KONZERTBERICHT: Die Night Of The Proms 2023 gab in der Mannheimer SAP-Arena ihren fulminanten Tourstart
Thank you for the Music – The Show goes on!
Joseph Williams, TOTO, und James Morrison stehen bei der Night Of The Proms. Foto: Rudolf Uhrig
Von Rudolf Uhrig › Bei vielen werden sicherlich in diesem Jahr wieder Konzertkarten unter dem Weihnachtsbaum liegen. Auch welche für den Tourauftakt der Night Of The Proms am Freitag, den 29. November 2024 in der Mannheimer SAP-Arena.
Am 30. November diesen Jahres startete die „NOTP“ in die diesjährige Saison ebenso genau dort, in der SAP-Arena. Tausende Hände gingen hoch als der Moderator des Abends, Marcus Fahn, frägt, wer schon einmal bei der Night Of The Proms war. Die NOTP-Familie ist groß und zuverlässig, wahre Fan-Clubs haben sich um das Musikhappening bestehend aus E-und U-Musik gebildet. Und so dauert es auch an diesem kalten Freitagabend nicht lange bis sich das Oval fast bis zur Gänze füllt.
Von Oper(ette) über Nuevo Tango bis hin zu Pop
Bereits zum zweiten Musikstück klatscht das Publikum begeistert mit. Die 42-jährige brasilianische Dirigentin, Alexandra Arrieche, lässt mit tatkräftiger Unterstützung des 75-köpfige Antwerp Philharmonic Orchestra die „Leichte Kavallerie“ von Franz von Suppé losgaloppieren. Fast schüchtern betritt Nathan Chan mit seinem großen Cello die Bühne. Talent und musikalische Leidenschaft; darüber verfügt der amerikanische Ausnahmecellist. Bereits im Alter von sechs Jahren begann er mit dem Cellospiel und studierte an renommierten Musikschulen, darunter die Juilliard School in New York City. Sein Repertoire umfasst Klassik, zeitgenössische Werke und kreative Fusionen mit Künstlern verschiedener Musikstile. Mit dem Libertango von Astor Piazzolla stellt er dies sofort unter Beweis.
Mit Aura Dione folgt der erste Pop-Act. Freilich, dass die 38-jährige Dänin ihre absoluten Hits performt. Zart wirkt sie, auch wenn sie urplötzlich aus sich herausgeht und tanzt und sogar ins Publikum entschwindet. „I Will Love You Monday“ und „Friends“ sind Klassiker. Aber erst als dann bei ihrem Nr. 1-Hit „Geronnimo“ Chor und Orchester beherzt und mitreisend einsetzen, springt der Funke über.
Mit Chor und Orchester
Der Chor Fine Fleur begeistert immer wieder aufs Neue – ob als Begleitung des Sinfonieorchesters und der Stars oder bei für das Ensemble ausgewählten Chorstücken. Foto: Rudolf Uhrig
Chor und Orchester sind es auch, die dann die eigentlich profane Mehrzweckhalle in einen Ballsaal verwandeln. Jedes freie Eckchen nutz das Publikum um bei dem „Straus-Mix“ wie "An der schönen blauen Donau" oder "Wiener Blut" das Tanzbein zu schwingen. Klar, dass zudem die ausgeteilten Lämpchen mit bunten Farben einen zusätzlichen optischen Akzent setzen.
Er spielte in den Straßen vieler englischer Städte bis dann das Märchen wahr wurde. Mit „You Give Me Something“ rauschte die erste Single in die Charts. Kein „One-Hit-Wonder“ wie sich zeigen sollte, denn auch der zweite Song „Wonderful World“ fand sich ganz oben in den Platzierungen wieder. James Morrison hatte es also geschafft. Voller Verve steht er nun bei der NOTP auf der Bühne und versprüht beste Laune.
Eine Steilvorlage für Alexandra Arrieche. Mit dem Libretto aus der vielleicht bekanntesten Musik aus Giuseppe Verdis vieraktiger Oper „Il Trovatore“ fühlte sich das Publikum ins alte Aragón des 15. Jahrhundert versetzt. Zumal auch der Spaßvogel der NOTP ever, Patrick de Smet, zu Beginn des zweiten Aktes einen der spanischen Zigeuner abgibt, der bei Sonnenaufgang seinen Amboss schlägt, mit verbundenen Augen die Triangel zum Klingen bringt und den guten Wein und die Frauen preist. Szenenwechsel im Kopfkino. Arrieche verlagert musikalisch den Ort der Handlung nach Paris, genauer gesagt ins berühmte Moulin Rouge. Herrliche Erinnerungen werden an Henri, Lola und Nini mit dem „French Can Can“ wach.
Camouflage erstmals dabei
Vor der Pause noch mal ein ganz anderer Sound, den nur die NOTP als Brückenschlag der Genres präsentieren kann. Mit den Synthie-Popper „Camouflage“ aus Bietigheim-Bissingen kommen künstlerische NOTP-Neuzugänge auf die Bühne. Heiko Maile malträtiert die Tasten und Marcus Meyn tanzt und singt natürlich ihre größten Erfolge „Love Is A Shield“ und „The Great Commandement.“
Die Pause artet keinesfalls aus, fast zügig strömt das Publikum in den Saal. Sie wollen mehr vom fulminanten Gesamtkunstwerk das die Night Of The Proms mit diesem Format geschaffen hat, denn mit über acht Millionen Besuchern ist „Night of the Proms“ die erfolgreichste Konzertreihe der Welt; und sie sind heute Abend Teil davon…!
