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  • Mi., 26. Oktober 2022, 09:00 Uhr
    WORMS: Tragödie in Flüchtlingsunterkunft / Helferkreis Asyl wendet sich an Stadt und Öffentlichkeit

    Sturz in den Tod

    Von Florian Helfert › Am Sonntag, dem 2. Oktober, stürzte ein 32-jähriger Flüchtling aus Somalia aus seinem Fenster im vierten Stock einer Wormser Flüchtlingsunterkunft.


    Der Helferkreis Asyl Worms unterstützte ihn seit 2018 und schildert den Fall wie folgt: In der Nacht auf den 2. Oktober stand der geduldete Ostafrikaner nach Aussagen von Mitbewohnern unter Alkoholeinfluss und randalierte. Die Polizei nahm ihn in Gewahrsam. Aufgrund eines ausgesprochenen Hausverbotes wurde nach seiner Rückkehr in die Klosterstraße zwischenzeitlich erneut die Polizei um Hilfe gerufen.


    Die Vorsitzende des Helferkreises, Angelika Wahl, vermutet, dass ihr ehemaliger Schützling eine traumatische Obdachlosigkeit befürchtete, welche er bereits während seiner Flucht monatelang habe ertragen müssen. Nun hofft der Helferkreis auf eine sorgfältige Aufklärung der Geschehnisse und auf mögliche BodyCam-Aufnahmen der Polizisten.


    Schwierige Wohnverhältnisse


    Dem tödlichen Sturz gingen zwei Strafanzeigen des verstorbenen Somaliers voraus. Ende Mai brachte er zur Anzeige, dass er im Zimmer überfallen und ihm Geld weggenommen worden sei. Mitte September drehte es sich darum, dass ihm ein Zahn ausgeschlagen wurde.


    „Um solche Konflikte zu verringern, sollten vorbeugende Maßnahmen mit Bewohnern und Betreibern der Unterkünfte, Flüchtlingsinitiativen und Wohlfahrtsverbänden sowie Stadtverwaltung und demokratischen Parteien beraten und entwickelt werden“, appelliert der Helferkreis. Konkret empfiehlt Angelika Wahl eine unabhängige Beschwerdestelle – wie sie ihr zufolge seitens des Bundesministeriums für Familie, Frauen, Senioren und Jugend seit Jahren vorgeschlagen werden.


    Viele beratende Ansprechpartner vorhanden


    „Es gibt bereits mehrere Beratungsoptionen für betroffene Menschen“, erläutert die städtische Pressesprecherin Angela Zimmermann hierzu. Zu nennen seien die Migrationsberatungsstellen, der Flüchtlingskoordinator, die Migrationsbeauftragten, weitere (private) Beratungsstellen sowie ehrenamtliche Helfer. Gemeinsam mit dem Jobcenter und dem Träger der Unterkünfte (ASB) versuche die Stadtverwaltung alle Anliegen der Klienten sofort und unbürokratisch einer Lösung zuzuführen.


    Sollte der Bund dennoch eine weitere „unabhängige Beschwerdestelle“ wünschen, hoffe die Stadt auf eine gesicherte Finanzierung aus Bundesmitteln.


    Hausverbote als Zeichen gegen Gewalt


    Wie in allen Gemeinschaftsunterkünften gibt es laut Stellungnahme aus dem Rathaus auch in der Klosterstraße ein Konfliktmanagement und darüber hinaus ein Gewaltschutzkonzept. Das Konzept basiere auf der Maxime „null Toleranz gegenüber Gewalt“. Neben dem internen Konfliktmanagement, der regulären Strafverfolgung und speziellen Einzelgesprächen mit Polizisten des Sachgebietes Migration beinhalte es auch Hausverbote in der Unterkunft, um weitere Eskalationen zu verhindern und um ein deutliches Zeichen gegen Gewalt zu setzen.


    Die Rückmeldungen der Polizei bestätigen aus Sicht der Stadtverwaltung ein sehr geringes Aufkommen an Einsätzen und Anzeigen, insbesondere im Hinblick auf Gewaltdelikte. Als Hauptursache für die gemeldeten Konflikte sei generell übermäßiger Alkoholkonsum festzustellen. Dies seien allerdings Umstände, die auch in anderen Lebenssituationen auftreten könnten.

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