
VON FLORIAN HELFERT Der Auftakt der Informationsveranstaltung über vollgelaufene Keller, Kanäle und mitunter geflutete Straßen „In den Lüssen“ begann in der Ortsverwaltung Neuhausen am Montagabend mit einer kurzen Wartezeit. „Mit so viel Andrang haben wir nicht gerechnet“, begrüßte die stellvertretende Ortsvorsteherin Anneliese Büssow alle betroffenen Bürger, nachdem die Veranstaltung kurzerhand auf die offene Straße verlegt werden musste.
Bevor mit Hans-Dieter Gugumus, Technischer Werkleiter des Entsorgungs- und Baubetriebs (ebwo), Dieter Funk, Abteilungsleiter Stadtentwässerung beim ebwo, sowie Daniel Schaefer, Abteilungsleiter Kläranlage beim ebwo sich den Fragen der Anlieger stellten, ergriff Bürgermeister und Umweltdezernent Hans-Joachim Kosubek das Wort. „Wir beschäftigen uns seit vielen Jahren mit Starkregen“, verwies er zunächst auf die für die Domstadt erstellte Starkregenkarte. Zugleich ergänzte er, dass sich Starkregen häufen werden. „Unsere Kanäle sind per Norm bundesweit auf ein dreijähriges Ereignis ausgelegt“, so Kosubek, „und die Mengen eines fünfzig- oder hundertjährigen Starkregens kann kein Kanal der Welt aufnehmen“.
Stadt ist rechtskonform aufgestellt
Danach informierte der Technische Werkleiter des ebwo darüber, dass zum Beispiel in Abenheim das Regenwasser von den Hanglagen in den niedergelegeneren Ort geflossen sei. In den Lüssen hingegen sei es zu einem Kanalrückstau gekommen. „Wir hatten schlichtweg so viel Wasser im Kanal, dass er vollgelaufen ist“, so Gugumus. Dennoch sei der ebwo mit seinem Generalentwässerungsplan beziehungsweise seinen Kanälen rechtskonform ausgelegt. „Wir leiten sogar mehr ab, wie wir müssen“. Wenn der Kanal allerdings kein Wasser mehr aufnehmen könne, sammle sich das anfallende Oberflächenwasser in tieferen Lagen, wie sie die Starkregenkarte für das gesamte Stadtgebiet offenbare.
Rückschlagklappe dringend empfohlen
„Wenn am Hauskeller nachträglich Durchbrüche für Leitungen vorgenommen worden sind, kann Oberflächenwasser eindringen“, erklärte Gugumus für die Siedler vor Ort. Außerdem empfahl er den Einbau von Rückschlagklappen, damit kein Wasser aus dem Kellerabfluss beziehungsweise der Kanalisation eindringen könne. Wie im späteren Verlauf unterrichtet wurde, existieren Einsätze sowohl für Duschen im Keller als auch für Kellerabläufe. „Mit einer funktionierenden Rückschlagklappe besteht solange kein Problem, wie von außen kein Oberflächenwasser eindringt“. Komme das Wasser aus der Kellerwand, spreche es für undichte Rohre.
Pumpwerk funktionierte
Schmutzwasser bezüglich einer Neubausiedlung stellt nach Angaben Hans-Dieter Gugumus jedenfalls kein Problem dar: „Mangels Schmutzwasser laufen im Normalbetrieb in unserem Pumpwerk vor Ort keine Pumpschnecken“, legte Gugumus dar. Er erklärte zudem, dass die vier Schnecken beim Starkregen mit 500 Litern pro Sekunde gepumpt hätten. „Der Kanal vor und hinter dem Pumpwerk war leider voll“, verwies auch Daniel Schaefer als Abteilungsleiter der Kläranlage nochmals auf die „unglaublichen Wassermengen“ des Starkregens.
Aus gesetzlichen Gründen könne die Stadt nur begrenzt Wasser aus der Kanalisation direkt in Pfrimm und Rhein per sogenanntem Abschlag einleiten. Des Weiteren bejahte Daniel Schaefer, dass die der Norm für dreijährige Starkregenereignisse zugrundeliegenden Regenmessdaten „alle paar Jahre“ aktualisiert würden – allerdings gelte die angepasste Norm dann nicht für die Bestandskanalisation, sondern nur für Neubaugebiete.
„Wir versuchen“, versprach Gugumus, „Oberflächenwasser nicht mehr in die Kanalisation zu lassen“. Auch jeder Bürger könne hierzu beitragen, indem das Fallrohr statt in die Kanalisation zum Versickern in den eigenen Garten führe. „Ich glaube, dass wir betroffene Bürgerinnen und Bürger nach einem Besuch überwiegend zufriedenstellen können“, appellierte der Technische Werkleiter, sich in eine ausliegende Liste einzutragen, um sich jeweils vor Ort ein besseres Bild der Ereignisse und Lösungen machen zu können.
Die Starkregenkarte ist online entweder über www.starkregen-worms.de zu finden oder direkt unter http://geoportal-worms.de einsehbar.
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