Das APO (Antwerp Philharmonic Orchestra) intoniert aus der Filmmusik die „Suite from Harry Potter.“ Mit Nathan Chan, der sein klassisches Cello gegen ein elektrisches ausgetauscht hat, folgt wahrhaft ein weiterer Höhepunkt. „The Swan“, der Schwan von Camille Saint-Saëns ist der dreizehnte Satz des „Karnevals der Tiere.“ Ohne die karikaturistische Verzerrung der anderen Sätze ist „Der Schwan“, auch und gerade in der Version von Chan, ein sehr poetisches Cello-Solo, das Denis Inghelbrecht mit seiner tänzerischen Darbietung als großes Kunstwerk unterstreicht und faszinierend bereichert. Minutenlanger Applaus ist den beiden sicher.
Anastacia sang vier Lieder
Nathan Chan spielte für Anastacia (und alle Fans) Cello, während der US-Star „Cello“ von Udo Lindenberg in englischer Sprache interpretierte. Foto: Rudolf Uhrig
Und dann, WoW, die Power-Frau herself: Anastacia. Mit vier Songs gibt sie selbst ein kleines Konzert beim großen Konzertabend. Dabei spielt Nathan Chan gleich zu Beginn wieder eine entscheidende Rolle: „Cello“ ja „Cello“ von Udo Lindenberg unverkennbar. Aber der Text: “Hitchhiked or by moped or black with the train, I always followed you somehow …” in englisch, Superstar Anastacia macht es möglich. “Sick And Tired”, “Left Outside Alone”, “I’m Outta Love” bringen das Publikum zum Tanzen und Abfeiern direkt vor die Bühne. So nahe waren sie dem Star aus den USA noch nie. Und sie hat noch mehr drauf, bei „Broken Strings“ ‚ersetzt‘ sie kurzerhand Nelly Furtado, die in der ursprünglichen Fassung den Song von und mit James Morrison singt. Aber auch Morrison legt eine Schippe drauf. Mit seiner Akustik-Klampfe spielt er mit Nathan Chan "Gangsta's Paradise" von Rapper Coolio. Einen kongenialen Part dabei sind dabei auch die „Backgrounder“ Julia van de Ketterij, Rob de Nijs und Michelle Oudeman.
TOTO krönen Night Of The Proms
Und wer verbindet nicht Antonin Dvořák‘ Sinfonie „Aus der Neuen Welt“ und das Largo mit hoher Kunst. Wo sonst wäre das in dieser Dimension so konzertant mitzuerleben als bei der NOTP. Wo dann auch noch mit dem Hauptact der Show TOTO das absolute Highlight folgt. Und vielleicht war ja der eine oder die andere im Publikum die wehmütig an den August des Jahres 2000 zurück dachten…?!?! TOTO spielten mit Sänger Bobby Kimball in Worms, Open Air wo einst der südkoreanische Konzern „GoldStar“ Videorekorder produzierte und über Nacht auf Nimmerwiedersehen verschwand. Gäste im Backstagebereich waren damals Jule (heute Julia) Neigel und Marla Glen. Aber: Alles Geschichte!
Bobby Kimball ist heute 76 Jahre alt und an Demenz erkrankt. Seit 2008 tritt er nicht mehr auf; für ihn übernahm Joseph Williams den Gesangspart. Williams entstammt einer astreinen Schauspieler- und Sänger-Dynastie. Es ist der Sohn von Sängerin und Schauspielerin Barbara Ruick und des Hollywood-Komponisten John Williams sowie der Enkel des Jazz-Schlagzeugers Johnny Williams. Mehr geht kaum. Zusammen mit Steve Lukather und seiner “Music Man Luke III”-Gitarre rocket er mit den Superhits„Stop Loving You“, I’ll Be Over You”, “Rosanna”, “Africa” und “Hold The Line” die Halle. Keine Frage, die NOTP dürfte an diesem Abend einige neue Fans dazu gewonnen haben.
Tickets für Frankfurter Festhalle sichern
Wer Lust und Laune hat, am 20. und 21. Dezember gastiert die Show in der Frankfurter Festhalle. Karten sind unter https://www.eventim.de/artist/night-of-the-proms/night-of-the-proms-2024-3530735/?affiliate=GMD&includeOnlybookable=true&gclid=CjwKCAiAjrarBhAWEiwA2qWdCJrMJyOO7qp5WGObTddl0Kho-bi_Fxpgu2tct90-NtjA6lNjsIPnchoCI-4QAvD_BwE zu haben.
Es ist jedoch bedauerlich, dass ein Star schmerzlich vermisst wird: John Miles, der von Anfang an dabei und bis zuletzt ein Stammgast im Programm war. "Mister Music" verstarb am 5. Dezember 2021 an Krebs. Trost spendet, dass seine Hymne "Music" ein absoluter Evergreen ist und sein Leiden nur wenige Tage dauerte! In Memoriam John Miles; Thank you for the Music.