Notruf- und Beratungsstelle – Fachstelle gegen sexualisierte Gewalt: Busse werben für medizinische Soforthilfe nach Vergewaltigung
„Soforthilfe nach Vergewaltigung“
Zwei Busse des VRN sind mit dem Slogan „Soforthilfe nach Vergewaltigung“ versehen.
Bis zum kommenden Januar machen zwei Busse im Wormser Stadtgebiet auf die Möglichkeit einer vertraulichen medizinischen Versorgung nach einer Vergewaltigung im Krankenhaus aufmerksam. Die Busse fahren mit einem Anzeigemotiv der Initiative „Medizinische Soforthilfe nach Vergewaltigung" durch die Innenstadt. Nach einem sexualisierten Angriff wollen viele Frauen nur eines: die Abklärung von gesundheitlichen Fragen. Anzeige bei der Polizei zu erstatten ist häufig nicht das erste Anliegen. Zu tief sitzt der Schock des Erlebten, zu groß ist der Wunsch, sich die Spuren der Tat vom Körper zu waschen. Darüber hinaus erwarten viele Frauen, dass ihnen auch von ihrem Umfeld eine Mitschuld an dem Angriff unterstellt wird und rechnen mit wenig Verständnis für diese Situation. Auch Schamgefühle lassen sie zögern, eine Anzeige zu erstatten.
Medizinische Versorgung und Untersuchung
„Somit hat eine angemessene medizinische Versorgung oberste Priorität. Sie sollte möglichst zeitnah erfolgen. Die betroffenen Frauen haben nach einem solchen Angriff ein Recht auf Versorgung von Verletzungen und auf Antworten zu Gesundheitsfragen, z.B. ob sie Medikamente benötigen“, weiß Regina Mayer von der Notruf- und Beratungsstelle – Fachstelle gegen sexualisierte Gewalt in Worms. „Wenn eine medizinische Untersuchung unkompliziert und ohne Sorge, dass die Polizei involviert wird, in einem Krankenhaus durchgeführt werden kann, nimmt dies enormen Druck aus der Situation und gibt den Frauen das Gefühl, die Kontrolle über sich und ihren Körper wiederzugewinnen.“ Das Angebot der „Soforthilfe nach Vergewaltigung“ stellt die Gesundheit der Frauen mit der notwendigen medizinischen Versorgung in den Vordergrund.
Von der Spurensicherung bis zum Strafverfahren
Zudem erhalten die Frauen im Gespräch mit den behandelnden Ärztinnen Hilfestellungen für ein weiteres Vorgehen. Dies ist immer das Angebot einer vertraulichen Spurensicherung, die dann auf Wunsch der Betroffenen erfolgt. „Im Wormser Klinikum erhalten die Frauen die Möglichkeit, Spuren der Tat durch die behandelnde Ärztin professionell sichern zu lassen, sodass diese zu einem späteren Zeitpunkt gerichtsverwertbar sind. Ärztinnen und Klinikpersonal wurden speziell für diese Anforderungen geschult“, erläutert Regina Mayer weiter. Obwohl das Interesse daran, dass Frauen im Nachhinein Anzeige erstatten, groß ist, werden die Frauen im Rahmen der Untersuchung nicht dazu gedrängt oder beeinflusst. Durch das Angebot der professionellen Spurensicherung und der Möglichkeit der sicheren Aufbewahrung in einem rechtsmedizinischen Institut, können die Frauen die Tat noch zu einem späteren Zeitpunkt – oder nie – zur Anzeige bringen. Die Entscheidung dafür liegt einzig und allein bei den Frauen. Ärztinnen und Klinikpersonal unterliegen der ärztlichen Schweigepflicht. Wird kein Strafverfahren angestrebt, wird das in der Rechtsmedizin verwahrte Material nach zwölf Monaten vernichtet. Damit möglichst viele Bürgerinnen von der Möglichkeit der medizinischen Soforthilfe nach Vergewaltigung erfahren, wird das Modell neben anderen Öffentlichkeitsmaßnahmen nun durch die Buswerbung bekannt gemacht.
Weitere Auskünfte zum Projekt der medizinischen Soforthilfe nach Vergewaltigung erteilt gerne: Notruf- und Beratungsstelle – Fachstelle gegen sexualisierte Gewalt, Lutherring 21, 67547 Worms. Telefon unter 06241/6094 oder E-Mail an notruf@frauenzentrumworms.de Viele wichtige Informationen sind auf der Homepage www.soforthilfe-nach-vergewaltigung.de zu finden, unter anderem die Adressen der angeschlossenen Kliniken und ein Handlungsleitfaden, der Orientierung zu den wichtigsten Schritten bietet.