
Eigentlich hätte dieser Kick der Höhepunkt einer fantastischen Saison 2018/2019 für den Fußball-Oberligisten TSG Pfeddersheim sein sollen. Drei Spieltage vor dem Saisonende ging die Reise für die Rheinhessen als Tabellenzweiter zum Klassenprimus TuS Rot-Weiß Koblenz. Das Spitzenspiel im altehrwürdigen Stadion Oberwerth in Koblenz hätte zum „Knüller der Spielzeit“ werden können. Eigentlich. Wäre da nicht unter der Woche die Entscheidung des Vorstandes der TSG Pfeddersheim gewesen, aus überwiegend finanziellen Gründen auf den sportlich durchaus im Bereich der Möglichkeiten liegenden Aufstieg in die Regionalliga Südwest zu verzichten. Das Topspiel der Oberliga Rheinland-Pfalz / Saar mutierte so zum Muster ohne Wert.
Innerhalb von vier Tagen machten die Kicker aus Pfeddersheim eine Achterbahnfahrt der Emotionen durch. Sonntagnachmittag wurde im Uwe-Becker-Stadion nach dem tollen 3:2-Erfolg über den FV Engers noch gefeiert, was das Zeug hielt. Mittwochabend Trauerstimmung rund um den Trainingsplatz. „Das Training in dieser Woche war für die Katz“, verschaffte Marc Heidenmann seiner Enttäuschung Luft. Der junge Trainer der TSG bekennt: „Ich war genau wie die ganze Mannschaft total am Boden zerstört.“ Völlig überraschend sei die Entscheidung gewesen. „Verständnis dafür, dass die Regionalliga mit ihren hohen Anforderungen an einen kleinen Klub wie Pfeddersheim kaum zu stemmen ist, habe ich schon“, räumte der 29-Jährige ein. Aber: „Der Zeitpunkt der Entscheidung war eine Katastrophe.“
Pfeddersheim fehlt verständlicherweise letzte Konzentration
Welcher Fußballer würde sich da auf das sportliche Kerngeschäft fokussieren können? Auch Pfeddersheim gelang dies in Koblenz nur bedingt. Waaris Bhatti, Adem Candir und Top-Torjäger Andreas Buch blieben zunächst draußen, dafür standen Akira Udagawa, Riccardo Presti und Jemal Kassa in der Anfangsformation. „In der Summe haben wir in der Partie zu viele individuelle Fehler vor den Toren gemacht“, sah Marc Heidenmann sein Team spielerisch mindestens auf Augenhöhe mit den Rot-Weißen. Speziell die Gegentreffer zum 0:1 durch Jordi Arndt (14.) und 1:2 durch Christian Meinert (32.) waren den schweren Beinen der TSG-Akteure zuzuschreiben. Dazwischen verwandelte Christopher Ludwig einen Handelfmeter zum 1:1-Ausgleich (25.).
Überhaupt: Fußballspiele der TSG Pfeddersheim garantieren in dieser Saison ja ohnehin fast immer hohen Unterhaltungswert. „Unser Spiel nach vorne war gut“, sah Marc Heidenmann sein Team zu keinem Zeitpunkt aufstecken. Auch nicht, als Jordi Arndt direkt nach der Pause auf 3:1 erhöhte (47.). Hin und her ging es. Luftrim Kodraliu verkürzte erneut (71.). Sascha Engel sorgte dann aber endgültig mit dem Treffer zum 4:2 (80.) dafür, dass TuS Rot-Weiß Koblenz die Sektkorken knallen lassen konnte. Die Meisterschaft war eingetütet. Rang zwei indes ist noch vakant. Ein heißer Anwärter: die TSG Pfeddersheim. Dem unter der Woche angesammelten Frust zum Trotz gab sich Marc Heidenmann kämpferisch: „Wir lassen den Aufstieg in Koblenz in der Kabine. Die Vizemeisterschaft wollen wir uns aber in den beiden letzten Spielen gegen Ludwigshafen und in Diefflen noch schnappen.“
TSG Pfeddersheim: Ruby – Udagawa (75. Bhatti), Mathias Tillschneider, Himmel, Nagel, Ludwig – Presti (61. Buch), Kodraliu (81. Candir), Schmidt, Kassa – Kaster.
Tore: 1:0 Arndt (14.), 1:1 Ludwig (25. / Handelfmeter), 2:1 Meinert (32.), 3:1 Arndt (47.), 3:2 Kodraliu (71.), 4:2 Engel (80.).