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  • Di., 13. Oktober 2020, 09:19 Uhr
    VfH WORMS: 43. Wormser Kunstradsport-Cup lässt Elite im kleinen aber feinen Teilnehmerfeld gemeinsam mit dem Nachwuchs trotz Corona Topleistungen feiern

    Talente und Weltmeister Rad an Rad

    Hand in Hand, Rad an Rad: Der 4er Kunstradsport Elite Frauen des VfH Worms zeigte nach fast achtmonatiger Wettkampfpause eine schwierige Kür mit vier neuen Übungen. Foto: Marcus Diehl


    VON JÜRGEN JAAP | Es ist seit nunmehr 42 Jahren alleine schon von den sportlichen und akrobatischen Leistungen her einer der Höhepunkte im Sportkalender der Nibelungenstadt. Und auch Corona und den durch die Pandemie bedingten immensen Auflagen an die Organisatoren des VfH Worms und die Sportler aus insgesamt sieben Nationen zum Trotz fand im für alle besonders extremen Jahr 2020 der 43. Wormser Kunstradsport-Cup in den Sporthallen des BIZ statt. Nicht mit 60 Teams und an die 500 Radkünstlern wie in den vielen Jahren zuvor. Dafür aber waren insgesamt 150 „zugelassene Menschen“ in der Sporthalle von einer gehörigen Portion Herzblut und Lust am Wettkampf der 100 Sportler, sowie 50 Wettkampfrichtern und Organisatoren des VfH Worms beseelt.

    Nicht nur Weltmeister Lukas Kohl „giert“ nach Wettkämpfen

    „Es ist einfach nur super, dass trotz der Covid-19-Beschränkungen endlich wieder ein Wettkampf durchgeführt werden kann“, bringt Lukas Kohl stellvertretend für alle Kunstradsportlerinnen und Kunstradsportler „die Gier nach dem sportlichen Kräftemessen“ zum Ausdruck. Der 24-jährige Mann muss das wissen, ist der Oberfranke aus Kirchehrenbach doch als amtierender und viermaliger Weltmeister in Serie das Nonplusultra des Kunstradsports. Und dies stellte Lukas Kohl im letzten Durchgang des Events eindrucksvoll unter Beweis. „Er ist der eleganteste Weltmeister seit Jahrzehnten, Technik in Perfektion“, ließ der erfahrene VfH-Trainer Jürgen Born vor der Kür wissen. Volltreffer! Ein Sprung vom Sattel auf den Lenker in voller Fahrt eröffnet das Feuerwerk an spektakulären Übungen. Eine Pirouette des Vorderrads, der Fünffach-Drehsprung, ein Handstand inklusive Hochziehens der geschlossenen Beine folgen. Einzigartig. Staunen erlaubt und allenthalben gewährt. „Etwas Schwieriges einfach aussehen zu lassen, das ist die Kunst“, sagt der junge Mann nachher mit einem breiten Lächeln quasi durch die Mund-Nasen-Schutzmaske hindurch. Kunstradsport in Perfektion eben.

    TSG Flonheim schnappt sich den Cup

    Schlag auf Schlag geht es beim 43. Wormser Kunstradsport-Cup. Die amtierenden Weltmeisterinnen im 4er Kunstradsport Elite Frauen aus Baar in der Schweiz „legen nochmals eine Scheibe drauf im Vergleich zur WM“, schnalzt Jürgen Born ehrfurchtsvoll mit der Zunge. Das muss auch der Kunstradsport-Vierer des VfH Worms als amtierender „WM-Vize“ neidlos anerkennen. Bis in die Schlussminute hinein liefs bei den VfH-Frauen super, „dann allerdings gingen zwei von vier neuen schwierigen Elementen schief“, analysierte Jürgen Born. Egal. Im Kampf um den Cup wäre es ohnehin für die Wormser VfH-Kunstradsportlerinnen sehr schwer geworden, lieferte doch die TSG Flonheim mit ihren drei 4er-Teams auf dem Einrad und Kunstrad eine beeindruckende Leistung ab, die mit dem klaren Titelgewinn vor dem letztjährigen Cup-Sieger RV Mainz-Ebersheim belohnt wurde.

    Elegant und fokussiert absolvierte der gerade einmal neun Lenze zählende Neels Vietor seine fünfminütige Kür. Foto: Marcus Diehl


    Alle Teilnehmer können sich als Sieger fühlen

    Apropos Sieger: Die gab es nicht allein oben auf dem Treppchen bei der Siegerehrung, sondern ganz besonders auch unter den zahlreichen Nachwuchs-Talenten des Ausrichters VfH Worms und Vereinen aus nah und fern. Mit einer ehemaligen Weltmeisterin wie Denise Boller aus Gisingen in Österreich oder dem Weltrekord-Halter Lukas Kohl an den Start zu gehen, das hat schon etwas – ein besonderes Flair. „Ich schau’ mir den Weltmeister nachher genau an“, betont etwa Neels Vietor. Das neun Jahre junge Talent des VfH Worms saugt lehrreiche Eindrücke wissbegierig auf, vielleicht auch weil er mit seiner eigenen Kür nicht ganz zufrieden war. „Ich komme mir im Vergleich mit den anderen Sportlern klein vor, hätte das aber besser machen können“, sagt Neels nach einem Sturz kurz vor Ende der Kür beim sogenannten Kehrhang. „Das war richtig gut“, lobt sein Trainer Stefan Born, zugleich Chef-Organisator und Vorsitzender des VfH Worms, seinen Schützling dennoch mit einem Klaps auf die Schulter.

    VfH goes Livestream

    Die Übungen auf den drei Fahrflächen bieten keine Sekunde Leerlauf. Und weil der VfH Worms über seine Homepage unter dem Link https://vfhworms.de/ die Fahrten in einem Livestream anbot, konnten Fans und Freunde des Kunstradsports das Event live und in Farbe über drei angebotene Kanäle im Internet verfolgen, als wären sie in den Sporthallen des BIZ mit dabei. Gut, die musikalische Untermalung einer Cyndi Lauper mit „True Colors“ zur eleganten Kür der jungen VfH’lerin Paula Zobel blieb aus. Am Ende aber gab es unter den Weltmeistern, nationalen Meister und solchen, die einer der schwierigsten, weil turnerisch und akrobatisch so anspruchsvollen Sportart frönen, nur lachende Gesichter. Der 43. Wormser Kunstradsport-Cup 2020 hatte wieder einmal alle Teilnehmer in seinen Bann gezogen.
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