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  • Do., 24. Juli 2014, 11:49 Uhr
    Premiere in Worms: Stadtrat wird mit ökumenischem Gebet in die neue Amtsperiode begleitet

    Stadtratsmitglieder nehmen zahlreich teil

    Dekan Harald Storch. Foto: Yvonne Schnur


    Gleich mehrere Premieren gab es am gestrigen Mittwoch in Worms: Anlässlich der Konstituierung des neuen Stadtrates, dem erstmalig auch ein Mitglied NPD angehört, gab es nicht nur Aktionen verschiedener Gruppen gegen rechts. In der evangelischen Dreifaltigkeitskirche am Wormser Markt direkt neben dem Rathaus fand um 12.30 Uhr ein Gebet in ökumenischer Offenheit statt. Zum ersten Mal soll mit diesem Gebet der Stadtrat in seine neue Amtsperiode begleitet werden.

    Harald Storch, Dekan des evangelischen Dekanats Worms-Wonnegau, leitete das Gebet unterstützt durch Carola Simon von katholischer Seite. Dabei vermied Storch eine Engführung auf einzelne Mitglieder oder Fraktionen, sondern stellte vielmehr grundsätzliche Überlegungen zur parlamentarischen Demokratie an. „Sucht der Stadt ihr Bestes“ nach Jeremia, bildete den Rahmen für das Gebet, zu dem nicht nur Christen, sondern Menschen aller Herkunft und Religionen und dem Anlass entsprechend vor allem auch die neuen und wiedergewählten Stadtratsmitglieder eingeladen waren.

    Gutes Miteinander als hohes Gut
    „Wir wollen unseren Blick auf den Beitrag des Stadtrates für die Menschen der Stadt sowie die Werte des Gemeinwesens werfen,“ verknüpfte Storch die beiden vorgenannten Aspekte und betont: „Das gute Miteinander, der Frieden ist ein hohes gemeinsames Gut, gerade für Fremde. ‚Shalom‘, Frieden im biblischen Sinn ist mehr als die Abwesenheit von Krieg. Es bedeutet heil und ganz sein und ist zu verstehen als eine umfassende sozial Teilhabe, kurz: ein gutes Miteinander.“

    Dieses Miteinander gilt auch für die Stadtratsmitglieder der gerade begonnen Amtsperiode. „Auch wenn es dabei gewiss manchmal Streit um Einzelheiten geben wird, ist es wichtig im Kopf zu behalten, dass der politische Gegner eben genau das ist: ein Gegner und kein Feind,“ erinnert Dekan Storch die politisch Aktiven. Er erwartet keine schnellen, glatten Lösungen, „aber genau dieses Ringen wird gesegnet werden. Die Demokratie mag blass erscheinen neben dem schwarz-weiß der Demagogen, aber der göttliche Segen liegt auf geduldiger Arbeit, nicht beim billigen Schablonendenken,“ erinnert Storch die Anwesenden.

    Ganz im Geiste ökumenischer Offenheit, Vielfalt und einem guten Miteinander fand die Lesung durch Oberbürgermeister Michael Kissel auf Grundlage einer jüdischen Übersetzung statt. Die musikalische Begleitung und Anleitung fand durch Kantorin Ellen Drolshagen statt, die den gemeinsamen Kanon „Dona nobis pacem“ anstimmte und dirigierte und zum Schluss eine Orgelimprovisation von „Verleih und Frieden gnädiglich“ anschlug.

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