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Di., 26. März 2013, 17:56 Uhr
Sie haben das Kämpfen noch nicht verlernt
Mit großem kämpferischen und läuferischen Einsatz besiegte die Wormatia die U23 des Freiburger SC II mit 3:2 / Heute um 19 Uhr Gastspiel beim FSV Mainz 05 II
Scipon Bektasi ist auf dem Weg zum 2:0 nicht aufzuhalten und unterstreicht damit seine bisherige Leistung im Wormatia-Trikot. Foto: Klaus Diehl
VON KLAUS DIEHL Von Spiel zu Spiel denken, sich darauf gezielt vorzubereiten und aus der Blamage der Pokal-Niederlage drei Tage zuvor mit 2:3 beim Oberligisten FC Arminia Ludwigshafen auch die nötigen Lehren ziehen. Kämpfen und den unbedingten Siegeswillen, gepaart mit einer enorm hohen läuferischen Bereitschaft, wollte man an den Tag legen. Die Pokal-Niederlage war sowieso nicht mehr zu reparieren, dafür aber das Ansehen bei den Fans, Trainern und Wormatia-Verantwortlichen.
Wenn es gegen Freiburg ein Anfang war, den Fokus nicht nur zu 100 Prozent auf dieses Spiel zu richten, sondern das auch die restlichen zwölf Spiele zu zeigen, werden auch wieder mehr Zuschauer in die EWR-Arena kommen, als das Häuflein von 721 Aufrechten am letzten Samstag.
Dabei sah es in der 5. Minute gar nicht gut aus, als Sandro Rösner den im Winter für gut eine Million vom 1. FC Kaiserslautern nach Freiburg gewechselten Hendrick Zuck nur noch unfair vom Ball trennen konnte. „Den Elfmeter kann man geben“, so Wormatia-Schlussmann Kevin Knödler, der den von Marc Lais wahrlich nicht besonders gut und flach geschossenen Strafstoß abwehren konnte.
Da hatte Wormatias absolute Nummer eins das Psycho-Spielchen vor der Ausführung gewonnen. „Ich habe lange auf der Linie gestanden und letztlich eine Bewegung nach rechts angedeutet, so dass der Freiburger Schütze wohl von mir aus gesehen auf der linken Seite sein Glück versuchte“, erklärte Kevin Knödler über diese für den Spielausgang für die Wormaten wohl in positiver Hinsicht wichtige und entscheidende Aktion, was alle Wormaten und Trainer durch die Bank bestätigten. Dass seine Mannschaft noch in der Ausbildung ist, wusste der Gäste-Trainer Xaver Zembrod spätestens beim Warmmachen ob des Zustands des Wormatia-Rasens. Warum er deshalb seinem Schützen nicht signalisierte, das runde Spielgerät höher in das Wormatia-Tor zu platzieren, gehört dann wohl auch zur Ausbildung – oder nicht?
Auf jeden Fall fing seine Spielanalyse bei der Pressekonferenz mit dem wenig befriedigenden „Acker-Rasen“ in der EWR-Arena an. Seine junge Mannschaft pflege das gekonnte Flachpass-Spiel, das bei diesen Bodenverhältnissen nicht gerade einfach wäre. Zustimmendes Geraune erlaubte da wohl wenig Widerspruch. Dies schon eher bei seiner Meinung, dass in dem sich alsbald entwickelnden reinen Kampfspiel für seine Schützlinge gegenüber den im Schnitt 15 Kilogramm mehr Muskelmasse aufweisenden Wormaten dieser Boden ein zusätzlicher Nachteil gewesen sei; was so noch kein Gästetrainer zum Besten gegeben hat. Normalerweise bewegen sich doch gerade Leichtgewichte besser bei solchen Bodenverhältnissen. Oder meinte er gar die Zweikampfhärte? Da standen seine Mannen den anderen aber in nichts nach.
