Mit einer Kranzniederlegung erinnerten Vertreter der Stadt an das gescheiterte Attentat auf Adolf Hitler am 20. Juli 1944
Symbol für Zivilcourage gegen das Unrecht
Am „Mahnmal für die Opfer des Faschismus“ legte Oberbürgermeister Michael Kissel am Donnerstag einen Kranz nieder.
Am 20. Juli 1944 um 12.42 Uhr detonierte eine Bombe im Führerhauptquartier Wolfsschanze in Ostpreußen mit dem Ziel, Adolf Hitler zu töten und der Katastrophe der Nazi-Diktatur ein Ende zu setzen.
Am Jahrestag des Attentats um Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg legte Oberbürgermeister Michael Kissel für die Stadt Worms einen Kranz am „Mahnmal für die Opfer des Faschismus“ nieder – diesmal aufgrund eines Vorschlags aus dem Stadtrat am frühen Abend, was leider jedoch nicht zu einem stärken Zuspruch führte. „Nichts desto trotz ist es wichtig, an bestimmte Daten in der Geschichte zu erinnern“, betonte der OB und lobte die gute Gedenkarbeit in Worms.
Millionen toter Soldaten
Man könne nur mutmaßen, welche Auswirkung der vorzeitige Tod des Führers gehabt hätte, doch OB Kissel vermutet, dass ein geglücktes Attentat ein schnelleres Kriegsendes zur Folge gehabt hätte. „Alleine in der Zeit nach dem 20. Juli 1944 bis zur Kapitulation starben etwa vier Millionen Deutsche, anderthalb Millionen russische sowie mehr als 100.000 britische und amerikanische Soldaten. In den Konzentrationslagern wurden bis zum Kriegsende noch weitere hunderttausende Häftlinge ermordet, Bombenangriffe zerstörten deutsche Städte, darunter auch Worms, und im Osten begann die leidvolle Vertreibung von Deutschen“, machte der Stadtchef deutlich. All dieses Leid hätte es mit hoher Wahrscheinlichkeit in dieser Form nicht gegeben, wäre das Attentat geglückt.
Von Stauffenberg und die mitwirkenden Frauen und Männer sind seit dem 20. Juli 1944 - trotz Misserfolg – zum Symbol für Zivilcourage gegen das Unrecht schlechthin, für Mut und Widerstand geworden. Der 20. Juli galt in Westdeutschland lange Zeit als einziger Beleg für den Widerstand gegen Hitler, als Beleg für ein „anderes Deutschland“.
Respektvolle Erinnerung
In den Nachkriegsjahren seien Stauffenberg und seine Anhänger fast mystisch verklärt worden, so der Stadtchef. Die meisten von ihnen waren jedoch bereits politisch oder militärisch im Nazi-Deutschland aktiv, waren teilweise selbst in Verbrechen verwickelt, und agierten somit vor und während des Attentats aus der Mitte heraus. „Heute analysieren wir die Ereignisse nüchtern und wissen, dass Stauffenberg und seine Mitverschworenen geprägt waren von Moralvorstellungen der Monarchie und militärischer Ordnung. Das Attentat war möglicherweise ein verzweifelter Versuch, die eigene Schuld zu sühnen“, so der OB. Nichts desto trotz gebühre den Attentätern eine respektvolle Erinnerung. Trotz der Gewissheit, dass bei einem Misserfolg nicht nur sie, sondern auch ihre Familien um ihr Leben hätten bangen müssen, waren sie bereit, sich gegen den Diktator aufzulehnen. „Das alljährliche Gedenken an die Frauen und Männer steht für alle Widerstände gegen den Nationalsozialismus, steht für die Millionen Opfer, die aufgrund ihrer Rasse oder Herkunft verfolgt und getötet wurden“ unterstrich OB Kissel. Neben dem Mahnmal, das bereits 1950 vom VVN (Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes) initiiert wurde, zeugen auch viele Plätze und Straßen, die nach den Attentätern und Widerständlern benannt sind, von der durch die Stadt Worms geleisteten Erinnerungsarbeit. „Wir müssen uns immer wieder vor Augen führen, wie die Demokratie in unserem Land entstanden ist und wir müssen eine Wiederholung solcher Geschehnisse wie diejenigen, die zum Zweiten Weltkrieg geführt haben, verhindern“ machte der Oberbürgermeister deutlich.