Do., 29. Juni 2017, 12:40 Uhr
Betroffene von sexualisierter Gewalt wünschen sich parteiliche Unterstützung / Frauennotruf Worms veröffentlicht Tätigkeitsbericht 2016
Schnelle und passende Hilfe und Unterstützung leisten
Nach wie vor suchen viele Frauen nach sexualisierter Gewalt Unterstützung im Frauennotruf Worms. Dies zeigt der Tätigkeitsbericht 2016 der Fachstelle gegen sexualisierte Gewalt. So fanden im vergangenen Jahr in der Beratungsstelle fast 600 telefonische oder persönliche Beratungsgespräche statt. 100 Personen wurden beraten; neben Betroffenen Frauen und Mädchen auch Fachkräfte oder UnterstützerInnen.
Die Betroffenen finden den Weg in die Beratungsstelle zumeist durch Empfehlung anderer professioneller Fachkräfte. Wie schon in den Vorjahren suchten v.a. Frauen, die in der Kindheit sexualisierte Gewalt erlebt haben die Unterstützung der Fachberatungsstelle. Viele erwachsene Betroffene, die in ihrer Kindheit ohne Hilfe blieben, erhalten im Erwachsenenalter erstmals Unterstützung durch die Fachberatungsstelle.
Dies zeigt auch der erste Zwischenbericht der unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs, der kürzlich veröffentlicht wurde. Im ersten öffentlichen Hearing der Aufarbeitungskommission machten viele Betroffene deutlich, dass ihnen die Unterstützung und parteiliche Begleitung gefehlt hat, die sie gebraucht hätten. Gerade dies ist die Kernkompetenz der Fachstelle gegen sexualisierte Gewalt.
Spezialisierte Beratung und Therapie ausbauen
In ihrem aktuellen Bericht legt die Kommission auch dar, dass die erheblichen Belastungen, denen Betroffene in der Aufarbeitung unterliegen, vor allem durch den Ausbau spezialisierter Beratung und Therapie behoben werden müssen.
Die Fachberatungsstelle schließt sich den Forderungen der Kommission nach einer verbesserten, flächendeckenden spezialisierten Unterstützung für Betroffene an.
„Wir möchten unser Beratungsangebot für die betroffenen Frauen und Mädchen sicher und uneingeschränkt aufrechterhalten,“ erklärt Annette Hölter vom Frauennotruf Worms.
Die wenigen Maßnahmen, die in den letzten Jahren seitens der Politik getroffen worden sind, haben für die Arbeit für Betroffene und gegen sexualisierte Gewalt zu keiner Stabilisierung oder Verbesserung geführt. Nach wie vor arbeitet die Fachberatungsstelle an den Kapazitätsgrenzen, während die Anforderungen steigen.
„Als Frauennotruf wünschen wir uns, dass betroffene Frauen und Mädchen schnelle und passende Hilfe und Unterstützung erhalten“, so Annette Hölter weiter, „und nicht an strukturellen und finanziellen Hindernissen scheitern.“