Die Wormaten mussten schon seit Jahren und so auch am letzten Samstag auf diesem schwer bespielbaren Rasen spielen und konnten darauf in dieser Jahreszeit auch noch so gut wie nicht trainieren. Sie beherrschen, wenn es geht, auch durchaus das Flachpasspiel.
Doch all das viele Reden und Jammern über den 60 Jahre alten Zustand des Wormatia-Rasens bringt nichts. Auch bei den Stadt-Verantwortlichen ist dies bekannt und steht auf der Prioritätenliste von Stadt und Land als eines der nächsten zu förderndes Projekt, sobald Mittel dafür bereit stehen, an vorderster Stelle.
Dies konnte man auch in der jüngsten Sitzung des städtischen Sportausschusses erfahren. Es ist müßig weiter darauf einzugehen, da Stadt und Land nicht gerade über so eine üppige Portokasse verfügen wie anderenorts, um den sicherlich berechtigten und verständlichen Wunsch auf Besserung kurzfristig entsprechen können.
Dazu muss man wissen, dass etliche der Rasenplätze im Wormser Amateurbereich und drumherum besser aussehen. Doch die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt und es zeigen sich erste rosarote Streifen am düsteren Rasenplatz-Himmel der EWR-Arena ab.
Doch zurück zum Spiel, das sich in der 7. Minute für die Wormaten moralisch besser entwickelte. Der mit seiner bisher besten Leistung im Wormatia-Trikot aufwartende Ex-Freiburger Scipon Bektasi hatte von der linken Seite den Ball hoch in den Freiburger Strafraum gezirkelt und der schien über das Tor zu gehen. Dies dachte wohl auch SC-Keeper Dominic Bergdorf und konnte sichtlich überrascht den Ball gerade noch an die Querlatte lenken, doch Romas Dressler stand da, wo ein Torjäger stehen muss und köpfte den abprallenden Ball zur 1:0-Führung ein. „Ist denn schon Ostern?“ Denn es war kaum zu glauben, dass acht Tage vor dem Osterfest (Auferstehung) die Regionalliga-Kicker des VfR Wormatia seit Oktober letzten Jahres erstmals wieder auf eigenem Platz in Führung und am Ende sogar als Sieger vom Platz gehen würden. Trainer Stefan Emmerling hatte die Mannschaft gegenüber Ludwigshafen umgebaut. Benjamin Himmel verteidigte für den am Knie verletzten Christoph Böcher auf der rechten und Artur Krettek für Jacob Ammann auf der linken Viererkette.
Da auch Marcel Abele wegen seiner fünften gelben Karte fehlte, sollte Nassim Banouas zusammen mit Max Mehring die Sechserpositionen besetzten. Allerdings nur bis zur 22. Minute, als Banouas erneut mit einer Oberschenkel-Blessur vom Platz musste. Für ihn kam Kevin Wittke in die Partie, was durchaus kein Fehler war. Daniele Toch blieb nur der Platz auf der Bank. Christoph Sauter spielte auf der rechten und Alper Akcam wechselte auf die linke Seite. Doch zu loben ist vorneweg der läuferische und kämpferische Einsatz aller Spieler, bei manchen sogar bis an die Schmerzgrenze.
Da wurde nach hinten – wenn es sein musste – mit allen Mann verteidigt und umgekehrt der Weg nach vorne gesucht. Besonders Scipon Bektasi und Romas Dressler bereiteten der Freiburger Abwehr viele Probleme und in der 29. Minute musste eigentlich Christoph Sauter das 2:0 machen. Romas Dressler hatte sich auf der linken Seite gleich gegen mehrere Freiburger Spieler durchgesetzt und seine Hereingabe landete genau vor den Füßen des völlig freistehenden Christoph Sauter, der im zweiten Versuch den Ball über das Tor setzte. Nur fünf Minuten später hätte Romas Dressler beinahe das 2:0 gemacht, als er im Nachsetzen schneller als der Freiburger Torhüter war, aber etwas zu weit nach rechts abgelenkt nur den Pfosten traf.
