Nach verschiedensten Einsätzen in Krisengebieten darf sich der neue türkische Generalkonsul Arif Eser Torun jetzt in Mainz auf ruhigere Zeiten freuen
Sympathische Stimme eines wichtigen Partners
Der Blick von Arif Eser Torun (links) ging in Richtung der Partnerschaftstafeln im Rathausfoyer. Gut kann er sich hier noch die einer türkischen Stadt vorstellen. Foto: Robert Lehr
VON ROBERT LEHR | Als Arif Eser Torun am Mittwochvormittag Worms besuchte, war es nicht das erste Mal. Schon vor seinem offiziellen Antrittsbesuch war der neue türkische Generalkonsul aus Mainz in der Nibelungenstadt zu Gast.
So gab der sympathische Diplomat vor Vertretern türkischer Gemeinden, Verbänden und Unternehmen sowie Vertretern der Verwaltung und Wormser Honoratioren im Foyer des Ratssaales zu, dass er einige der hiesigen Sehenswürdigkeiten bereits habe kennen lernen dürfen.
Unter anderem in den „DomTerrassen“ und an der Rheinpromenade sei er mit seiner Frau schon gewesen. Die ersten Eindrücke hätten ausgereicht, um festzustellen, dass Worms „eine der schönsten Städte“ in seinem Verantwortungsbereich sei – aber auch wie „multikulturell“ es hier zugehe.
Bereits vor einigen Wochen habe Arif Eser Torun zudem Besuch einer Abordnung aus Worms bekommen. Aus deren Mitte habe er erfahren dürfen, wie fruchtbar sich das multitkulturelle und interreligiöse Miteinander in Worms gestalte. Ein Zeichen hierfür sei der „Türkisch-Deutsche Rheinland-Pfalz-Tag“, der zum bereits 3. Mal auch in diesem Jahr am 31. Mai in der Wormser EWR-Arena stattfinde.
Zuvor hatte der Wormser Oberbürgermeister Michael Kissel daran erinnert, welche Bedeutung die Zuwanderung für Worms schon immer gehabt habe. Der Stadt sei es im Laufe ihrer langen Geschichte immer gut gegangen, wenn die Migration gelungen sei.
Gerade den Türken sei vieles zu verdanken
Vor allem den türkischen Mitbürgern habe man vieles zu verdanken, unterstrich das Stadtoberhaupt. Heute bereits in der 2. und 3. Generation hätten sie maßgeblichen Anteil an unserem wirtschaftlichen und sozialen Wohlergehen. Dieser Tatsache sehe man sich gegenüber diesen rd. 9.000 Mitbürgern „stark verpflichtet“. Den Folgen des bloßen „Anwerbeabkommens“ vor Jahrzehnten würde seitens der Stadt aktuell mit zwei hauptamtlichen Migrationsbeauftragten Rechnung getragen.
Aber auch für die Stadt Worms mit ihrem „guten Mix“ verschiedenster Unternehmen sei die „boomende Türkei“ heute ein wichtiger Handelspartner. In diesem Zusammenhang äußerte Kissel auch den Wunsch nach einer türkischen Partnerstadt. Gerne wolle er hier entsprechende Hilfestellung leisten, sekundierte Arif Eser Torun spontan.
Interessante Vita eines Diplomaten
Am Rand des kurzweiligen Empfanges bot Arif Eser Torun einen kurzen Blick in seine Vita. Als einem 1976 im ehemaligen Antiochia Geborenen liege ihm der Austausch zwischen Kulturen und Religionen ohnehin im Blut. Schon in der Schule habe er u.a. Deutsch gelernt und während eines späteren dienstlichen Aufenthaltes in Jerusalem auch hebräisch. Nach dem Studium der internationalen Beziehungen in Ankara habe er vor allem im türkischen Außen- aber auch im Kulturministerium in verschiedensten Positionen gearbeitet.
So sei er dienstlich schon in Israel oder Georgien gewesen und zuletzt im libyschen Misrata. In Kirgisistan habe er seine russischstämmige Ehefrau kennen gelernt. Sie wird dem sympathischen Diplomaten alsbald Nachwuchs schenken. Auch in Nürnberg war er schon als Vizekonsul. Von daher freue er sich, nach relativ turbulenten Jahren an den verschiedensten Brennpunkten auf eine etwas entspanntere zweite Dienstzeit hier in Deutschland.
Doch allzu heimisch sollten sich Arif Eser Torun und seine Familie hier nicht fühlen. Nach den 3 bis 4 Jahren im Ausland ist bei Konsulen eine ca. zweijährige Zeit in der Heimat und dann eine erneute Verwendung im Ausland vorgesehen. Im Bereich der „alten Bundesrepublik“ unterhält die Türkei übrigens 13 Generalkonsulate.