BÜRGEREMPFANG: „Szene9“ erhält Jugend-Aktiv-Preis / Landtagspräsident Hendrik Hering warnt vor Rechtsruck
SPD Worms feierte nochmals 150 Jahre
Landtagspräsident Hendrik Hering besuchte als Ehrengast den SPD Bürgerempfang seiner Genossen im LincolnTheater. Foto Florian Helfert
VON FLORIAN HELFERT Auf eine Reise durch die Zeit hatte die Wormser Sozialdemokratie am Sonntagnachmittag ins LincolnTheater zu ihrem traditionellen Bürgerempfang eingeladen, in deren Verlauf das Ensemble „Szene9“ die 150-jährige Geschichte der SPD Worms in drei Akten auf die Bühne brachten.
„Wer sich die Zukunft zur Freundin macht, den belohnt sie auch“, verkündete Karoline Rößler in ihrer Rolle im dritten Akt. Und die im Stück aufgezeigte Historie der ältesten Partei Deutschlands offenbarte die große Stellung der Erben August Bebels, Wilhelm Liebknechts und Ferdinand Lasalles: Im Zuge des Kampfes um Arbeitnehmerrechte, Meinungs- und Versammlungsfreiheit sowie ein demokratischeres Wahlrecht verbot Bismarck mit dem „Gesetz gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie“ ihr Eintreten für soziale Gerechtigkeit. Auch an die Dolchstoßlegende, den Widerstand gegen das Regime der Nazis sowie an die Deutsche Einheit als „späte Ernte der SPD-Ostpolitik“ erinnerten die Laiendarsteller im ehemaligen Roxy-Kino.
Für Szene9 spielten u.a. Torben Hebing und Lena Leidemer. In ihren Rollen schilderten sie, wie die Feuerwehr beim Brand der Wormser Synogage nur darauf achtete, dass kein Nachbarhaus in Flammen aufgehe. Foto: Florian Helfert
Theaterstück als Gedenkarbeit gelobt
In seiner späteren Festrede lobte Landtagspräsident Hendrik Hering als Ehrengast des SPD-Bürgerempfanges das Theaterstück als gelungenes Beispiel einer Erinnerungskultur. „Seit 1990 sind in Deutschland 160 Personen durch rechtsradikalen Terrorismus umgekommen“, mahnte Hering angesichts von über 12.000 gewaltbereiten Rechten, Freiheit, Solidarität und Gerechtigkeit weiterhin zu verteidigen.
„Wenn ich zum Beispiel auf die Wahlergebnisse in Thüringen schaue, muss man schon Bedenken haben“, hatte sich bereits zuvor Jens Guth als Wormser SPD-Vorsitzender besorgt gezeigt. Die Wahlerfolge von „ganz links und ganz rechts“ ließen ihn an das Zusammenschmelzen der Parteien der Mitte zu Zeiten der Weimarer Republik denken. Doch endlich habe die SPD neue Vorsitzende in Berlin gefunden! „Und wir hoffen alle, dass die gesamte Partei nun wieder nach vorne schauen kann, denn es stehen wichtige Aufgaben an“, so Jens Guth.
Genossen überreichen Jugendpreis
Abschließend näherte sich Jens Guth der Verleihung des „Jugend-Aktiv“-Preises an, indem er über die nach einer sozialdemokratischen Bildungs-, Kultur- und Sozialpolitikerin benannte Lucie-Kölsch-Musikschule der Stadt Worms auf die bei einem SPD-Bürgerempfang entstandene Idee der Nibelungenfestspiele zu sprechen kam. Im Kontakt mit den Festspielen sei im Statisten Christian Mayer der Wunsch entstanden, selbst Regie zu führen. Aus diesen Wurzeln entwickelte sich die „Szene9“, für deren gesellschaftliches Engagement die Wormser Sozialdemokratie nun ihren Jugendpreis überreichte.