Gegen eine immer noch etwas verunsicherte Wormatia-Abwehr gab es bis zur Pause keine ernsthafte Gefahr für das Wormatias-Tor. Die nächste Chance nach dem Seitenwechsel hatte erneut Romas Dressler, dessen Kopfball der Gäste-Keeper über die Querlatte lenken konnte. Freiburg zeigte sich zu Beginn der zweiten 45 Minuten präsenter, griff die Wormaten früher an und engte damit deren Spielraum sichtlich ein.
Doch die Wormatia konterte und kam auch in der 65. Minute dadurch zum 2:0. Sandro Rösner hatte mit einem hohen Ball Scipon Bektasi auf die Reise geschickt, dieser nahm den Ball mit der Brust gekonnt an, drehte sich, ließ sich auch nicht mehr abdrängen und schoss überlegt und gekonnt von der rechten Strafraumseite unhaltbar in das lange Eck. Ein sehenswertes und schon lange nicht mehr in der EWR-Arena erzieltes Tor und dazu noch aus dem Spiel heraus. Freiburg machte weiter Druck, doch die Wormaten hatten Spaß am Konterspiel gefunden und waren dem dritten Tor näher, das zunächst Scipon Bektasi nur knapp verfehlte.
In der 84. Minute war es soweit, als sich Kevin Wittke von der linken Seite durchsetzen konnte, seine scharfe Hereingabe mit Mühe und Not abgewehrt wurde und Marco Steil etwa 20 Meter vor dem Tor genau vor die Füße fiel und der den Ball mit sehenswertem Volleyschuss in die Freiburger Maschen jagte. Ein absoluter Sonntagsschuss am Samstagnachmittag und als Tor des Monats allemal tauglich.
Wohl zu euphorisch über den zweiten möglichen Heimsieg in dieser Saison ging die Ordnung in der Wormatia-Abwehr etwas verloren und erneut war es Bouziane, der nach einem Freistoß von der linken Seite nur wenige Meter völlig freistehend vor Kevin Knödler per Kopf zum 2:3 traf. Nun musste man bangen und einmal mehr war es Kevin Knödler, der bravourös gegen den eingewechselten Freiburger Oguzhan Tasli den möglichen Ausgleich in der Nachspielzeit verhinderte. Abpfiff und alle Wormatia-Spieler, Betreuer und Trainer lagen sich in den Armen.
Ist mit diesem Sieg auch das Ausscheiden im Pokal nicht mehr wett zu machen, so haben alle eingesetzten Wormatia-Spieler bewiesen, dass sie sich mit ganzem Herzen wenigstens halbwegs bei ihren Fans rehabilitieren konnten. Ein wichtiger und verdienter Sieg, der Hoffnung macht, dass die zwölf noch ausstehenden Spiele doch besser verlaufen können, als man dies mit den ersten drei Niederlagen nach der Winterpause zu hoffen wagte.
Heute Abend steht die nächste ganz schwere Aufgabe bevor, wenn es zum Gastspiel bei der U23 des FSV Mainz 05 kommt. Da sollte die 1:4-Heimschlappe eigentlich Motivation genug sein, sich mit vollem Einsatz so achtbar wie möglich aus der Affäre zu ziehen. Es wird mit Sicherheit eine ganz heiße Kiste werden, liegen doch die kleinen 05er mit fünf Punkten weniger hinter den Wormaten zurück auf dem 16. Platz in der Abstiegszone. Gegen den SC Freiburg II spielten: Kevin Knödler, Benjamin Himmel, Marco Steil, Sandro Rösner, Artur Krettek, Christoph Sauter, Nassim Banouas (22. Kevin Wittke), Max Mehring, Alper Akcam (88. Jacob Ammann), Scipon Bektasi, Romas Dressler.
Etwas mehr Ruhe im Abschluss und auch etwas mehr Lockerheit ist dem Winterzugang Christoph Sauter zu wünschen, der in obiger Szene eigentlich das 2:0 vor der Pause hätte machen müssen. Fotos: Klaus Diehl