STADTTAUBENPROBLEMATIK: Arbeitskreis will mit bereuten Taubenschlägen Abhilfe schaffen / Unterstützung durch Stadt und Politik gewünscht
Taubenhass entlädt sich in Vergiftungsaktion
Nach der neuerlichen Vergiftungsaktion und der Gewalt gegenüber den Tieren hoffen ehrenamtliche Pflegestellen auf baldige Abhilfe und die Unterstützung der Stadt und der Politik.
VON STEFFEN HEUMANN | „Wir fordern und unterstützen den Antrag der SPD Fraktion in Worms, betreute Taubenschläge zu errichten und haben dazu bereits im Innenstadtausschuss im September dieses Konzept vorgestellt”, erklärt Ursula Gräter, Sprecherin des Arbeitskreis Stadttauben Worms, ein Zusammenschluss des Stadttaubenprojektes Rhein-Neckar e.V., der Wildvogelstation Nonnenhof e.V., Menschen helfen Tieren e.V. und des Tierheims Worms nach der jüngsten Vergiftungswelle gegen Tauben rund um das Lutherdenkmal, wo ein Unbekannter Granulat ausgelegt hat und eine größere Zahl an Tieren getötet wurden. Die Ordnungsbehörde musste zuletzt mehrere aufgeplusterte Kadaver einsammeln. Die Kosten für eine Betreuung der Vögel in eigens dafür konzipierten Taubenschlägen sollen sich je nach Standort einmalig auf ca. 2.500 Euro belaufen. Weitere Kosten für Futter und Betreuung würden größtenteils ehrenamtlich übernommen, so dass sich der monatliche Aufwand für die Stadt auf rund 150 Euro summieren würde.
Als Standort kämen die dafür ausgebaute Dachgeschosse von öffentlichen Gebäuden und Schulen in Frage, ebenso wie Taubenschläge auf Parkhäusern z.B. in der Umgebung des Bahnhofs. „In der Stadt an Gebäuden oder am Hauptbahnhof durchgeführte Vergrämungsmaßnahmen lösen das Problem mit Stadttauben nicht, sondern verdrängen diese Tiere nur auf andere Gebäude“, erläutern die Tierfreunde. Da es sich um ehemalige Zuchttiere handele, hätten diese im Gegensatz zu Wildtauben ein hohes Reproduktionsverhalten mit 6 bis 8 Brutgelegen im Jahr, auch in den Wintermonaten. Dieses Brutverhalten werde nicht durch ein Fütterungsverbot beeinflusst, sondern es werde weiter unter widrigsten Bedingungen versucht, die Kücken groß zu ziehen, auch wenn diese letztendlich im Nest verhungern oder durch Hunger getrieben als kaum flugfähige Tiere das Nest verlassen würden, um Nahrung zu suchen.
Das Auslegen von Gift wurde vielen Stadttauben zum Verhängnis.
Tierschutzgerechte Populationskontrolle
In den betreuten Taubenschlägen würden diese Tiere artgerechtes Futter finden und durch den Austausch der gelegten Eier gegen Gipseier eine tierschutzgerechte Populationskontrolle vorgenommen werden können. Der Erfolg eines betreuten Taubenschlages hänge dabei nicht von den Kosten ab, sondern von einem sinnvoll ausgewählten Standort, einer ausreichenden Grösse und einer sachkundigen Betreuung, betont der Arbeitskreis. Positive Beispiele seien das Engagement der Stadt Wiesbaden, Mainz und Koblenz, aber auch in Kleinstädten in der Region wie Guntersblum sei das bestehende Probleme mit ausgesetzten und sich unkontrolliert vermehrenden Tauben durch einen betreuten Taubenschlag im Dachgeschoss des dortigen Rathauses für alle Beteiligten zufriedenstellend gelöst worden. „Wir wünschen uns, dass die Stadt Worms erkennt, welche Tragweite die Stadttaubenproblematik für Menschen und diese Tiere hat und entsprechenden Lösungsmaßnahmen positiv gegenüber steht“, unterstreicht der Arbeitskreis sein Anliegen.
Zum einen nehmen private und ehrenamtliche Pflegestellen seit Monaten ca. 10 bis 15 kranke oder verletzte Tauben aus dem Stadtgebiet Worms pro Monat auf und seien damit längst an der Belastungsgrenze angelangt. Zum anderen entlade sich der Hass auf die sich unkontrolliert vermehrenden Tiere wie aktuell in Vergiftungsaktionen, denen Tauben und andere Tiere qualvoll zum Opfer fallen, und die auch Kinder gesundheitlich gefährden.
Mit Taubenschlägen zur Verringerung der Population von Stadttauben hoffen Tierfreunde die Problematik entschärfen zu können.
INFO: Ein Fütterungsverbot ändert nichts an dem angezüchteten Reproduktionsverhalten. Stadttauben und Zuchttauben leben und brüten im Gegensatz zu heimischen Wildtauben nicht auf Bäumen im Wald oder parkähnlichen Umgebungen. Sie ziehen sich in Gebäudenischen zurück, da sie in ihrer Ursprungsform von der Felsentaube abstammen. Sie fressen kein Gras oder Insekten, sondern greifen auf das vorhandenen Nahrungsangebot in Form von Abfällen in den Fußgängerzonen. Durchfall und eine höhere Krankheitsanfälligkeit sind die Folge.