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  • Mo., 10. Oktober 2016, 13:19 Uhr
    Ende einer Odyssee: Barocke Grabmähler kehren nach Ober-Flörsheim zurück

    Steinerne Zeugen der Vergangenheit

    In einer Feierstunde wurden die beiden barocken Grabmäler und eine Hinweistafel der Öffentlichkeit vorgestellt. Foto: Sascha Leonhardt


    Eine Geburtstagsfeier der besonderen Art beging der Heimat- und Kulturverein Ober-Flörsheim am Sonntag in der evangelischen Kirche. Genau 300 Jahre ist es her, dass Amalie Charlotte Philippina Clotz im hessischen Grünberg geboren wurde. Sie heiratete den Hofrat Christian von Avemann in Königsberg bei Gießen und gebar ihm zahlreiche Kinder. 1770 kam Amalie als Witwe – gemeinsam mit ihrer ledigen blinden Schwester Sophia – in die Obhut ihrer Tochter Susanna nach Ober-Flörsheim, die mit dem Verwalter der dortigen Deutsch-Ordens-Kommende Julius Alefeld verheiratet war. 1793, kurz nach einem Gefecht, das bei Ober-Flörsheim zwischen österreichischen und französischen Truppen stattfand, verstarb die altersschwache „hochwohlgebohrne Frau Hofräthin“. Sophia hatte bereits vier Jahre zuvor das Zeitliche gesegnet. Beiden Frauen widmete die Familie Alefeld stattliche Grabmäler auf dem örtlichen Friedhof. Diese wurden bei dessen Neugestaltung in den 1970er Jahren entfernt, hierbei erheblich beschädigt und lagen zum Abtransport bereit. Zwei geschichtsbegeisterte Jugendliche, der 13jährige Helmut Schmahl und der 15 Jahre alte Daniel Wohlgemuth sorgten 1979 dafür, dass die historischen Steine nach Gundersheim in Sicherheit gebracht wurden. Vor zwei Jahren veranlasste der Heimat- und Kulturverein ihre aufwändige Renovierung und Rückkehr nach Ober-Flörsheim, Dort fanden sie an der evangelischen Kirche einen neuen würdigen Platz.

    In einer Feierstunde wurden die beiden barocken Grabmäler und eine Hinweistafel der Öffentlichkeit vorgestellt. Nach einer Begrüßung durch Pfarrerin Andrea Beiner und einem Grußwort von VG-Bürgermeister Steffen Unger, der zugleich als Vorsitzender den Alzeyer Altertumsverein vertrat, berichtete der HuK-Vorsitzende Dr. Helmut Schmahl im ersten Teil der Veranstaltung über den Verlauf des ambitionierten Projekts, dessen Durchführung rund 8.000 Euro kostete. Für die feierliche musikalische Umrahmung sorgten die Jagdhorngruppe der Kreisjägerschaft Alzey-Worms und Eva Bungert an der Orgel.

    Anschließend begaben sich die rund 50 Anwesenden vor die Kirche. Vor den beiden Grabsteinen berichteten der Nachtwächter Franz Dirigo (Helmut Schmahl) und sein Sohn Jean (Philipp Seidel) in einer historischen Spielszene anschaulich über das Leben von Amalie von Avemann und Sophia Clotz sowie über die Flucht ihrer Verwandten vor französischen Revolutionstruppen kurz nach ihrem Tod. Auch das „Lied der freien Ober-Flörsheimer“, gaben die beiden zu Gehör.

    Abschließend dankte Helmut Schmahl allen Mitwirkenden für ihre Hilfe bei der Durchführung des Projekts und der evangelischen Kirchengemeinde für die gute Kooperation. Bei Brezeln und Wein fand die Veranstaltung einen angenehmen Ausklang.
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