Mo., 06. Mai 2019, 09:49 Uhr
Adolf Kessel beantwortet Fragen der IG in Leiselheim im Heisje
„Straße für alle“ kam überwiegend gut an
Die Interessengemeinschaft (IG) Dr.-Illert-/Albert-Schweitzer-Str. hatte zu einer Informationsveranstaltung die Anwohner dieser beiden Straßen und betroffene Nebenstraßen ins Vereinsheim des SV Leiselheim ('s Heisje) eingeladen. Peter Ehrhardt begrüßte die sehr zahlreich erschienenen Gäste, insbesondere den zukünftigen Oberbürgermeister Adolf Kessel und Leiselheims Ortsvorsteher Johannes Nock und die Mitglieder des Leiselheimer Ortsbeirates. Ebenso Helmut Müller als ehemaligen Ortsvorsteher, der sich bereit erklärt hatte, die Moderation zu übernehmen.
Ehrhardt gab einen kurzen Rückblick auf die seit Oktober 2018 laufenden Aktivitäten in Leiselheim zur Verkehrsgestaltung in der Engstelle der Winzerstraße. Als vorbildlich erwähnte er die Anordnung der Stadtverwaltung, die Geschwindigkeit in der Engstelle auf 10 km/h zu begrenzen.
Die Interessen der südlich davon wohnenden Anwohner einschließlich der Nebenstraßen seien kaum berücksichtigt worden, weder von der Verwaltung noch auf der politischen Ebene. Daher habe sich die Interessengemeinschaft gebildet. Diese spräche sich gegen die geplante Einbahnstraßenregelung aus und habe einen eigenen Vorschlag ausgearbeitet. Der wurde von Werner Schaus anhand einer Bildpräsentation vorgestellt wurde. Dabei ging er zunächst auf statistische Verkehrszahlen ein, die die IG in privaten Verkehrszählungen ermittelt hatte.
Durch den Engpass fuhren am 10. April, von 6 bis 19 Uhr, 3.911 PKW, davon 28 LKW ab 7,5 t und
68 ab 3.5 t. Weiterhin passierten 72 Motorräder und Mopeds, 134 Radfahrer und 80 Fußgänger diese Problemzone, also waren im Schnitt 6 Fußgänger unterwegs, alle 10 Minuten ein Fußgänger.
Wenn der Verkehr in der Winzerstraße durch die Einbahnstraße auf ca. 2000 halbiert und über die Dr.-Illert-Str. und Albert-Schweitzer-Str. zurück auf die Winzerstraße geführt wird, erhöht sich der Verkehr in diesen beiden Straßen entsprechend und würd dann in der Albert-Schweitzer-Str. ca. 4000 PKW/LKW betragen, sich dort nach einer Verkehrszählung am 6. März quasi verdoppeln.
Die Lösung ist nach Überzeugung der IG eine „Straße für alle“, die für alle Betroffenen annehmbar erscheint. Dies wird erreicht durch verkehrsberuhigende Maßnahmen und entsprechende Gestaltung der Oberfläche, insbesondere eine niveaugleiche Straßenfläche. Eine „Fahrbahn“ für motorisierte Fahrzeuge darf es nicht geben. Diese suggerieren dem Fahrzeuglenker „hier ist meine Straße, da habe ich Vorrang“.
Gerade in einer „Straße für alle“, das drückt der Name schon aus, sollen die schwächeren Verkehrsteilnehmer – Fußgänger und Radfahrer – geschützt werden. Nur eine Beschilderung durch das Schild „Spielstraße“ oder „Zone für Fußgänger/Radfahrer“ allein reicht nicht aus. Fantasievolle Fahrbahnmarkierungen, z.B. unterschiedliche farbliche Gestaltung oder Aufpflasterungen sind zielführend. Der Fahrzeuglenker muss visuell erkennen, hier bin ich in einem verkehrsberuhigten – gemeinsamem Raum. Die Beschilderung an der Einfahrt macht aus verkehrsrechtlicher Sicht klar, hier haben Fußgänger Vorrang, sie dürfen die volle Straßenbreite benutzen, dabei den Fahrverkehr aber nicht unnötig behindern; Fahrzeuge müssen Schrittgeschwindigkeit/10 km/h fahren und dürfen nicht überholen.
