Der SPD-Kanzelerkandidat stand in der Wormser City den Fragen von Marcus Held Rede und Antwort
Steinbrück machte Dampf
Von links: OB Michael Kissel, Marcus Held, Klaus Hagemann und Peer Steinbrück. Foto: Gernot Kirch
Von Gernot Kirch Der Bundestagswahlkampf nimmt mit riesigen Schritten Fahrt auf! Nach dem großen Fernsehduell von Kanzlerin Angela Merkel und Herausforderer Peer Steinbrück am Sonntag war der SPD-Herausforderer am Mittwoch zwischen 11.30 und 12.30 Uhr in der Wormser Kämmererstraße am Winzerbrunnen. Rund 700 Zuhörer waren gekommen, um den kantigen SPD-Politiker und Herausforderer live zu sehen.
Gegen 11.20 fuhren die schweren, dunklen Limousinen vor, dann schritt Steinbrück Seite an Seite mit dem hiesigen Bundestagsabgeordneten Klaus Hagemann und dessen Wunsch-Nachfolger, Marcus Held, auf das Podium. Dort wurden die SPD-Politiker mit großem Applaus begrüßt. Die Visite von Steinbrück in der Nibelungenstadt war in Form einer kleinen Talk-Show konzipiert, in der die Bürger schriftlich hatten Fragen stellen können, die Marcus Held vorlas, und dann von Peer Steinbrück beantwortet wurden.
Die erste Frage betraf die Rente und die Altersarmut. Steinbrück antwortete hier, dass der Grund für die Altersarmut die Erwerbsarmut sei, also Menschen ein zu geringes Einkommen haben. Daher müsse man für angemessene Löhne sorgen, die ein Granat für eine angemessene Rente seien.
Schwächelnden Ländern helfen
Beim Thema Euro und Europa erinnerte Peer Steinbrück an die Zeit nach dem 2. Weltkrieg, als Deutschland von vielen anderen Ländern beim Wiederaufbau geholfen wurde. Jetzt sei es an der Zeit den schwächelnden Ländern in der Eurozone mit einem Marshallplan II zu helfen. Auch um dort eine Jugendarbeitslosigkeit von bis zu 50 Prozent zu bekämpfen. Mit mahnenden Worten betonte er aber auch die Abhängigkeit der Deutschen von Exporten, gerade in die Eurozone. Sollte es zu einem Auseinanderbrechen des Euro kommen und südlichen Länder wieder eigene Währungen erhalten, käme es zu einer massiven Abwertung gegenüber einer dann neuen D-Mark. Die Folge wäre, dass sich deutsche Exporte um bis zu 30 Prozent verteuern würden, was ein Abwürgen der Wirtschaft zur Konsequenz hätte.
Die nächsten Fragen drehten sich um die Pflege und die Krankenversicherung. Hier forderte Peer Steinbrück eine Reform der Pflegeversicherung und die Abschaffung der Zwei-Klassen-Medizin durch eine Bürgerversicherung, in die alle einzahlen. Dringend notwendig sei auch eine bessere Bezahlung der Pflegekräfte.
Steinbrück: 95 Prozent der Deutschen wären von einer Steuererhöhung nicht betroffen
Hinsichtlich einer Steuererhöhung für Spitzenverdiener erklärte Peer Steinbrück, dass 95 Prozent der Deutschen davon nicht berührt wären, sondern dies nur Bürger ab einem Nettoeinkommen von etwa 220.000 Euro betreffen würde, die dann mit einem Spitzensteuersatz von 49 Prozent zur Kasse geben werden sollen.
Zum Abschluss sprach sich Peer Steinbrück gegen eine deutsche Beteiligung an Militäroperaionen der Bundeswehr in Syrien aus.
Bevor Peer Steinbrück gegen 12.30 Uhr zum nächsten Termin abfuhr, gab er an einem Stehtisch Autogramme und ging schließlich gemeinsam mit Marcus Held und Oberbürgermeister Michael Kissel durch die Kämmerstraße und über den Ludwigsplatz, wo die Autos warteten.
Die meisten Zuhörer der Veranstaltung waren natürlich SPD-Anhänger oder gar Mitglieder, sodass am Winzerbrunnen ohnehin eine positive Grundstimmung herrschte. Doch schien der Auftritt von Peer Steinbrück den Genossen nochmals Auftrieb gegeben zu haben. Bei Gesprächen mit Sozialdemokraten am Winzerbrunnen wurde jedenfalls nach Monaten der sozialdemokratischen Tristesse das Gefühl greifbar: „Wir schaffen dies noch!”[nggallery id=192]