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  • Sa., 05. Dezember 2015, 21:09 Uhr
    Domgemeinde: Archäologischer Fund hat neue Planungen nötig gemacht / Veränderte Baupläne vorgestellt

    „Taufpiscina wird die Besucher am Dom begrüßen“

    Visualisierte Darstellung des geplanten Raumes um die Taufpiscina. Grafik: „Heidenreich & Springer Architekten“


    „An der äußeren sichtbaren Gestalt des geplanten Hauses ändert sich praktisch nichts.“ Das ist die zentrale Botschaft, die Propst Tobias Schäfer und der stellvertretende Vorsitzende des Verwaltungsrates der Domgemeinde, Klaus Berg, bei der Vorstellung der veränderten Baupläne zum Haus am Dom mitteilen. Die Umplanungen waren erforderlich geworden, nachdem man im Juli bei archäologischen Grabungen auf ein kreisrundes Wasserbecken gestoßen war, das die Archäologen mutmaßlich als frühchristliche Taufpiscina identifizieren. Zwar steht ein letzter Beweis für diese Hypothese noch aus, aber die Indizien, dass es sich um ein solches für die Erwachsenentaufe vorgesehenes Taufbecken aus dem 8. Jahrhundert handeln könnte, haben sich im Laufe der Grabungen weiter verdichtet. „Wir haben jetzt zugesagt bekommen, dass die Ergebnisse einer Altersbestimmung über Holzkohle-Partikel, die weitere Klarheit bringen könnte, bis Weihnachten vorliegen“, erläutert Johannes Krämer, der Baudirektor des Bistums Mainz.

    Fund ins Haus integrieren

    Bereits bei der Vorstellung des archäologischen Befundes hatten Bistum und Domgemeinde angekündigt, diesen besonderen Fund in das geplante Haus integrieren zu wollen. Zusammen mit dem Architekten habe man daher die Aufteilung der Räume im vom Domplatz aus ebenerdigen Sockelgeschoss völlig umgeplant. Herausgekommen ist ein großer und lichter Raum, in dessen Zentrum die mutmaßliche Taufpiscina angemessen präsentiert und für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden soll. Zugleich erlauben die großzügigen bogenförmigen Fenster vom Domplatz her einen Blick auf die Archäologie an diesem Ort. „Die Taufpiscina wird die Besucher im Haus am Dom begrüßen. Es entsteht ein Raum, der zugleich eine Art Foyer für das Haus am Dom ist wie auch ein ansprechendes Entrée für den gesamten Dombereich – so wie das Sakrament der Taufe ja den Zugang zur Kirche markiert“, erläutert Propst Schäfer das Konzept. In diesem Raum könnten gegebenenfalls auch andere, teilweise schon bei früheren Grabungen und heute an verschiedenen Orten aufbewahrte archäologische Funde aus dem Domumfeld präsentiert werden.

    Raum tagsüber zugänglich

    Der Raum wird tagsüber für Besucher, auch im Rahmen von Führungen, zugänglich sein. Gleichzeitig erreicht man über diesen Raum das in einem benachbarten Raum untergebrachte Café. „Das Café mussten wir deutlich verkleinern, um hier den Domladen zu integrieren, für den ursprünglich ein separater Raum vorgesehen war“, erläutert Propst Schäfer. Um den Raumverlust durch den Präsentationsraum der Taufpiscina teilweise zu kompensieren, wurde eine Idee der ursprünglichen Planungen wieder aufgegriffen und die Räume für Technik und die sanitären Anlagen in eine Art Ausbuchtung auf der Rückseite des geplanten Gebäudes untergebracht, die von außen nicht sichtbar sein wird, weil sie unter dem Niveau des Kreuzganges liegt. „Diesen ursprünglich geplanten ‚Rucksack‘ hatten wir aus Kostengründen schon früh aufgegeben, mussten diese Planungen jetzt aber wieder aufgreifen“, berichtet Klaus Berg. „Anders waren Toiletten und vor allem die notwendigen Technikräume nicht unterzubringen, da wir an dem äußeren Erscheinungsbild des Hauses möglichst nichts verändern wollten.“ Der Raumbedarf für die Technikräume ist auch deshalb nicht unerheblich, weil das Haus komplett mit Erdwärme beheizt werden soll und dafür entsprechende Wärmetauscher und Pufferspeicher unterzubringen waren. „Hier wollen wir als Kirche sehr bewusst auch unseren Beitrag zum Umweltschutz leisten und auf fossile Brennstoffe verzichten“, erläutert Johannes Krämer.

    Spatenstich bis Ende März

    Die eigentlichen Gemeinderäume befinden sich, wie schon im ursprünglichen Entwurf vorgesehen, in dem vom Kreuzgang her ebenerdig zu erreichenden Geschoss über Café und Piscina. Hier hat sich an den Planungen nichts verändert. Das gilt genauso für das Obergeschoss, in dem sich der für bis zu 180 Personen konzipierte Gemeindesaal befinden wird. Nachdem die Umplanungen mit dem Bauausschuss und im Verwaltungsrat der Domgemeinde beraten worden waren, habe man im Oktober den aktuellen Planungsstand im Rahmen einer Tektur zum Bauantrag bei der Bauaufsichtsbehörde der Stadt Worms eingereicht. Und wann geht es nun wirklich los mit dem Bau? Nach aktuellem Stand sollen die archäologischen Grabungen zum Jahreswechsel abgeschlossen sein. „Im Februar könnte dann mit den Abrissarbeiten des alten Kiosk-Gebäudes begonnen werden, Ende Februar oder Anfang März sollte dann der erste Spatenstich möglich sein“, gibt sich Propst Schäfer zuversichtlich.

    500.000 Euro an zusätzlichen Kosten

    Ein wichtiges Thema, bei dem der Domgemeinde auch weiterhin an Transparenz gelegen ist, sind die Kosten. „Uns war klar, dass die Integration der Archäologie erhebliche zusätzliche Kosten verursachen wird, das hatten wir auch bereits im Juli, als der Fund der Öffentlichkeit präsentiert wurde, gesagt“, erläutert Klaus Berg. Nach den aktuellen Kostenberechnungen werden sich die zusätzlichen Kosten auf etwa 500.000 Euro beziffern, so dass sich die Gesamtkosten auf 5 Millionen Euro summieren. „Natürlich sind die Mehrkosten nicht unerheblich, wir glauben aber, dass sie durch den außergewöhnlichen archäologischen Fund an dieser Stelle und das gemeinsame Interesse, diesen zu bewahren und angemessen zu präsentieren, gerechtfertigt sind. Hier wird die Geschichte dieses Ortes und der Stadt Worms konkret ablesbar“, erläutert Johannes Krämer für das Bistum Mainz. „Wir freuen uns, dass es nun bald losgeht“, unterstreicht Propst Tobias Schäfer, „und wir sind fest überzeugt, dass mit der Architektur von Prof. Springer und der so eindrucksvoll integrierten Taufpiscina hier nicht nur der dringend benötigte Treffpunkt einer lebendigen Gemeinde geschaffen wird, sondern auch ein einladender Platz für Worms und seine Gäste.“

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