
"Auf der linken Seite sehen Sie einzigartige, französische Bildtapeten des 19. Jahrhunderts und über der Durchgangstür seltene, aber noch restaurierungsbedürftige Stuckarbeiten, erläutert Oberbürgermeister Michael Kissel seinem Gast Johannes Kahrs beim Rundgang durchs Herrnsheimer Schloss mit seinen zahlreichen kulturhistorisch bedeutsamen Deckenmalereien, Gemälden, Möbeln, Musikinstrumenten und dem Bibliotheksturm.
Der Bundestagsabgeordnete und haushaltspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion ist auf Einladung von MdB Marcus Held nach Worms gekommen, um sich ein persönliches Bild vom Zustand der Bausubstanz des im 17. Jahrhundert im Empirestil entstandenen Gebäudeensembles zu verschaffen. Zu diesem Ortstermin eingeladen sind neben dem Wormser Stadtchef auch Baudezernent Uwe Franz, der beauftragte Architekt Jürgen Hamm und Kulturkoordinator Volker Gallé. Kahrs zeigt sich interessiert und zückt mehrmals sein Handy, um Fotos zu schießen und für ihn wichtige Details zu dokumentieren, von außen wie von innen.
Der Sanierungs- und Instandsetzungsbedarf am Schlossgebäude, seinen Räumen und am historischen Inventar tritt an so mancher Stelle offen zutage, obgleich die Stadt in den letzten Jahren schon vieles unternommen hat und Geld in die Hand nahm, um das 1958 von ihr übernommene kulturelle Erbe der Familie von Heyl für die Nachwelt und die Stadt Worms zu erhalten. “In der Planung waren zirka 10 Millionen Euro von 2013 bis 2029 veranschlagt worden, um das denkmalgeschützte Schloss mit seiner landschaftsgärtnerisch in Rheinland-Pfalz einzigartigen Parkanlage im englischen Stil in diesem 16-Jahreszeitraum wieder in einen annähernd originalgetreuen und bautechnisch einwandfreien Zustand zu versetzen”, erklärt OB Michael Kissel. Die Enttäuschung über die bisher nur sehr zurückhaltend geflossenen Fördermittel sind dem Stadtchef und Baudezernent Uwe Franz anzumerken. „In den letzten sechs Jahren haben wir aus eigenen Mitteln 887.000 Euro für dringlichste Instandsetzungsmaßnahmen aufgebracht und etwa 400.000 Euro Fördermittel von verschiedenen Institutionen erhalten. Die Fördermittel kamen bislang aus dem Denkmalschutz-Sonderprogramm des Bundes, von der Generaldirektion kulturelles Erbe und der Deutschen Stiftung Denkmalschutz“, merkt Franz an.
Doch es ist nur der berühmte Tropfen auf den heißen Stein. Die großen Fördergelder sind bislang leider ausgeblieben. “Zunächst wollten wir uns die Südseite mit dem barocken Anbau vornehmen, doch dann stellten wir fest, dass der Dachstuhl einzustürzen drohte”, beschreibt der beauftragte Architekt Jürgen Hamm die Situation. Also wurde notgedrungen zuerst der Dachstuhl saniert und die eigentlich geplante Instandsetzungsmaßnahme hinten angestellt. „Derzeit sind die Arbeiter am Westflügel und am Turm zugange. Wenn alles glatt läuft, soll die Sanierung bis Ende des Jahres abgeschlossen sein. Für das nächste Jahr haben wir die Ostseite mit Außenfassade und Dachflächen anvisiert; rund 50.000 Euro sind dafür veranschlagt“, verdeutlicht Hamm. Die ehemalige Remise und den sogenannten Soldatenbau am Schloss konnte die Stadt zur Attraktivitätssteigerung vor einigen Jahren einer privaten Nutzung zuführen.
Bei der Beauftragten der Bunderegierung für Kultur und Medien, Prof. Monika Grütters, sind bereits drei Anträge der Stadt Worms von 2013 bis 2015 eingegangen. Und auch ein Nutzungskonzept wurde zwischenzeitlich erarbeitet und der Bundesregierung vorgelegt, wie Kulturkoordinator Volker Gallé hervorhebt. Demzufolge könne man sich in einem Teil des historischen Gebäudes unter anderem eine „Dalberg-Akademie“ vorstellen mit Tagungsangeboten. Bekommen hat die Stadt für ihr als “national wertvolles Kulturdenkmal” gewertetes Schloss mit Park allerdings noch nichts. “Mit ein Grund dafür ist, dass eine 50-prozentige Kofinanzierung sichergestellt sein sollte”, erklärt Johannes Kahrs. Bedeutet, dass eine Förderung dann am aussichtsreichsten ist, wenn die eine Hälfte der beantragten Summe durch Stadt und andere Geldgeber sichergestellt ist. Hoffnung setzt hier OB Kissel auf das Land, das sich in diese Richtung seither zurückgehalten hat. Mit dem neuen rheinland-pfälzischen Kultusminister Prof. Dr. Konrad Wolf habe er bereits erste Gespräche geführt und dabei auch das Herrnsheimer Schloss angesprochen, zeigt sich Michael Kissel zuversichtlich, dass auch das Land den Stellenwert des Herrnsheimer Schlosses für Worms und die Region noch höher als bisher einstuft und der Stadt beim Erhalt finanziell unter die Arme greift.
Die Schwärmerei von MdB Marcus Held für Schloss Herrnsheim und seinen Park könne er jetzt nachvollziehen, meint Johannes Kahrs nach der Besichtigungstour. “Das ist etwas Einzigartiges für Worms, die Region und das Land, das auf jeden Fall erhalten werden muss”, verspricht der haushaltspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, sich – wie MdB Marcus Held - für eine wirkungsvolle Förderung bei der Bundesregierung stark zu machen. „Für uns ist die Sanierung und Instandsetzung von Schloss Herrnsheim eine der wichtigsten kulturpolitischen Anliegen im Rahmen des Bundeshaushalts 2017“, betonen die beiden Parlamentarier.
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