Mo., 02. November 2020, 15:39 Uhr
KLINIKUM WORMS: Spezialisten des Beckenbodenzentrums bieten am 12. November von 16.30 bis 18.30 Uhr telefonische Beratung
(Tabu-)Thema Inkontinenz
Wer an Kontinenzproblemen leidet, für den ist ein normales Leben in vielen Fällen nicht mehr möglich. Beim Verlassen des Hauses kreisen die Gedanken häufig permanent um die Möglichkeit einer Toilettennutzung und jede Aktivität wird ganz genau geplant, damit zwischendrin kein „Malheur“ passiert.
Die Betroffenen sind mit diesem Problem häufig alleine, denn Inkontinenz ist ein Thema, über das in der Öffentlichkeit auch heute kaum gesprochen wird. Das möchten die Experten des Beckenbodenzentrums am Klinikum Worms ändern und laden auch in diesem Jahr wieder zu einem Expertentelefon für Betroffene ein. Am Donnerstag, dem 12. November, von 16.30 bis 18.30 Uhr bieten die Kontinenz-Spezialisten Patienten die Möglichkeit sich in vertraulichem Umfeld – und auf Wunsch auch anonym – Hilfe und Unterstützung zu suchen.
Viele schweigen
Obwohl deutschlandweit rund neun Millionen Menschen unter einer Blasen- oder Darmschwäche leiden, getrauen sich viele nicht einmal mit ihrem Arzt über dieses Problem zu sprechen. „Wir erleben es immer wieder, dass Patienten Inkontinenz als Schicksal hinnehmen und schweigen und deshalb mit ihren Beschwerden alleine bleiben“, beschreibt Oberarzt Georg Crayen die Situation. Als Koordinator des Beckenbodenzentrums ist er immer wieder mit der Tabuisierung dieses Themas konfrontiert. „Mich stimmt es persönlich traurig, wenn ich sehe, dass Menschen viele Jahre im Stillen gelitten haben, obwohl ihnen hätte geholfen werden können. Bei Inkontinenz kann in vielen Fällen etwas getan werden“, so der Mediziner.
Die Formen, in denen sich eine Harn- oder Stuhlinkontinenz zeigt, sind ebenso vielfältig wie die Ursachen, die ihnen zugrunde liegen. Deswegen sind im Beckenbodenzentrum Experten der unterschiedlichsten Fachdisziplinen vertreten – angefangen von Urologen und Gynäkologen über Chirurgen und Physiotherapeuten bis hin zu Selbsthilfegruppen. „Für die Patienten ist es wichtig zu wissen, dass wir ihnen mit einer hohen Wahrscheinlichkeit helfen und ihnen die gewohnte Lebensqualität zurückgeben können. Welche Therapie Erfolg verspricht, richtet sich nach der Ursache des Kontinenzleidens und den Möglichkeiten der Patienten“, ergänzt Crayen. "Manchmal sind ein gezieltes Beckenbodentraining oder eine medikamentöse Therapie ausreichend. In anderen Fällen kommen operative Verfahren zum Einsatz, die sich in den vergangenen Jahren rasch weiterentwickelt haben. Ich kann jeden Betroffenen nur ermutigen, diesen Verlust an Lebensqualität nicht stillschweigend über sich ergehen zu lassen.“
Am 12. November stehen folgenden Experten zwei Stunden lang unter Telefon 06241/501-3260 für Fragen zur Verfügung:
- Dr. Rainer Lange, Urogynäkologe am Beckenbodenzentrum Rheinhessen im Klinikum Worms und in der „Gyn-Praxis“ in Alzey und Bad Kreuznach
- Georg Crayen, Koordinator Beckenbodenzentrum und Oberarzt Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Thoraxchirurgie, Klinikum Worms
- Dr. Sebastian Warncke, Oberarzt Klinik für Urologie, Klinikum Worms
- Birgit Warnke, Pflegeexpertin Kontinenz/Trainerin Beckenbodengymnastik, Klinikum Worms
- Marietta Keim, Inkontinenz-Selbsthilfegruppe Worms