Bürger erläutern dem SPD-Bundestagsabgeordneten Marcus Held ihre Bedenken bezüglich der Polder-Pläne im Altrhein
Schäden in Kauf nehmen?
Der Oppenheimer Stadtbürgermeister und SPD-Bundestagsabgeordnete Marcus Held.
Sollte man die Schäden durch ein Extremhochwasser alle 200 Jahre in Kauf nehmen und stattdessen auf einen zusätzlichen Retentionsraum im Altrhein verzichten? Diese Frage wurde von Vertretern der Bürgerinitiative (BI) „Altrhein gegen den Überschwemmungspolder“ in eine Diskussion mit Marcus Held eingebracht. Die BI hatte den SPD-Bundestagsabgeordneten zu einem gemeinsamen Gespräch eingeladen, um deren Bedenken zum Bau eines Retentionsraums Eich-Guntersblum deutlich zu machen.
Jedoch sorgen nicht nur die bestehenden Pläne der Struktur- und Genehmigungsbehörde Süd (SGD) zur neuen Trasse bei vielen Bürgern aus der Region für Unverständnis. Darüber hinaus berücksichtige die zuständige Behörde in den Augen der BI potenzielle Schäden und Probleme, die mit einer Flutung der Überschwemmungsfläche einhergehen würden, nicht. In diesem Zusammenhang machten Thomas Henn und Jens Günther von der BI insbesondere die Position der Landwirte und Grundstückbesitzer im Altrhein deutlich:
Zu wenig Kommunikation?
„Wie kann es sein, dass bei der Frage nach Entschädigungen im Falle einer Flutung bei Extremhochwasser so wenig mit den Betroffenen kommuniziert wird?“, fragt der Vorsitzende des Eicher Bauernvereins, Jens Günther. Der Landwirt vertritt im Hinblick auf Ernteausfälle außerdem die Meinung: „Ich stehe lieber alle 200 Jahre durch ein natürliches Ereignis unter Wasser als alle zehn Jahre durch einen gesteuerten Polder.“ Besonders groß ist die Sorge bezüglich der hochwertigen Kulturen im Anbaugebiet Altrhein, ohne die viele landwirtschaftliche Betriebe nicht existieren können, so Günther weiter.
Weiterhin Skepsis vorhanden
Thomas Henn unterstreicht, dass die überarbeiten Pläne der SGD nur wenig an der skeptischen Haltung der Betroffenen geändert habe. Er bemerkte beim Treffen mit Held, dass auch die Druckwasser-Problematik nach wie vor offen sei. Der BI-Vertreter sieht in den im Altrheinbogen zahlreich vorhandenen wasserdurchlässigen Kies-Untergründen ein großes Problem. „Da dauert es nicht lange, bis die durch den Untergrund strömende Druckwasserwelle sämtliche Keller in Deichnähe erreicht hat.“, meint Henn und erinnert an die Hochwasserereignisse in den vergangenen Jahren. „Da bleiben noch heute viele Fragen unbeantwortet von der SGD.“, so Henns‘ Fazit. Zudem sind Gewerbetreibende sowie Haus- und Grundbesitzer gleichermaßen besorgt, da nach jetzigem Stand keine Entschädigungen bei Druckwasserschäden gezahlt werden sollen.
Marcus Held wird daher Gespräche mit den Fachbehörden des Landes führen, um den Fragen und Ängsten der Bürgerinnen und Bürger Nachdruck zu verleihen. „Ich habe Verständnis für die Sorgen der Menschen aus dem Altrhein.“, unterstreicht der Abgeordnete abschließend.