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  • Mi., 26. Juni 2024, 23:29 Uhr
    Nibelungen-Festspiele: Bühnenbild der aktuellen Inszenierung „Der Diplomat“ wurde am Mittwoch präsentiert / 100 Liter Kunstblut werden pro Abend verarbeitet

    Schlichter und klar gegliederter Schauplatz

    Unabhängig vom Bühnenbild bleibt der stolze Kaiserdom doch stets der eigentliche Hauptdarsteller. Foto: Rudolf Uhrig


    Von Rudolf Uhrig › Wenn der Fotograf von „Lens Flare“ spricht, was sogar wörtlich übersetzt „Aufflackern der Linse“ bedeutet, dann geht es tatsächlich um Blendeneffekte. Und diese treten auf, wenn die Kameralinse in grelles Licht – aber und ganz besonders so starkes Licht, wie es die Sonne in diesen Tagen abgibt, gehalten wird oder „gehalten werden muss.“ 

    Manchmal sind solche Effekte ein gewolltes grafisches Element, in der Presseberichterstattung eher nicht. Aber keine Chance, wenn das Team der Nibelungen-Festspiele nachmittags um 15 Uhr zur Bühnenbildpräsentation einlädt: Die Sonne steht hoch über dem „Hauptdarsteller“, dem Dom… und sie strahlt, überstrahlt, alles. Noch werkeln die Handwerker kräftig; die Kreissäge kreischt schrill auf, andere schleppen Erde, viel Erde in 45 Liter Beutel verpackt, über die Bühne. 

    Proben an Ort und Stelle
    Sie haben nicht lange Zeit, gleich werden die Darsteller kommen, denn geprobt wird seit einigen Tagen bereits an Ort und Stelle. „Aber das ist so und es ist so der Plan“ sagt Petra Simon. Und sie hat Erfahrung, denn seit 2009 ist sie als künstlerische und seit 2014 als technische Betriebsdirektorin der Nibelungen-Festspiele dafür verantwortlich. 

    Nach 2018 (Siegfrieds Erben) und 2022 (Hildensage) ist wieder Palle Steen Christensen mit der Gestaltung des Bühnenbildes beauftragt. Und der Däne versucht den anwesenden Journalisten in Englisch seine Idee vom Bühnenbild zu vermitteln, denn noch ist das, was man sieht, nicht so wirklich greifbar. Phantasie und Vorstellungskraft sind also gefragt. Christensen spricht von dem  „Ceremonial Place“, also dem  „zeremoniellen Ort“. 

    Zuschauer ins Hier und Jetzt beamen
    Gleich nach dem „Opener“, also der Videoeinspielung, die wieder von Videodesigner Clemens Walter kreiert wird, werden die Zuschauer von der großen Schlacht um Verona, wo Dietrich von Bern seine Streitmacht als Königssohn führt, ins Hier und Jetzt zum Hofe der Burgunden „gebeamt.“ 

    Sie finden eher einen „schlichten“, aber klar gegliederten Schauplatz vor. Zwei große Tische, rechts und links hoch oben zwei vertikale Bildschirme. Mittig, zentral, eben am „Ceremonial Place“ ist der Leichnam Siegfrieds aufgebahrt. 

    Gerade haben die Burgunder ihren Helden ermordet; „Bloodshed“ sagt Palle Stehen Christensen, eben „Blut fließt“. Denn die Leiche verwest nicht, sie blutet und blutet. Ein Mysteriu, wie es einmal der Künstlerische Leiter Thomas Laue ausdrückte, für Christensen ist es eine „Metapher der Schuld“.

    Diplomatie kann nichts mehr ausrichten
    Die Diplomatie des Diplomaten Dietrich von Bern kann nichts mehr ausrichten. Es kommt zum unausweichlichen Krieg. Dafür auch die Erde, viel Erde, Blut getränkt wird sie sein, von „Blutschlamm“ spricht der Bühnenbildner und er zieht Parallelen zum 1. Weltkrieg „… so muss es gewesen sein!“ „An all dem arbeiten wir, am Blutschlamm, aber auch, wie wir die 100 Liter Kunstblut pro Abend mit dem Pumpensystem verarbeiten können“, sagt Sebastian Bolz, der technische Leiter.

    Natürlich wird es auch wieder „Screen Mappings“ geben, wie spektakulär sie werden, verrät aber noch niemand. Also wabert der dunkelgraue Schleier immer noch über der diesjährigen Inszenierung.

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