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  • Do., 24. Januar 2019, 15:50 Uhr
    Hoffnung ruhen auf KiTa-Zukunftsgesetz: Kann Betreuungsschlüssel in Kitas mit hohem Anteil an Kindern mit Migrationshintergrund erhöht werden? / Jugendhilfeausschuss soll Möglichkeiten prüfen

    „Situation hat sich dramatisch verändert“

    Die Frage nach einem höheren Betreuungsschlüssel im Bedarfsfall und die Finanzierung zusätzlicher Erzieherinnen/Erzieher beschäftigt nicht nur den Wormser Stadtrat und den Jugendhilfeausschuss. Foto: Fotolia_63933304_L


    VON STEFFEN HEUMANN Laut Schilderungen von Erzieherinnen muss in Einrichtungen mit einem hohen Anteil an Kindern mit Migrationshintergrund ein erheblicher Mehraufwand geleistet werden, um Sozialisiations- und insbesondere Sprachdefizite zu kompensieren. Aufgrund dieses Mehraufwandes bei der Grundversorgung können die pädagogischen Ziele entsprechend der Intention des Kindertagesstättengesetzes nur unzureichend verfolgt werden. Laut SPD-Antrag soll die Verwaltung daher prüfen, inwieweit der Betreuungsschlüssel in den betroffenen Einrichtungen erhöht werden kann und etwa Integrationshelfer eingesetzt werden können, das die Problematik zu Lasten der Erzieherinnen und Erzieher als sonderpädagogischer Förderbedarf fehlinterpretiert wurde.

    Unterstützung ja, aber nicht zu Lasten der Stadt, was die Finanzierung betrifft. Darin war sich der Stadtrat einig, auch in der einstimmigen Entscheidung, die weitere Beratung mit Bezug auf das KiTa-Zukunftsgesetz in den Jugendhilfeausschuss zu verweisen. Jens Guth (SPD) wies darauf hin, dass ein Gesetzentwurf auf Landesebene vorliege, wobei der Inhalt weniger die Sprachbarriere betreffe, sondern die Elternarbeit fokussiere. Neben der Ausweitung von Betreuungszeiten, ein häufig genannter Elterwunsch, wäre die Sozialarbeit bis in die Familien hilfreich, so Guth. Ziel müsse es sein dafür Sorge zu tragen, dass die Kinder für die Zukunft fit gemacht werden und die Grundlage hierfür in der Kindertagesstätte mit ihrem Bildungsauftrag geschaffen werden könne, erklärte Timo Horst (SPD).

    Förderungen reichen nicht aus

    Bildungsdezernent Waldemar Herder war voll des Lobes für das positive Signal aus dem Stadtrat, stellte Abe klar, dass die Praxis noch ganz andere Probleme offenbare, denen sich die Erzieherinnen und Erzieher im Alltag stellen müssten. 60 Prozent der Neuzugänge in den Kitas seien „nicht sauber“. Gemeint seien Kinder im Alter von drei jähren, die immer noch in die Hose machen, sprach Herder Klartext. „Früher lag der Anteil bei 10 Prozent“, sprach Waldemar Herder von einer dramatischen Veränderung der Situation. Hinzu kämen noch die Sprachbarrieren. „Es gibt vielfältige Förderungen, aber die reichen nicht aus“, bezog sich der Dezernent auf den Ist-Zustand. Der Dialog sei im Gange, aber, es mache keinen Sinn auf der Ebene Worms das KiTa-Zukunftsgesetz noch einmal neu zu diskutieren. Zudem können man den Bedarf in den Kitas nicht verallgemeinern. Die Prüfung im Ausschuss sei in Ordnung, Gespräche mit Profis, wie eine gute Betreuung realisiert werden kann, laufen, so Herder, der aber auch darauf hinwies, dass Veränderungen, um den Personalschlüssel zu erhöhen, den Bereich sogenannter freiwilliger Leistungen tangieren. Und die Ausgaben hierfür stehen nicht nur bei der Stadt, sondern auch bei der Aufsichtsbehörde auf dem Prüfstand.

    Steffen Landskron (FWG/Bürgerforum) wollte wissen, ob es offene Stellen in den städtischen Kitas gibt. Dezernent Herder entgegnete, dass nicht alle Stellen besetzt seien. „Es fehlt an entsprechend qualifizierten Bewerbern“, fügte Herder an. „Wir müssen in Sachen Akquise andere Wege gehen“. Der Blick richte sich auch ins Ausland. Oberbürgermeister Michael Kissel bestätigte, dass vor allem im Sozialbereich die Mitarbeiterfluktuation hoch sei. Astrid Perl-Haag (FWG/Bürgerforum) brachte eine bessere Vergütung für die hohen Anforderungen in diesem Beruf ins Spiel. „Die Vereinbarung der Löhne sei eine Angelegenheit der Tarifpartner“, reichte OB Kissel den Kelch weiter.

    INFO: „Bilden und betreuen statt bewahren“ – Zum Thema Gesetzentwurf KiTa-Zukunftsgesetz lädt die CDU Worms am 29. Januar um 19 Uhr zu einer Informationsveranstaltung in die Vinothek am Schlosspark Bechtel, Emmerich-Joseph-Straße 11-13, in Worms ein.

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