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  • Sa., 19. Februar 2022, 07:47 Uhr
    HOCHHEIM: NABU zieht sich aus Projekt an der Bergkirche zurück / Ortsvorsteher Timo Horst nimmt Stellung

    Streitthema „Naturnahe Wiese“

    Ein Schild informiert bereits über die gemeinsam geplante Aktion, aus der sich der NABU nun zurückzieht. Foto: NABU


    VON VERA BEIERSDÖRFER Die Aktiven des NABU sind mächtig sauer und schmeißen hin: Sie hatten mit ihrer AG „Blühender Wonnegau“ eine Fläche vor der Hochheimer Bergkirche naturnah herrichten wollen, nun sei diese Arbeit jedoch durch eigenmächtiges Handeln der Stadt praktisch zerstört worden, heißt es in einer Pressemitteilung des Naturschutzbundes.
    Die Vertreter der Kirchengemeinde und die Pfarrerin wollten im Jahr 2020, die große Rasenfläche vor der Kirche naturnah und insektenfreundlich gestalten und hatten im NABU einen aufgeschlossenen Ansprechpartner gefunden. Da sich die Fläche im Eigentum der Stadt befindet, fand im Oktober 2020 dann ein Treffen zwischen Grünflächenamt, Umweltamt, zwei Vertretern des ebwo, Beate Wolf von der Kirchengemeinde und dem NABU statt. „Dabei wurde einvernehmlich vereinbart, wie die Fläche hin zu einer naturnahen Wiese entwickelt werden sollte“, so der NABU weiter.

    Zunächst hätte man die vorhandenen Pflanzen wachsen lassen, Kartierungen durchführen und gezielt mähen wollen. Weiter sei angedacht gewesen, bei Bedarf Mahdgut von einer renaturierten ortsnahen Blühwiese aufzubringen und Frühjahrsblüher wie Schneeglöckchen, Traubenhyazinthen, Elfenkrokusse, wilde Tulpen und Narzissen zu pflanzen. „Die Entwicklung war sehr positiv“, erinnert sich Waltraud König, Leiterin der NABU-AG, an den Beginn der Aktion.

    Um die unerwünschte Ausbreitung der Luzerne zu unterdrücken, wurde einmal durch die Stadt und einmal durch den NABU gezielt gemäht und zusammen mit der Kirchengemeinde und Jugendlichen der Pfadfindergruppe Luzerne per Hand entfernt. Parallel dazu wurde ein Infoschild mit Erläuterungen aufgestellt. „Bis dahin lief alles nach Plan“, so König. „Doch dann hat die Stadt im Dezember vergangenen Jahres entgegen jeglichen Absprachen die Fläche gemäht und ebenfalls ohne Rücksprache 1.000 Zwiebeln vom sogenannten Iranlauch durch den ebwo einsetzen lassen“. Durch das Eingraben dieser Lauchzwiebeln, die laut NABU in einer solchen Wiese absolut nichts verloren haben, sei jetzt freier Boden entstanden, auf dem sich die Luzerne wieder gut ausbreiten könne.

    "Engstirnigkeit von Verwaltungsmitarbeitern"
    „Für uns bleibt die Erfahrung, dass Versuche, städtische Flächen naturnah zu gestalten durch Engstirnigkeit von Verwaltungsmitarbeitern von vornherein zum Scheitern verurteilt werden“, empören sich die NABU-Mitglieder in ihrem Schreiben und erklären, sich daher aus dem Projekt an der Hochheimer Bergkirche zurückzuziehen. „Dieses Verhalten haben wir die letzten 30 Jahre immer wieder erlebt“, betont der Vorsitzende des NABU Worms-Wonnegau Matthias Bösl. „Die Stadt hätte sich einfach heraushalten sollen, schließlich ist die Kirchengemeinde mit gutem Grund an den NABU herangetreten und nicht an die Verwaltung“.

    Im Gespräch mit dem NK hat der Hochheimer Ortsvorsteher Timo Horst Vermittlung zwischen NABU und der Stadt angeboten. „Ich hätte mir den direkten Dialog mit dem NABU gewünscht, bevor sich dessen Mitglieder an die Öffentlichkeit wenden“. Umgekehrt habe er jetzt dem NABU ein Gesprächsangebot gemacht und würde sich freuen, wenn es zu einem Dialog kommt. Horst habe auch weiterhin großes Interesse an der naturnahen Gestaltung von Flächen und sei jetzt schon mit dem BUND im Dialog, erklärt er gegenüber dem NK.

    In Rücksprache mit der Kirchengemeinde, stünden in diesem Jahr ohnehin größere Baumaßnahmen an der Bergkirche an, sodass die Fläche vor der Kirche vermutlich ebenfalls für die Baustelleneinrichtung benötigt wird. In diesem Zusammenhang sei es fraglich, ob die Fläche als Blühwiese in diesem Jahr überhaupt genutzt werden könne, so die Kirchengemeinde. "Dies bedeutet erhebliche Eingriffe in die Fläche, die dann vermutlich sowieso neu angelegt werden muss“, erläutert der Ortsvorsteher.
    Zudem habe die Stadt der Kirchengemeinde angeboten, das komplette Grundstück anzupachten und in ihrem Sinne zu gestalten. Das wäre für beide Seiten gut, so Horst. „Die Stadt spart die Unterhaltungskosten und die Gemeinde kann mit einem Kooperationspartner die Fläche neugestalten, wenn die Baumaßnahme abgeschlossen ist“.

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