Die Umstrukturierung der Sparkasse Worms-Alzey-Ried bedeutet die Streichung von sechs Filialen und die Aufwertung des Multi-Media-Bankings
Sparkasse will den Wandel gestalten
Präsentation des neuen Sparkassenkonzeptes. Von links: Norbert Zubiller, Wolfhart Hensel und Dr. Marcus Walden. Foto: Gernot Kirch
Von Gernot Kirch Drei Faktoren haben einen ganz entscheidenden Einfluss auf die Zukunft des Bankwesens. Dies sind das verstärkte Online-Banking der Kunden, die starken Regularien nach der Welt-Finanzmarktkrise und die anhaltende Niedrigzinsphase mit schrumpfenden Gewinnen der Geldhäuser. Diesen Herausforderungen muss sich auch die Sparkasse Worms-Alzey-Ried stellen. Um die geplanten Maßnahmen im einzelnen vorzustellen, hatten die Verantwortlichen die Wormser Medienvertreter zu einer Pressekonferenz eingeladen.
Niedrigzinsphase hält an
Der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Worms-Alzey-Ried, Dr. Marcus Walden, führte auf der Pressekonferenz aus, dass die Niedriegzinsphase noch zehn Jahre oder länger andauern könne. Dies wüsste niemand so genau. Noch vor einigen Jahren hätte es immer wirtschaftliche „Aufs“ und „Abs“ in Zyklen von fünf bis sechs Jahren gegeben, dies sei nun wohl vorbei. Daher stelle sich die Sparkasse auf eine längere Phase extrem niedriger Zinsen ein, was natürlich erhebliche Auswirkungen auf die Gewinnsituation der Sparkasse habe.
Zunahme beim Online-Banking
Ein ebenso dramatischer Einschnitt sei die Änderung im Nutzungsverhalten der Bankkunden. So habe die Sparkasse rund 100.000 Kunden, von denen schon 40.000 Online-Banking betreiben. Immer weniger Nutzer kämen noch in die Filialen. Und diese Tendenz sei steigend. Nehme man zu dem oben Gesagten noch die harten Regularien der Bankenaufsicht dazu, ergebe sich ein gewaltiger Kostendruck für die Sparkasse. Da die Sparkasse die Veränderungen in ihrem Umfeld aktiv gestalten will und nicht das Nachsehen haben möchte, werde die Sparkasse zum 31. Oktober 2014 Anpassungen vornehmen.
Schließung von Filialen
Die Veränderungen bedeuten die Schließung von sechs der insgesamt 35 Sparkassen-Filialen, aber auch die sukzessive Modernisierung der übrig bleibenden in sogenannte Multi-Media-Filialen. Geschlossen werden die Nebenstellen in Worms-Leiselheim, in Worms-Hochheim, Worms-Rheindürkheim, in Flonheim, in Gimbsheim und am Mathildenplatz in Worms. Es werden keine Mitarbeiter entlassen, so Dr. Marcus Walden, vielmehr werde man das Personal anderen Nebenstellen zuweisen. Wie der Ausbau in Multi-Media-Filialen aussehen werde, könne der Kunde in der Nebenstelle im Liebenauer Feld sehen, dort sei die Nutzung der modernsten elektronischen Kommunikationsformen möglich.
Neuer Kundentyp
Interessant sei auch, so der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse, dass es mit dem Hybrid-Kunden einen ganz neuen Typus gebe. Dieser würde keinen Berater und keine Filiale brauchen, sondern alles online erledige. Dann aber wolle er ein Haus bauen oder ein kompliziertes Geschäfte abwickeln und benötige eine intensive Betreuung. Diesbezüglich habe die Sparkasse ihre Beratungszeiten auch erweitert, so könne nun von morgens 7 Uhr bis abends 20 Uhr ein Gespräch stattfinden. Jederzeit sei hier auch ein Finanzexperte per Bildschirm zuzuschalten.
Ende der Fahnenstange?
Auf die Frage, ob dies die letzten Schließungen von Filialen seien, antwortete Dr. Marcus Walden, dass man denke, mit der geplanten Umstrukturierung für die nächsten Jahre gut aufgestellt zu sein. Was aber etwa in zehn Jahren geschehe, wie sich der Markt entwickle, könne niemand vorhersagen.
Mobile Sparkasse
Um auch weiterhin in der Fläche präsent zu sein, plant die Sparkasse den Einsatz von Bargeldagenten, also Personal, das Kunden Bargeld nach Hause bringt. Auch möchte die Sparkasse die Auszahlung von Bargeld in Geschäften ermöglichen. Dazu sollen Partnerschaften, etwa mit Lebensmittelgeschäften, eingegangen werden. Der Kunde könne dann dort an der Kasse Bargeld abheben. Wobei es hier nur um die Auszahlung von Bargeld, nicht etwa um sonstige Bankgeschäfte gehe.
Reduziert werden soll auch die Anzahl der Geldautomaten. So sollen drei Automatenstandorte in Worms geschlossen werden. Insgesamt verbleiben im Gebiet der Sparkasse Worms-Alzey-Ried so noch 53 Standorte, wobei an manchen mehrere Automaten stehen.