ABENHEIM: Opa, Tochter und Enkelin besuchen Wormser Wurzeln / „Weck, Woschd un Woi“ begeistern
Schönster Abenheimer Dialekt aus Brasilien
Von links: Bei der Übergabe u.a. alter Ortsansichten als Präsente freuten sich Ortsvorsteher Marco Fruci, Olivio, Nicole und Adriana Lottermann, Gitta Spohr-Klingler, Rolf Klingler sowie Uwe Lottermann. Foto: Fruci
Im Frühjahr 1859 packten Johannes und Hilarius Lottermann sowie andere Abenheimer ihre Koffer und begaben sich auf den Klausenberg, um Abschied von ihrem Heimatdorf zu nehmen und nach Brasilien auszuwandern.
Am 6. November 2022 standen Olivio, Adriana und Nicole Lottermann, Opa, Tochter und Enkelin aus Brasilien an der gleichen Stelle, von der ihre Vorfahren vor 163 Jahren aufgebrochen sind in eine ungewisse Zukunft. „Zum Glick is niemand gestorwe bei de Iwwerfahrt!“ berichtet Olivio im schönsten Abenheimer Dialekt, den er von seiner Mutter erlernt hat. Während dessen sind Adriana und Nicole von der Verköstigung mit „Weck, Woschd un Woi“ begeistert – besonders vom Senf, den sie vorher noch nie probiert haben.
Eingefädelt wurde der Besuch von Uwe und Marcus Lottermann aus dem Landkreis Limburg-Weilburg. Beide sind seit Jahren weltweit auf der Suche nach „Lottermännern“. Gemeinsam mit dem Familienforscher Richard Fuchs und den Leitern des Abenheimer Museums, Rolf Klingler und Gitta Spohr-Klingler, organisierten sie den Tag.
Sonntagsvormittags besuchte die kleine Gruppe die Abenheimer Kirche, in der sie von Pfarrer Mbadu begrüßt wurden. Beim anschließenden Rundgang durchs Dorf versuchten die Museumsleiter den Gästen über alte Fotografen zu vermitteln, wie Abenheim zu der Zeit ausgesehen hat, als die Auswanderer das Dorf verließen.
Absolutes Highlight dabei war natürlich das Geburtshaus eines Vorfahren im Kirschgarteneck und ein daran angrenzendes kleines Stallgebäude. Noch am Abend sagte Olivio: „De Saustall war de Renner!“ Beim Anblick des 1556 erbauten Amtshofes bemerkte er, dass Brasilien nur ca. 56 Jahre älter sei.
Zu Kaffee und Kuchen fand sich die kleine Gesellschaft mit anderen Abenheimer Lottermännern und -frauen gegen nachmittag im Museum ein. Dort wurden eifrig Fotos getauscht, Familiendaten verglichen und diskutiert, welche Familenmitglieder zu welchen Lottermannstämmen gehörten. Besonders Marcus Lottermann und Richard Fuchs konnten sich fachmännisch austauschen.
Anschließend ließ es sich Ortsvorsteher Marco Fruci nicht nehmen, die brasilianischen Gäste abends ins Restaurant „Zum Klausenberg“ einzuladen, worauf Olivio bemerkte: „Do in Oowerum krieht ma de ganze Dag was zu esse un zu trinke.“.
Am 9. November ging es wieder zurück nach Brasilien, wo sich alle drei auf den dortigen Frühling freuen – und auf ein großes Familientreffen mit den zehn Geschwistern von Olivio am darauf folgenden Sonntag – bei dem alle drei viel zu berichten haben werden von ihrem Besuch in Europa und vor allem von der Heimat ihrer Vorfahren: Abenheim.