VHS: Teilnehmerinnen und Teilnehmer eines B1-Deutsch-Sprachkurses absolvierten Prüfung / Zertifikatsübergabe durch Bildungsdezernent Waldemar Herder
Sprache als Schlüssel zur fremden Kultur und beruflichen Perspektive
Gepackt: Über ein halbes Jahr lang büffelten Migrantinnen und Migranten für die Deutschprüfung und besuchten regelmäßig den B1-Kurs der Volkshochschule. Bildungsdezernent Waldemar Herder (2. von rechts) überreichte den Absolventen nun die Zertifikate. Foto: Pressestelle Stadt Worms
In gut verständlichem Deutsch erzählt der junge Mann, dass er 2016 von Aserbeidschan nach Deutschland kam. Altenpfleger wolle er hier werden und dazu habe er nun fleißig die Schulbank gedrückt und den Unterricht bei der Volkshochschule besucht, um die notwendigen Sprachkenntnisse zu erlangen. Mit ihm bibbern acht weitere im Raum anwesende Männer und Frauen aus verschiedenen Ursprungsländern im Alter von 21 bis 50 Jahren um das Prüfungsergebnis, das ihnen an diesem Tag von Bildungsdezernent Waldemar Herder offenbart wird. Eine junge Frau aus dem Iran war in ihrer Heimat Berufsschullehrerin. "Ich lerne Deutsch, damit ich meinen Beruf auch hier ausüben kann", macht sie deutlich.
Neun Teilnehmer bei Zertifikatsübergabe
"Habe ich bestanden?", dringt es immer wieder aufgeregt und leise nach vorne, wo sich auf einem Stapel die Mappen mit den entscheidenden Inhalten türmen. Manche sind alleine nach Deutschland gekommen, andere mit ihren Familien, um hier eine neue Heimat zu finden und privat wie auch beruflich Fuß zu fassen. Am Montag, dem 18. Februar, startete der B1-Kurs, der vertiefende Deutschkenntnisse in Wort und Schrift vermittelt, mit 15 Teilnehmenden. Zur Prüfung schafften es 11 Männer und Frauen, von denen neun zur Zertifikatsübergabe erschienen waren.
"In einem fremden Land in Urlaub zu sein, ist etwas grundlegend anderes als in diesem Land sesshaft werden zu wollen", verdeutlichte Waldemar Herder bei seiner Begrüßung der Absolventen, dass für Letzteres ein geringer Wortschatz kaum ausreichend sein dürfte. Umso mehr freue er sich, dass die meisten Kursteilnehmer über ein halbes Jahr lang beharrlich am Ball geblieben seien und neben dem Unterricht auch zuhause fleißig gepaukt hätten, um ihrem Ziel näherzukommen, so der Bildungsdezernent. Das Beherrschen einer fremden Sprache sei der Schlüssel für eine erfolgreiche Integration, betonte Herder, der die Zertifikate persönlich übergab und zum Schluss in überglückliche Gesichter blickte. Eine Frau aus Pakistan hatte nur knapp verfehlt. Sie ermunterte und bestärkte Herder, die Prüfung nochmals anzustreben.
B2-Kurs startet am 2. September
Nach Anträgen beim Ministerium für Familie, Frauen, Jugend, Integration und Verbraucherschutz Rheinland-Pfalz hatte die Volkshochschule für 2019 zwei A1-Kurse, einen A2-Kurs und einen B1-Kurs mit je 300 Unterrichtsstunden angeboten. Ein B2-Kurs mit 200 Unterrichtsstunden startet am Montag, dem 2. September. Zudem wurde für Menschen ohne oder mit geringer Lese- und Schrifterfahrung ein Alphabetisierungskurs mit 100 Unterrichtseinheiten aufgenommen. In diesem Jahr nahmen bislang insgesamt 82 Personen an den verschiedenen Kursen teil, 54 davon haben Zertifikatsprüfungen abgelegt. "Die Kurse richteten sich vor allem an Migrantinnen und Migranten, die keinen Zugang zu üblichen Sprachförderangeboten des Bundes haben; etwa Integrationskurse oder Berufssprachkurse", erklärt die Leiterin des Fachbereichs Deutsch der Wormser Volkshochschule, Dr. Nofiza Vohidova und lobt die gute Zusammenarbeit mit den Migrationsberatungsstellen von Caritas und Diakonie, dem ASB, den ehrenamtlichen Betreuern und dem Helferkreis Asyl Worms e.V. sowie dem Netzwerk "Bildungschancen für junge Geflüchtete".