Volkstrauertag 2019: Gedenkstunden und Kranzniederlegungen im gesamten Nibelungenland
"Suche Frieden und jage ihm nach"
In Gedenken an die Opfer von Gewalt und Krieg wurde heute auch in Worms-Rheindürkheim ein Kranz von Ortsvorsteher Björn Krämer (2. von links), Pfarrerin Vanessa Bührmann (5. von rechts), Klaus Martin (3. von rechts) sowie den Konfirmanden niedergelegt. Foto: Vera Beiersdörfer
Von Vera Beiersdörfer 80 Jahre sind vergangen seit dem 1. September 1939 als deutsche Soldaten in fremder Uniform eine polnische Radiostation überfielen und so den damaligen Machthabern den Anlass gaben, einen Krieg zu entfesseln.
„Das Schreckliche jener Tage verblasst, daher ist es gut, dass es den Volkstrauertag gibt. Einen Tag des Erinnerns und des Mahnens, allen Verblendern die Stirn zu bieten, damit es nie wieder so weit kommen kann“, erläuterte Klaus Martin, einstiger Ortsvorsteher von Rheindürkheim und ehemaliger Sprecher der rheinhessischen Präsides in der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, während der Gedenkstunde am heutigen Vormittag.
Wie in Rheindürkheim wurden heute im gesamten Nibelungenland anlässlich des Volkstrauertages zur Erinnerung an die Kriegstoten und Opfer der Gewaltbereitschaft und Gewaltherrschaft aller Nationen Kränze niedergelegt. „Heute gedenken wir ebenfalls allen Widerständlern, auch den namenlosen, die sich dem damaligen Unrecht nicht beugten“, so Martin.
Freiheit und Wohlstand
Für Ortsvorsteher Björn Krämer war es das 1. Mal, dass er eine Gedenkstunde zum Volkstrauertag begleiten durfte. „Für mich und meine Generation sind die Schrecken des Krieges längst Geschichte. Wir sind in Freiheit und Wohlstand aufgewachsen, keiner von uns musste Angst um einen Vater, Bruder oder Sohn haben, der in den Krieg gezogen war. Für uns ist es schwer greifbar, was damals geschehen ist und dadurch umso wichtiger, dies nicht zu vergessen“, insistierte Krämer. "Ich bin froh, dass wir die EU haben, dass wir in einer Zeit leben, in der in Europa Frieden herrscht“.
Der Frieden ist ein scheues Tier
Vanessa Bührmann, die seit dem 1. Januar 2019 die Pfarrstelle des Wormser Stadtteils innehat, mahnte, nicht zu vergessen, dass der Frieden ein scheues Tier sei, das immer aufs Neue eingefangen werden müsse. „Ich dachte immer, dass wer einmal in Frieden gelebt hat, diesen nicht wieder aufgeben will. Doch etwas geht in unserem Land vor, Gegensätze und Trennendes werden in den Vordergrund gerückt. Wer einmal mit Krieg und Gewalt angefangen hat, kommt da nur schwer wieder hinaus“, bezog sie sich auf den 34. Psalm, in dem David fordert: „Suche Frieden und jage ihm nach!“. Dabei könnte er in seiner Situation auf ganz andere Gedanken kommen. Er ist auf der Flucht vor dem übermächtigen König Saul, der ihm seine Erfolge neidet und ihm nach dem Leben trachtet. Unzufriedenheit kann schnell zur Wurzel von Hass und Entzweiung werden.
Die Gedenkstunde mit anschließender Kranzniederlegung wurde mitgestaltet von den Konfirmanden des Jahrgangs 2019/20 und musikalisch vom Kirchenmusikverein Osthofen umrahmt.