Mi., 02. Februar 2022, 08:49 Uhr
DIE LINKE ALZEY-WORMS: Gedenkveranstaltung zum Internationalen Tag zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus
Sensibilisieren und wachrütteln
Der 27. Januar ist der Internationale Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus. Aus diesem Anlass lud DIE LINKE Alzey-Worms am 28. Januar zu einer online-Veranstaltung mit zwei Vorträgen ein. Als Referenten konnten die Leiterin des Arbeitskreises „Juden im Alzeyer Land“, Renate Rosenau, sowie der Antisemitismusbeauftragte der Landesregierung, Dieter Burgard, gewonnen werden.
„Ihr seid nicht schuld an dem, was war, aber verantwortlich dafür, dass es nicht mehr geschieht“, mit diesem berühmten Zitat des Shoa-Überlebenden Max Mannheimer erinnerte Co-Kreisvorstandssprecher Kemal Gülcehre in seinen einleitenden Worten an die Verpflichtung aller Demokraten, Antisemitismus, Rassismus und gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit entschlossen entgegenzutreten.
Auch Co-Stadtverbandsvorsitzende Anja Läwen mahnte in ihrer Begrüßung zur Wachsamkeit und weist darauf hin, dass es angesichts wieder zunehmendem Antisemitismus in der Gesellschaft besonders wichtig sei, solche Gedenktage wie den 27. Januar zu nutzen, um zu sensibilieren und wachzurütteln.
Hintergründe der Wannseekonferenz
Zunächst ging Renate Rosenau auf die Hintergründe der Wannseekonferenz vor 80 Jahren ein. Die Konferenz diente der Planung eines schon im Vorfeld beschlossenen Massenmordes. Sechs Millionen Juden wurden bis zum Kriegsende Opfer der nationalsozialistischen Vernichtungsmaschinerie, darunter auch Menschen aus dem Alzeyer Land. Ihr Schicksal zu erforschen hat sich die Arbeitsgruppe im Altertumsverein zur Aufgabe gemacht.
Prägender Einfluss
Landesbeauftragter Dieter Burgard gab in seinem Vortrag zunächst einen Überblick über die jüdische Geschichte auf dem Gebiet des heutigen Rheinland-Pfalz. Zeugnisse jüdischer Geschichte seien vielerorts in Rheinland-Pfalz zu finden, dabei kommt den Städten Mainz, Worms und Speyer eine besondere Rolle zu. Als Mitglieder des mittelalterlichen SchUM-Bundes hatten sie prägenden Einfluss auf Theologie, Architektur und kulturelles Leben der jüdischen Gemeinden im mittelalterlichen Deutschland. Seit Juli 2021 gehören die SchUM-Stätten, darunter der jüdische Friedhof in Worms, zum UNESCO-Welterbe.
Ein ernstzunehmendes Problem
Dass Antisemitismus trotz der unfassbaren Geschehnisse in der Zeit des Nationalsozialismus bis heute nicht verschwunden ist und auch in Rheinland-Pfalz ein ernstzunehmendes Problem darstellt, erläuterte Burgard anhand einiger Beispiele. Wichtig sei, dass entsprechende Vorfälle gemeldet werden, genauso Präventions- und Aufklärungsarbeit.
Mehr Prävention gefordert
Im anschließenden Austausch mit den Zuhörern, moderiert durch die Anja Läwen, wurden verschiedene Punkte diskutiert, so z.B. die Pflege jüdischer Friedhöfe im Landkreis, welche in der Regel durch die jeweiligen Gemeinden übernommen wird. Landes- und Bundesmittel sollen hier sicherstellen, dass diese in einem gepflegten und würdevollen Zustand erhalten bleiben. Auch über israelbezogenen Antisemitismus unter jungen Menschen wurde diskutiert. Adar Belice, Sprecher für Jugendpolitik in der LINKEN Alzey-Worms und zugleich Kreisschülersprecher, berichtete von antisemitischen Sprüchen auf dem Pausenhof und dass diese oft aus einem undifferenzierten Blick auf den Nahost-Konflikt resultieren. Hier sei mehr Prävention gefordert, etwa durch die Auseinandersetzung mit jüdischen Schicksalen vor Ort. In diesem Zusammenhang wünschte sich Belice, dass die Einbeziehung von Schulen in die „Aktion Stolpersteine“ auch jenseits der Alzeyer Gymnasien mehr Zuspruch findet.