
Zu einem Austausch über die aktuelle Situation im Wormser Frauenhaus besuchte der Landtagsabgeordnete Dirk Beyer die Einrichtung und sprach mit den Leiterinnen Heike Kissel-Eltrop und Sandra Noppenberger. Im Mittelpunkt standen die steigenden Fallzahlen, die Umsetzung des Programms „Second Stage“ sowie aktuelle Herausforderungen in der täglichen Arbeit.
Das Wormser Frauenhaus besteht seit 1980 und gehört damit zu den ersten Frauenhäusern bundesweit; seit 1993 in Trägerschaft des DRK‑Kreisverbandes. Es bietet Platz für sieben Frauen und elf Kinder. Die Bewohnerinnen leben in einer Art Wohngemeinschaft, verfügen jedoch jeweils über ein eigenes Zimmer. Sechs pädagogische Fachkräfte arbeiten in Teilzeit sowie eine Hauswirtschafterin in der Einrichtung.
Neben dem Schutz vor Gewalt ist das Frauenhaus auch Beratungs- und Interventionsstelle. Die Verantwortlichen berichten von zunehmenden Fällen und einer weiterhin hohen Dunkelziffer. „Die Arbeit des Frauenhauses ist unverzichtbar. Umso wichtiger ist es, dass die Mitarbeiterinnen ausreichend Unterstützung und gute Rahmenbedingungen erhalten“, betonte Beyer.
Ein Schwerpunkt des Gesprächs war das Programm „Second Stage“, das Frauen nach dem Frauenhausaufenthalt auf dem Weg in ein selbstständiges Leben begleitet. Die größte Hürde ist dabei der angespannte Wohnungsmarkt. Der Träger mietet Wohnungen an und sucht hierfür perspektivisch weitere Vermieterinnen und Vermieter.
„Second Stage kann nur funktionieren, wenn nach dem geschützten Aufenthalt auch eine eigene Wohnung zur Verfügung steht. Wir brauchen deshalb mehr Bereitschaft, entsprechenden Wohnraum zur Verfügung zu stellen“, so Beyer.
Weitere Probleme sehen die Leiterinnen beim Umgangsrecht, bei dem aus ihrer Sicht die Sicherheit von Frauen und Kindern stärker berücksichtigt werden müsse. Auch die zunehmende Bürokratie binde wertvolle Arbeitszeit. Zusätzlich erschwere der Ärztemangel eine zeitnahe medizinische Versorgung der neu aufgenommenen Frauen und Kinder, die in der Regel nicht aus Worms kommen.
„Schutz vor Gewalt darf nicht an fehlendem Wohnraum, übermäßiger Bürokratie oder mangelnder medizinischer Versorgung scheitern“, erklärte Dirk Beyer. „Wir müssen die Einrichtungen vor Ort so ausstatten, dass sie ihre wichtige Arbeit leisten können.“
Beyer dankte Heike Kissel-Eltrop und Sandra Noppenberger für den offenen Austausch und kündigte an, die angesprochenen Themen auch in seine politische Arbeit auf Landesebene und über SPD-Mandatsträger auch auf Bundesebene einzubringen.
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