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  • Mi., 14. Dezember 2016, 10:33 Uhr
    Die Verwirklichung der Krankenhaustangente könnte den Äußeren Ring um Worms vollenden / Was denken die NK-Leser?

    Sinnvoller Lückenschluss oder 12 Millionen-Grab?

    Das städtische Verkehrskonzept sieht einen Äußeren Ring um Worms vor. Ziel ist es, den Durchgangsverkehr um die Kernstadt herumzuleiten. Die Frage ist, wird dazu die Krankenhaustangente benötigt? Grafik: Blum


    VON GERNOT KIRCH | Die Überlegungen eines Äußeren Verkehrsringes um Worms herum gibt es schon lange. Im Jahr 1972 erfolgte die Aufnahme in den Generalverkehrsplan der Nibelungenstadt. Seitdem ist der Äußere Ring fester Bestandteil des städtischen Verkehrskonzeptes. Die Grundidee ist dabei, den Durchgangsverkehr aus der Kernstadt zu verbannen und ihn um die City herumzuleiten. 

    Zur Vollendung des äußeren Rings fehlen noch zwei Elemente. Dies ist die B 47-Südumgehung und die Krankenhaustangente. Nachdem bei der B 47-Südumgehung alle juristischen Hürden genommen und im Juli 2015 die Finanzmittel aus Berlin in Höhe von rund 36 Millionen Euro freigeben wurden, haben die vorbereitenden Bauarbeiten an dem vierspurigen, 2,3 Kilometer langen Straßenabschnitt begonnen.

    Der endgültige Abschluss aller Baumaßnahmen an der B 47 neu ist für das Jahr 2022 geplant, wobei einzelne Teilabschnitte schon früher für den Verkehr freigegeben werden sollen. 

    Der letzte Lückenschluss am Äußeren Ring wäre die „Krankenhaus- tangente“, die schon als Planung in der Schublade liegt. Da die Straßenbaumaßnahme aber nicht unumstritten ist, bleibt abzuwarten, ob sie je realisiert wird. 

    Im Zuge der Beratungen über den Haushalt 2017 wallte die Problematik erneut auf, daher versucht der NK hier eine Bestandsaufnahme. Die Tangente soll am Ortsrand Leiselheim beginnen und ist die Verlängerung der Johann-Hinrich-Wichern-Straße aus Herrnsheim. Vom Ortsrand Leiselheim aus soll die Tangente westlich an Pfiffligheim vorbeigehen und schließlich auf die B 47 neu stoßen. 

    Nach bisherigen Kalkulationen belaufen sich die Kosten auf rund 12 Millionen Euro.

    Vier Kreisel und zwei Brücken
    Die Krankenhaustangente wird zirka zwei Kilometer lang sein. Insgesamt werden vier Kreisel neu entstehen und zwar an der Nievergolt- und der Landgrafenstraße sowie an der B 47 alt (Alzeyer Straße) und an der Einmündung zur B47 neu-Südumgehung. 

    Dazu kommen zwei Brückenbauwerke, eines über die Pfrimm und ein kleines über den Schlittweg. An der Bahnlinie zwischen Worms und Pfeddersheim soll eine Unterführung entstehen. 

    Planfeststellungsverfahren nach Abschluss der Erörterung
    Zurzeit läuft das Planfeststellungsverfahren zur Krankenhaustangente beim Landesbetrieb Mobilität (LBM) in Koblenz. Die Durchführung aller Erörterungstermine wird voraussichtlich im Frühjahr 2017 abgeschlossen sein. 

    Sollten neue Einwände zu Tage treten, kann das Verfahren noch länger dauern. Nach Abschluss aller Erörterungen erfolgt der Planfeststellungsbeschluss, eine Art Genehmigung, die zunächst sieben Jahre Gültigkeit besitzt. 

    Schnelle Entscheidung steht nicht an
    Es muss also nicht gleich mit dem Bau begonnen werden, sondern die städtischen Gremien können sich Zeit lassen. Und das möchten sie auch. So formulierten Oberbürgermeister Michael Kissel im Zuge der Haushaltberatungen vor wenigen Wochen, dass die Entscheidung über die Realisierung der Tangente jetzt nicht anstehe, sondern erst in einigen Jahren.

    Notwendiger Lückenschluss
    Die Sozialdemokraten befürworten die Krankenhaustangente als notwendigen Lückenschluss des äußeren Rings. Der SPD-Fraktionsvorsitzende im Stadtrat, Timo Horst, möchte nach einem positiven Planfeststellungsbeschluss durch eine Verkehrsuntersuchung klären lassen, wie groß die Entlastung durch die Tangente sei. Erst danach solle eine endgültige Entscheidung fallen, wobei aber Timo Horst auch auf die Lärmentlastung für die Menschen, etwa an der Alzeyer Straße, hinweist.

    Leistungsfähige Infrastruktur als wichtiger Standortfaktor
    Die Industrie- und Handelskammer (IHK) spricht sich für die Krankenhaustangente aus. IHK-Vizepräsident Michael Kundel sieht die jüngste Debatte mit großer Sorge. Eine gut funktionierende Verkehrsinfrastruktur sei einer der wichtigsten Standortfaktoren für Wormser Firmen, so Kundel. 

    Ein Verzicht auf dieses wichtige Teilstück würde bedeuten, dass wesentliche Verkehrsströme von der A61 und aus den westlichen Stadtteilen Richtung Norden, Süden und Osten weiterhin durch die Innenstadt fließen – mit allen Belastungen durch Stau, verlängerte Fahrzeiten, hohe Kosten und den damit verbundenen negativen Auswirkungen für Mensch und Umwelt. Gerade der Güterkraftverkehr aber soll in den kommenden Jahren nicht weniger werden, sondern sogar noch deutlich ansteigen. 

    Dr. Klaus Karlin (CDU) zu den Fragen: „Wem soll die Tangente nutzen? Wer soll sie befahren?“ Der Christdemokrat vertritt die Auffassung, es existiere bereits ein äußerer Ring (siehe Grafik), bestehend aus B9, dem Nordzubringer, der A 61 und bald eben der B 47 neu. Damit stellt er die Notwendigkeit der Krankenhaustangente prinzipiell in Frage, zumal die kalkulierten Kosten von rund 12 Millionen sehr hoch seien und der Stadt jetzt schon Geld für die Sanierung von Schulen und den Kita-Bau fehle. 

    Aber ähnlich wie Timo Horst, möchte auch Dr. Klaus Karlin die Entscheidung über die Realisierung der Tangente nicht jetzt treffen, sondern nach einer Verkehrsuntersuchung. Und dies möglichst, wenn die B 47-Südumgehung bereits in Funktion ist. Somit wäre es bis zu einer Beurteilung der Situation schon 2025.

    Grüne
    Die Grünen lehnen die Krankenhaustangente komplett ab und würden sie am liebsten sofort beerdigen. Das Hauptargument ist ähnlich wie bei der CDU, dass bereits ein äußerer Ring existiere und dadurch die Notwendigkeit des teuren Neubaus entfalle.

    Richard Grünewald (Grüne) formuliert drastisch: „Wer Straßen sät, wird Verkehr ernten“, und befürchtet, durch die Tangente eher Autos anzuziehen, die ansonsten weiträumig um Worms herum fahren würden. Weitere Argumente gegen das Projekt sind für die Öko-Partei der Flächenverbrauch, die hohen Kosten und die Lärm- und Feinstaubbelastung für Leiselheim.

    Auch hier würde es uns interessieren, was die NK Leser denken! Sinnvoller Lückenschluss oder 12 Millionen-Grab? Wir freuen uns über Kommentare!

     

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