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  • Mo., 12. September 2016, 15:00 Uhr
    Uwe Franz: Längere Öffnungszeiten bedeuten höhere Verluste

    Stellungnahme der Stadt zur Freibad-Diskussion

    Hinsichtlich der öffentlichen Kritik an den inzwischen geschlossenen Freibädern reagiert der zuständige Dezernent Uwe Franz verwundert über die Naivität solcher Forderungen entgegen jeder wirtschaftlichen Vernunft: „Jeder kennt die schwierige Haushaltslage der Stadt. Nun weitere Ausgaben erzwingen zu wollen, indem wir die Bäder länger geöffnet lassen, halte ich für unverantwortlich“, macht er deutlich.


    Die Besucherzahlen im August lagen im mittleren bis guten Bereich  – die Zahlen waren jedoch nicht so hoch, dass sie das Gesamtergebnis der Freibadsaison deutlich nach oben korrigieren konnten. „Leider ist es uns aufgrund unserer Personalsituation, der defizitären und der gesetzlichen Lage nicht möglich, so flexibel auf alle Witterungsbedingungen zu reagieren, wie wir das gerne würden, da das in Pfeddersheim eingesetzte Personal jetzt im Heinrich-Völker-Bad benötigt wird“, so Franz. Dort stünden notwendige Arbeiten an, für die die Stadt das Personal bräuchte, um den Hallenbadbetrieb, den Aufbau des „Luftikus“ – der Traglufthalle -  und die Reinigung der Becken zu gewährleisten. Diese Maßnahmen laufen seit dem 5. September, der Luftikus soll am 24. September in Betrieb gehen. „Wir haben nicht mehr Stellen im Stellenplan zur Verfügung“, verdeutlicht der Dezernent die prekäre Lage.


     


    Gleichzeitig erinnert er daran, dass aktuell noch nicht einmal die Genehmigung für das aktuelle Haushaltsjahr vorliege. „In den letzten Tagen haben wir uns intensiv mit einer Haushaltsverfügung der ADD beschäftigen müssen, die insgesamt 55 Seiten umfasst. Darin sind drastische Sparmaßnahmen und Auflagen gefordert, die wir beantworten und erfüllen müssen. Dabei stehen insbesondere auch wieder die so genannten „freiwilligen Leistungen" auf dem Prüfstand. Zu diesen Leistungen gehören die Sportplatzpflege und -unterhaltung, die Pflege der städtischen Grünanlagen, der Betrieb des Tiergarten Worms, der Jugendmusikschule, der städtischen Bibliothek, der Jugendmusikschule und auch der Betrieb des Heinrich-Völker-Bades und des Paternusbades“, unterstreicht Franz. 


    Der Betrieb des Paternusbades ist in jedem Jahr mit einem Defizit für den städtischen Haushalt verbunden. Der Förderverein mildert den Verlust ab, doch das Defizit bleibt bestehen, das Paternusbad wird weiterhin Verluste einfahren, unabhängig der Witterungsbedingungen. Alternativ müsste die Stadt die Eintrittspreise verdoppeln oder auf das Niveau privat betriebener Bäder bringen, die jedoch ebenfalls fast ausnahmslos ums Überleben kämpfen.


    Erfahrungsgemäß sei es wirtschaftlich einfach nicht sinnvoll, die Freibäder bis zum Ende der zweiten September-Woche geöffnet zu lassen, da dieses Angebot auch bei schönem Wetter nur von sehr wenigen Badegästen genutzt werde, weiß Franz. 


    Der Betrieb der Bäder in Worms stellt eine freiwillige Leistung dar, die nach wie vor jedes Jahr gegenüber der ADD und dem Rechnungshof durchgesetzt werden muss. Eine Verlängerung der Öffnungszeit um sieben bis vierzehn Tage erhöhe das Defizit weiter, so Franz. Pro Tag belaufen sich die Gesamtkosten für das geöffnete Bad auf knapp 2.100 Euro (Stand 2015), also 14.700 Euro pro Woche. Damit einher gehen Wocheneinnahmen in Höhe von lediglich 2.200 Euro (Stand KW 35 2016). Die Verluste sind also immens. 


    Dringenden Handlungsbedarf sieht der Dezernent jedoch bei der kurzfristigen Reaktion auf schnelle Wetteränderungen. Leider sei es in der sowieso schon wetterbedingt schlechten Saison mehrfach vorgekommen, dass es bis zum frühen Nachmittag geregnet habe, dann jedoch das Wetter umschwang, das Paternusbad allerdings bereits geschlossen war. Die Regelungen des TVöD ließen hier jedoch kaum Handlungsspielraum, bedauert der Dezernent. 


    „Was Herr Englert erklärt, ist hanebüchener Unsinn und ein Armutszeugnis für ein Mitglied des Stadtrates", betont Oberbürgermeister Michael Kissel. Insbesondere Uwe Franz mache sich seit Jahren  für den Erhalt des Paternusbades stark, gründete schließlich sogar den Förderverein, so Kissel weiter. „Als zuständiger Dezernent muss er jedoch die wirtschaftlichen Kennzahlen im Auge behalten, um den dauerhaften Betrieb sicherzustellen“.

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