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  • Mi., 02. Mai 2018, 14:19 Uhr
    Im Fokus der Maikundgebung standen bezahlbare Mieten, die Verbesserung der Infrastruktur und ein Ende von prekären Beschäftigungsverhältnissen

    Solidarität, Vielfalt, Gerechtigkeit

    Trotz niedriger Temperaturen konnten viele Teilnehmer auf dem Wormser Marktplatz begrüßt werden. Foto: Gernot Kirch


    Von Gernot Kirch Die traditionelle Gewerkschaftskundgebung am 1. Mai fand ab 10 Uhr auf dem Wormser Marktplatz statt. Die Begrüßungsworte sprach der Vorsitzende des DGB Stadtverbandes Worms, Bernhard Elz. Im Anschluss richtete der Wormser Oberbürgermeister die Worte an die trotz niedriger Temperaturen zahlreich erschienen Teilnehmer. Er bezeichnete die kürzlich vereinbarte Tariferhöhung für die Beschäftigten im öffentlichen Dienst als gerecht. Die Beschäftigten in Pflege, bei Kitas, der Feuerwehr, in der Verwaltung oder der Müllabfuhr würden einen tollen Job machen und hätten die Erhöhung verdient.

    Schwedische Firma Kinnarps schließt

    Im weiteren Verlauf seiner Rede hob Michel Kissel die Bedeutung der Europäischen Union hervor. Die Aktivisten der Bewegung von „Pulse of Europe“ hätten teilweise ein schweren Stand, aber es sie wichtig, sich für offene Grenzen und soziale Gerechtigkeit in Europa einzusetzen. Worms selbst habe mit rund 35.000 Beschäftigen den höchsten Stand an Menschen in Arbeit seiner Geschichte. Dennoch gebe es auch Grund zur Sorge. So würde die schwedische Firma Kinnarps ihre Produktion für Büromöbel in Worms schließen. Dies hätte zur Folge, dass rund 150 Mitarbeiter ihre Arbeit verlieren. Auch die Situation bei Evonik sei nicht problemlos, aber hier führe er Gespräche mit der Geschäftsleitung. Wichtig sei diesbezüglich, dass die Infrastruktur stimme. Dazu sei eine funktionierende Hafenbahn, der vierspurige Ausbau der B9 und die Anbindung an den Rhein sehr wichtig.

    Lars Kreer mit leidenschaftlicher Ansprache

    Die Hauptrede bei der Wormser Maikundgebung hielt der Geschäftsstellenleiter der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) aus Mainz, Lars Kreer. In kämpferischen Worten rückte der das diesjährige Motto „Mehr Vielfalt, ein solidarisches Miteinander und Gerechtigkeit“ in den Fokus. Es seien genau dies Werte, die die Rechtspopulisten zu bekämpfen versuchten. Die Rechtspopulisten wollten den Keil der Spaltung in die Gesellschaft treiben, und indem sie Angst vor allem Fremden und Hass schürten. Dies werde die Gewerkschaft nicht zulassen. Die Gewerkschaften hätten eigene Antworten für die Sorgen und Nöte der Menschen, und dies unabhängig von Herkunft, Hauptfarbe oder dem Geschlecht der Beschäftigten. „Wir brauchen kein Alternative für Deutschland. Unsere Alternative heißt Respekt und Solidarität!“, sagte Lars Kreer mit begeisternden Worten, für die er viel Applaus erhielt.

    Armut wächst

    Im weiteren Verlauf seiner Ansprache thematisierte Lars Kreer die prekäre Beschäftigung, befristete Arbeitsverträge und die Altersarmut. Die Schere zwischen Arm und Reich klaffe immer weiter auseinander. Jeder Sechst lebe in Deutschland unter Armutsgrenze. Auf der anderen Seite würde 1 Prozent der Bevölkerung so viel besitzen wie 88 Prozent der Menschen auf der unteren Seite der Skala. Hier müsse die Politik gegensteuern. Der Mindestlohn müsse ohne Ausnahme durchgesetzt werden. Weiter forderte er die Wiedereinführung der Vermögenssteuer.

    Bezahlbare Wohnungen

    Zum Ende seiner Rede rückte Lars Kreer die mangelhafte Infrastruktur in den Fokus. Besonders der fehlende, bezahlbare Wohnraum brenne den Menschen unter den Nägeln. So müssten 40 Prozent der Haushalt in Deutschland mehr als 30 Prozent ihres Lohns für ihre Miete aufwenden. Es dürfe nicht sein, dass die Gewerkschaften gute Lohnerhöhungen erkämpfen und die Menschen nichts davon hätten, weil sich Spekulanten und Immobilienhaie die Taschen vollstopften.

    Gewalt gegen Zugbegleiter

    Als einen empörenden Zustand bezeichnet es Lars Kreer, dass in Deutschland im vergangen Jahr 2.550 Mitarbeiter der Bahn, meist Zugbegleiter, tätlich angegriffen wurden. Dies bedeute, pro Tag werden sieben Schaffner oder Sicherheitsangestellte körperlich angegangen. Ähnlich sei die Situation bei der Polizei, Feuerwehr oder bei Rettungskräften. Dies sei unerträglich.

    Lars Kreer hielt die Hauptrede auf der Maikundgebung in Worms. Foto: Gernot Kirch

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