
Das Konzert „Passacaglia della vita“ am Samstag in der Wormser St. Paulus-Kirche stellte frühbarocke Vokal- und Instrumentalmusik in den Mittelpunkt und war ein nahezu perfekter Klanggenuss, der vor allem den jungen und begabten Musikern und ihrem Lehrer Jan van Elsacker zu verdanken war.
Konzerte in der Wormser Dominikanerkirche St. Paulus sind immer Garant für ein besonderes Musikerlebnis. Hier wird mit Musik nicht überwältigt, sondern sie wird transparent hör- und nachvollziehbar. Die schöne Akustik des Kirchenraumes webt die einzelnen musikalischen Stimmen zu einem besonderen Gewebe zusammen.
Am Samstag luden fünf Musiker der Musikhochschule Trossingen zur Passacaglia des Lebens (Passacaglia della vita) ein. Vier sehr junge und sehr begabte Studierende (Jan Jerlitschka – Countertenor, Simona Umarov – Laute und Theorbe, Barbara Hulcová – Theorbe, Thomas Dombrowski – Viola da gamba) brachten ihren Lehrer Jan van Elsacker (Tenor) mit. Sie fanden sich lange vor dem Wormser Abend zu diesem Projekt frühbarocker Musik aus England, Italien und Spanien zusammen und vertieften sich in die Texte und Melodien aus dem sechzehnten Jahrhundert. Am Samstag konnten sie ihr beachtliches Ergebnis in einem Konzert präsentieren.
Die frühbarocke Zeit des sechzehnten Jahrhunderts war von großen kulturellen Umbrüchen geprägt. Die Renaissance entdeckte das Individuelle des Menschen und der frühe Barock dann seine emotionalen Affekte. So illustriert die Musik dieser Zeit die tiefsten Gefühle, die Liebe und Trauer auslösten. In vier Blöcken stellten die Musiker diese damals unerhörte Musik dem Publikum vor. Die Musiker aus Trossingen sind dabei nicht viel jünger als die Komponisten es waren, als die Stücke entstanden.
Der Eingang war das „Stabat Mater“ von Giovanni Felice Sances (Wien, 1600-1679), eine Sequenz der von Schmerz geplagten Gottesmutter Maria. Für das Wormser Konzert wurden die ursprünglichen Solopartien der Stücke von Jan van Elsacker extra für Duette gesetzt. Das Ergebnis war überwältigend wegen des weichen, fast schmelzenden Zusammenklangs der beiden Sänger. Im zweiten Abschnitt führten die Musiker die Zuhörer in das elisabethanische England mit dem Meister der Melancholie, John Dowland (London, 1563 – 1626). Der dritte Abschnitt des Konzertes brachte freundliche italienische Musik. Besonders „Canta la cicaletta“ (Gesang der kleinen Zikade) Stefano Landis (Rom, 1587 – 1639) erzeugte mit der beschwingten Melodie und ihrem traurigen Text Gänsehautmomente. Dann folgte der vierte und letzte Konzertblock, der nach Spanien führte und dem Gambisten Thomas Dombrowski und den beiden jungen Frauen mit ihren Theorben mit der bekannten „Folies d’Espagna“ (Marin Marais, Paris, 1656 – 1728) die Möglichkeit gab, ihr Können zu zeigen.
Die Musiker nutzen dabei den gesamten Kirchenraum für die Aufführung der Musik. Sie sangen von der Orgelempore und den Stufen des Hochaltars, was der Musik einen tiefen Raumeindruck verschaffte. Die Konzertgäste belohnten die Künstler mit stehendem Applaus und erklatschten sich eine Zugabe.
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