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Mo., 19. Oktober 2020, 12:04 Uhr
LANDESLIGA: SV Gimbsheim stürzt Tabellenführer TSG Mainz-Bretzenheim mit 7:5-Torgewitter vom Thron
Spitzenspiel-Spektakel im Gerhard-Oswald-Stadion
Der Torreigen ist eröffnet. Philip Wesner drückt eine Ecke am langen Pfosten über die Torlinie. Der Innenverteidiger des SV Gimbsheim strahlte bei Standardsituationen jederzeit Gefahr aus und traf auch noch zum 3:0 direkt vor der Pause. Foto: Marcus Diehl
VON JÜRGEN JAAP | Der Ohrwurm „Thunderstruck“ der australischen Rockband AC/DC setzt eine Energiewelle frei. Eine erste Energiewelle, welche die Fußball-Gladiatoren des SV Gimbsheim und der TSG Mainz-Bretzenheim beim Einmarsch zum Spitzenspiel der Nord-Staffel der Landesliga Südwest Ost umgibt. Das ist jedoch „nur“ der Auftakt zu einem rauschenden Fußballfest mit Blitzen, mit Donner, mit einem Tor-Gewitter – ganz so, wie es der Einlauf-Song „Thunderstruck“ verhieß. In einem Feuerwerk an Angriffsfußball ohne große taktische Fesseln stürzt der SV Gimbsheim den bisherigen Klassenprimus TSG Mainz-Bretzenheim, der mit einer beeindruckenden Siegesserie von fünf Erfolgen am Stück an den Altrhein ins Gerhard-Oswald-Stadion reiste, mit 7:5 (3:0) vom Thron der Tabelle.
„Ein Fußballfest vom Feinsten“
„Da sind die Zuschauer aber mal voll auf ihre Kosten gekommen“, musste Niels Magin nach der aufregenden Partie erst einmal tief Luft holen. „Ein Fußballfest vom Feinsten, eine fantastische Teamleistung meiner Mannschaft gegen einen offensiv gewaltig starken Gegner“, schob der Co-Trainer des SV Gimbsheim nach kurzer Bedenkzeit nach. Ein Spiel dazu, das keine Anlaufzeit benötigte. Visier runter und alle ab nach vorne. Wer sich von den 75 Zuschauern schnell noch eine Stadionwurst oder ein Kaltgetränk zu Beginn der Partie gönnte, der hatte ganz sicher gleich mehrere sehenswerte Aktionen versäumt.
Torleute unter Dauerbeschuss
Und wer auf den Gedanken kommen könnte, dass sich die beiden Torleute bei insgesamt zwölf Gegentoren wohl manchen Lapsus leisteten, der hat weit gefehlt. Los ging die wilde Fahrt mit einem Weitschuss des Mainzers Johann Felker, den Robin Paul Assel über die Latte lenkt (5.). Rico Renner kontert mit einer Granate aus 25 Metern. TSG-Keeper Nico Mock kann gerade noch zur Ecke klären. Die wiederum landet bei Gimbsheims bärenstarkem Innenverteidiger Philip Wesner, der am langen Pfosten zur 1:0-Führung einschiebt (8.). Wütende Angriffe der TSG zieht das nach sich – satte Schüsse von Jonas Ripper (10.), Felker (16.) und Jonas Gangl (18.), die Assel zu Glanzparaden zwingen, inbegriffen. Auf der anderen Seite Gimbsheim über den herausragenden Angreifer Markus Moh Amar. Erst eine Doppelchance (12.), dann das 2:0. Kapitän Sebastian Schulz flankt, Markus Moh Amar köpft ins lange Eck (20.). Den dritten Streich des SVG lässt erneut Wesner folgen, indem er einen Schulz-Freistoß per Kopf mit Wucht zur 3:0-Halbzeitführung ins lange Eck befördert (45.). „Wir waren in Hälfte eins das effektivere Team“, stellte Niels Magin fest. Und: „Außerdem hatten wir etwas Glück – und mit Robin Paul Assel einen klasse Torwart im Kasten.“
Torchancen für drei Fußballspiele
Doch auch Assel musste nach der Pause manchen Ball aus dem Netz holen. Bretzenheim drückte, wollte sich trotz des klaren Rückstandes nicht geschlagen geben. Eine Flanke von TSG-Kapitän Fynn Pierrets köpft der zur Pause eingewechselte, sträflich frei gelassene Simon Höss ein (57.). Beim nächsten Angriff passt Höss auf Gangl, sein trockener Schuss bedeutet den 3:2-Anschluss. Gimbsheim am Boden? Von wegen. Enis Aztekin stößt vor, die TSG-Abwehr klärt zu kurz und Moh Amar ist mit seinem zweiten Treffer zur Stelle (69.). Der nächste blitzsaubere Konter über Renner, Moh Amar und in letzter Instanz Schulz führt zum 5:2 (74.). Alles entschieden? Nein, nein, wieder ist der Gast am Drücker. Erst zischt ein klasse getretener Freistoß von Pierrets in den Winkel (80.), ehe Luis Lüdtke aus dem Getümmel im Strafraum zum neuerlichen 5:4-Anschluss trifft (88.).
Turbulente Nachspielzeit
Bretzenheim drängt weiter. Niels Magin wirft Konterspieler Adriano Fragomeli von der Ersatzbank ins Gefecht. Ein taktischer Volltreffer, denn Fragomeli sticht. Zunächst nach einem klasse Pass von Moh Amar mit Power ins linke Eck (90.+2) und schließlich zum 7:4 auf erneute Vorarbeit des überragenden Markus Moh Amar (90.+4). Passend zur fantastischen Partie und turbulenten Nachspielzeit war dies aber noch nicht der Schlussakkord. Das Dutzend Tore machte Lüdtke zum 7:5-Endstand perfekt (90.+6). Kurz darauf spielte AC/DC wieder auf. „Thunder, Thunder“, schallt es über dem Kunstrasenplatz im Gerhard-Oswald-Stadion. Ein legendäres Landesliga-Fußballspiel mit Blitzen, Donner und Doria, das reichlich Gesprächsstoff für manchen langen Winterabend bieten dürfte, hatte ein Ende gefunden.