Bei den anschließenden Wortmeldungen zu dem Konzept „Straße für alle“ gab es absolute Zustimmung bis hin zu einer Ausweitung der Zone, auch mit dem Hinweis, „dies sei im Ausland sehr verbreitet“, bis zu Fragen der Unfallhäufigkeit andernorts, bis zur Skepsis, dass die gezeigten Beispielsbilder alle Bürgersteige enthielten. Schaus merkte hierzu an, dass die Unfallzahlen nicht überall rückläufig sind, aber die Schwere der Verletzungen erheblich geringer war. Bilder ohne Bürgersteig(e) gibt es im Internet genug zu finden.
Danach übernahm Helmut Müller die Moderation und trug die vorab an Adolf Kessel übermittelten Fragen der IG den Teilnehmern vor.
Zur Unterschriftenaktion der IG „gegen die Einbahnstraße“ mit fast 1000 Unterzeichnern sagte Herr Kessel: überwiegend Unterschriften aus Leiselheim machen klar, dass der Vorschlag der Verwaltung keine große Sympathie findet. Den Vorschlag der IG fände er gut und er solle in den Gremien diskutiert werden. Die Einhaltung der Verkehrsregeln sollten mit den vorhandenen Radargeräten mehr überwacht werden. Zur Lösung im Engpass müsse ein gemeinsamer Weg gefunden werden.
Zum Zebrastreifen vor der Bäckerei, machte er keine große Hoffnung, da dies auch vom Fußgängeraufkommen abhänge, dies ließe sich aber vielleicht in die Gestaltung der „Straße für alle“ integrieren.
Ein Fördertopf für Lärmschutzmaßnahmen könne gerne geprüft werden, setze aber auch die Bereitschaft der Hausbesitzer voraus, solche Maßnahmen umzusetzen. Eine Beteiligung der Bürger an der Festlegung neuer Bushaltestellten bei geänderter Linienführung der Busse halte er für selbstverständlich.
Zu Frage des aktuellen Standes einer Tunnelprüfung auch in der Dr.-Illert-Str. gab er die Auskunft, dass dies aktuell noch geprüft werde. Es bestehe für die Anwohner ebenso ein Anrecht auf Prüfung der Tragfähigkeit der Straßendecke wie in der Winzerstraße.
Die Frage, den Schwerlastverkehr aus Leiselheim fernzuhalten, beantwortet Adolf Kessel mit „grundsätzlich ja“, dabei dürfen jedoch andere Stadtteile nicht belastet werden. Das Zusatzschild „Lieferverkehr frei“ würde keine Abhilfe schaffen, da dies nur sehr schwer zu überwachen sei.
Sollte es tatsächlich zu einer Vollsperrung der Engstelle kommen, sieht er bei zu geringer LKW-Anzahl keine Möglichkeit verkehrsleitenden Maßnahmen einzuleiten (Anmerkung: er ging von 28 LKW anstatt tatsächlicher 60 LKW in Leiselheim aus).Ebenso müsse die Fertigstellung der B47 Süd abgewartet werden. Auch wird ein Interessensausgleich benötigt und die Verhältnismäßigkeit sowie eine gerechte Verteilung des Verkehrs müsse geprüft werden.
Eine Nordumgehung (gemeint ist nicht die Dunantstr.) verschlinge viel Ackerland und brauche viel Zeit, die Verlängerung der Krankenhaustangente sei hierfür das beste Beispiel. Zu einem erhöhten CO2-Ausstoß bei einer verlängerten Fahrstrecke über die Dr.-Illert-/Albert-Schweitzer-Str. gab er den allgemeinen Rat, der Umwelt zuliebe grundsätzlich unnötigen Autoverkehr auch innerörtlich zu vermeiden.
Nun forderte Müller die Teilnehmer zu weiteren Fragen auf, die hier aber nicht alle aufgeführt werden können. Eine Teilnehmerin verdeutlichte nochmals die prekäre Situation insbesondere für Mütter/Väter die mit Kindern oder Kinderwagen im Engpass unterwegs sind. Nur wenige Autos würden die vorgegebene Geschwindigkeit einhalten. Dies könne sie durch den Geschwindigkeitsanzeiger vor ihrem Haus sehr gut beurteilen. Es seien durchaus auch Leiselheimer darunter, die zu schnell unterwegs sind.
Zum Schluss bedankte sich Horst Werner Ziehmer im Auftrag der IG bei den Teilnehmern und zeigte sich sehr zufrieden mit dem guten Verlauf der Veranstaltung. Die konstruktiven Beiträge machten durchaus Hoffnung auf eine Lösung im Engpass in der Winzerstraße. Herrn Kessel und Herrn Müller überreichte er als Dankeschön typische Leiselheimer Produkte: Brot vom Bäcker, Wurst vom Metzger und Wein vom Winzer, also Weck, Worscht und Woi.