gefühlen nach der ersten Durchlaufprobe fragt: „Die schwanken von gut gelaunt – und manchmal tief verzweifelt.“ Gute Laune verbreitete schon mal Ralf Moeller, als er per Video aus Hollywood grüßte und sich auf seine Rolle als Fafnir freute. Den wird er freilich nur per Filmeinspieler geben.

    Es wird definitiv spannend. Darin sind sich alle einig.

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