Unstimmigkeiten über Abrechnungen der städtischen Wohnungsbau sorgen für heftige Turbulenzen
Streit um Nebenkosten
Walter Baron hat in akribischer Arbeit die Nebenkosten überprüft und ist auf Unregelmäßigkeiten gestoßen. Foto: Gernot Kirch
Von Gernot Kirch Zwischen der Wormser Wohnungsbau GmbH und 18 Mietern der Thomasstraße 1 bis 3a gibt es seit längerer Zeit Unstimmigkeiten über die Höhe der Nebenkostenabrechnungen. Der Zeitraum der Abrechnungen bezieht sich überwiegend auf die Jahre 2012 und 2013. Ins Rollen gekommen ist die Sache durch Walter Baron, einen Mieter in der Thomasstraße, der von der städtischen Wohnungsbau GmbH Einblick in die Belege für seine Stromrechung haben wollte. Dies sei ihm jedoch zunächst nicht und dann nur sehr zögerlich auf intensives Drängen hin gestattet worden. Daraufhin hat er akribisch die Unterlagen durchforstet und ist auf Ungereimtheiten und überhöhte Beträge bei Strom, Wasser und Müllentsorgung gestoßen. Bei insgesamt 31 Mietparteien ist Walter Baron für die Jahre 2012 und 2013 auf die Summe von etwa über 16.000 Euro gestoßen. Diese haben die Mieter dann von der Wohnungsbau GmbH zurückgefordert. Ohne Beanstandung habe das Unternehmen daraufhin, so Walter Baron, 9.400 Euro überwiesen. Worum es jetzt noch gehe, seien knapp 7.000 Euro.
Was ist mit Heizkosten?
Gegenüber dem NK betonte Walter Baron, dass es ihm und den anderen Mietern einzig um eine korrekte Abrechnung gehe, nicht um einen großen Streit. Die Wohnungsbau GmbH habe für die nächste Woche alle Mieter zu Gesprächen über die Nebenkostenabrechnungen eingeladen. Er hoffe, dass die Wohnungsbau GmbH anschließend die restlichen 7.000 Euro überweise. Gleichzeitig machte Walter Baron aber darauf aufmerksam, dass noch die Kosten für Heizung überprüft werden müssten, hier könne sich eine weitere „Baustelle“ auftun. So seien die Heizkosten inzwischen um 119 Prozent gestiegen, hier frage er sich, wie dies zustande gekommen sei. Schwer zu schlucken hätten manche Mieter auch damit, dass die Miete in den letzten Jahren um rund 20 Prozent gestiegen sei und weitere 10 Prozent in Aussicht gestellt wurden.
Gang in die Medien
Abschließend sagte Walter Baron, eigentlich wollten sie die ganze Angelegenheit intern mit der Wohnungsbau GmbH zu einer Lösung führen, aber nachdem die Wohnungsbau ihre bis zum 30. Juni gestellte Frist für eine Klärung habe verstreichen lassen, habe man den Weg in die Öffentlichkeit gesucht. Daher sei die Problematik auch am Donnerstagabend in der Fernsehsendung „Zur Sache“ beim Südwestfunk gewesen. Für die Zukunft wünsche er sich einfach mehr Transparenz. Weiter fügte er an, dass er alle seine Schreiben an die Wohnungsbau ab dem 1. Januar 2015 in Kopie auch an den Oberbürgermeister geschickt habe.
Normaler Vorgang
Der Geschäftsführer der Wohnungsbau GmbH, Jürgen Beck, sagte gegenüber dem Nibelungen Kurier, er weise die Vorwürfe der Mieter zurück. Es sei ein normaler Vorgang, dass ein Abbuchung der Nebenkosten zunächst anhand kalkulierter Zahlen erfolge und dann nach der exakten Jahresrechnung gegebenenfalls ein Rückzahlung durchgeführt werde. In der nächsten Woche finde ein Treffen mit den Mieter der Thomasstraße statt. Dabei wolle man alle Probleme aus der Welt schaffen. Im übrigen gebe es häufiger unterschiedliche Auffassungen über Nebenkosten mit Mietern, was im Zuge von Gesprächen ausgeräumt werden müsse.
Als Information sei hier ergänzt, dass die Wohnungsbau über einen Bestand von rund 4.000 Wohnungen in Worms verfügt.
Externer Gutachter
Oberbürgermeister Michael Kissel, erklärte in seiner Funktion als Aufsichtsratsvorsitzender der Wohnungsbau gegenüber dem NK, es habe ein Gespräch zwischen ihm, Adolf Kessel (CDU) und Jürgen Beck gegeben. Dabei habe er absolute Transparenz gefordert und formuliert, dass bei dem Treffen mit den Mietern eine Einigung angestrebt werden soll. Gebe es nach dem Gespräch allerdings weiterhin Unklarheiten, werde es eine externe Untersuchung geben.
SPD kritisch
Mitglieder der SPD-Stadtratsfraktion äußerten sich sehr kritisch über die Wohnungsbau GmbH. Unter anderem schlagen sie einen externen Gutachter vor. Parteivorsitzender Jens Guth sagte: „Es muss an die ureigenste Aufgabe der städtischen Wohnungsbau erinnert werden, nämlich um die Bereitstellung von gutem und günstigem Wohnraum für Alleinstehende bis hin zur Großfamilie.“