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  • So., 28. Februar 2016, 09:54 Uhr
    Der NABU Worms kümmert sich um die lautlosen Jäger / Rund 20 bezugsbereite Kästen werden betreut

    „Schleiereulen sind traditionelle Rheinhessen“

    Um die heimischen Jäger kümmern sich Betreuer in der ganzen Region. Foto: Rosl Rößner


    Schleiereulen waren in Rheinhessen früher wohl in jedem Kirchturm und in vielen Scheunen als Brutvogel beheimatet. In alten landwirtschaftlichen Anwesen und Winzerhöfen finden sich häufig noch sogenannte „Eulenlöcher“ im Giebelbereich. Die sollten den geschickten Mäusejägern den Zugang auf die Dachböden ermöglichen. Offenbar war manchen unserer Vorfahren der große Nutzen dieser Mäusejäger bewusster als uns. Leider sind heute viele der alten Nistplätze größtenteils durch Menschenhand, aber auch durch Nester bauende Tauben oder Dohlen verschlossen. Doch nach wie vor brüten Schleiereulen in Rheinhessen, denn die offene Landschaft kommt ihrem Jagdverhalten entgegen.

    Der NABU Worms und viele einst aktive Naturschützer hatten vor rund 25 Jahren das Problem erkannt und in rund 30 rheinhessischen Kirchen und Scheunen spezielle Nistkästen angebracht. Sie wurden regelmäßig kontrolliert und gereinigt. Durch verschiedene Umstände gerieten sie zwischenzeitlich ein wenig in Vergessenheit. „Mit großem Aufwand haben wir jüngst alle Standorte neu erfasst, aufgesucht und sind dabei, die Betreuung zu organisieren“, berichtet Michael Lentes vom NABU. Damals wurden auch einige Kästen in Schwindel erregender Höhe, z.B. in Scheunen montiert, wo man nur mit waghalsiger Kletterei herankommt. „An diese traut sich heute niemand mehr ran“, weiß der Naturschützer. 10 Kästen mussten daher aufgegeben werden.

    20 Prozent des europäischen Bestands leben hier!
    Den Fachleuten des NABU ist klar, dass etwas getan werden muss: Nach der aktuellen „Roten Liste Brutvögel in Rheinland-Pfalz“ steht die Schleiereule heute auf der Vorwarnliste und als Vogelart mit hoher Verantwortung für Rheinland-Pfalz, da bis zu 20 Prozent des europäischen Bestandes bei uns leben. Doch nicht nur die fehlenden Nistmöglichkeiten machen der weißen Eule zu schaffen, auch mit kalten Wintern hat sie erhebliche Probleme, da sie kaum Körperfett bildet. Hungerperioden in kalten Wintern mit Schnee führen daher zu großen Verlusten. Das war in den Wintern 2012/13 und 2013/14 der Fall, wo fast alle noch betreuten Brutplätze in Rheinhessen verwaisten.

    Doch Schleiereulen können solche Verluste durch die hohe Zahl ihrer Nachkommen relativ schnell ausgleichen. 2015 war Dank der vielen Mäuse auch ein sehr gutes Jahr für die Schleiereulen. Das bestätigen die Beobachtungen. Der NABU Worms und Umgebung hat sich zum Ziel gemacht, mit seinem Artenschutzprojekt und 20 bezugsbereiten Kästen die Schleiereule zu unterstützen. Dabei kann er auf die Hilfe von Betreuern zurückgreifen, die sich um einen Schleiereulenkasten z.B. in Mörstadt, Flörsheim-Dalsheim und Hochheim kümmern.

    „Schleiereulen sind traditionelle Rheinhessen, die in Zukunft hoffentlich wieder häufiger zu sehen sind“, hofft Matthias Bösl, einer der Vorsitzenden.

    Foto: Rosl Rößner

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