Am gestrigen Abend trafen verschiedene Welten im einen spannenden »Theaterlabor« aufeinander. Der Freundes- und Förderkreis der Nibelungen-Festspiele Worms e.V. lud zu einem transmedialen Theaterlabor u.a. mit studierenden der Filmakademie Ludwigsburg, der Akademie für Darstellende Kunst Baden-Württemberg und der Akademie für Bildende Kunst Stuttgart ein. Das Adaptionen-Seminar, eine Kooperation beider Hochschulen, wurde auf dem Weg zur Premiere bei den Nibelungen-Festspielen in Worms am 9. August 2015 filmisch begleitet durch das studentische Projekt „Nibelungen Reloaded“ in Zusammenarbeit mit dem SWR. Das Projekt verfolgt in einem zweiten Strang die Regiearbeit von Thomas Schadt zur Uraufführung von Albert Ostermaiers „Das Gemetzel“ bei den Wormser Nibelungen-Festspielen (bis 16.08.2015). Das Nibelungenlied ist wie ein Urtext, den wir durch unsere Gegenwart immer wieder neu vergegenwärtigen müssen“, so Albert Ostermaier – die Projekte der Studierenden reflektieren die Aktualität an diesem alten Stoff – mit Lust am Mythos.
Auf Nibelungen-Entdeckungsreise: Junge Theater- und Filmemacher schafften gemeinsam mit dem Autor und Regisseur Andres Veiel, bekannt durch Filme wie „Black Box BRD“ oder „Die Spielwütigen“, transmediale Projekte zwischen Theater und neuen Medien. Der so entstandene Parcours, eine Art begehbares Theaterlabor zum Thema sehr unterschiedliche Skizzen. Begehbare Raum-Installationen, kleine Performances, unsichtbares Theater, choreographische oder lyrische „Übersetzungen“, eine Mischung von Animation, Musik und Theater und vieles mehr - all das war ERLEBBAR - INTERAKTIV und MITTENDRIN.
Die Gäste wurden in 2 Gruppen geteilt. Eine Brunhild- und eine Kriemhild-Gruppe. Gemeinsam erlebten die unterschiedlichsten Personen einen faszinierenden Abend. Anstatt inaktive Zuschauer zu sein stand man mitten drin. Verwunderlich, wie leicht man beeinflussbar war, wie leicht man mitmachte, mitgezogen wurde und durch das spontane Spiel einen völlig offenen Spielverlauf miterleben konnte. Das Zauberwort war sicherlich hier: Fallen lassen, einlassen auf Neues und sich tragen lassen vom Spiel. Auf der großen Nebenbühne des WORMSERS verlor man sich sofort in eine neue Welt. Solidarität, Beeinflussung - das alles stand am Anfang der transmedialen Reise der Gäste.
Leider können wir heute nur aus einer Gruppe berichten - und zwar aus der Brunhildengruppe. ABER durch das Nachgespräch mit den Machern und Darstellern durften wir erfahren, dass auch die Kriemhildengruppe sehr viel erlebte in den 2 Stunden, die wie im Flug, quer durch das WORMSER und das WORMSERTheater vergingen. Genutzt wurden viele Räume des WORMSERS und des WORMSERTheaters und wurden dabei zu ganz besonderen Bühnen. Musik, Schauspiel, Film, … alles war dabei. Räume, die man immer wieder betritt und dabei ganz andere Personen und Sichtweisen trifft …
Als Brunhilden waren wir mit Gunther in Island um die Königin zu schlagen. Mit einem "Spielfeld" aus "Eiszapfen" in Form von weißen Stoffgittern folgten wir Gunthers Anweisungen um Brunhild zu "entmachten". Gemeinschaft, Kampf, Stärke, Verbundenheit. Es war sehr spannend. Die Kraft, die eine Gruppe entwickelt war sehr spannend zu sehen. Brunhild - im übrigen sehr beeindruckend durch eine junge Vertikalakrobatin dargestellt - war stark und kämpfte hart um Gunther (der ja eigentlich nicht viel machte, da Siegfried die Prüfungen für ihn ablegte) nicht in die Hände zu fallen. Man fühlte sich als Gruppe wie Siegfried, der unterstützend Gunther die Hand bot.
Weiter ging es in weitere spannende Räume. Um nicht alles in Worte zu fassen, haben wir ein tolles Video gefunden:
https://vimeo.com/132977676
An dieser Stelle möchten wir uns als NK-Blog Team für die wunderbare Erfahrung in den verschiedenen Räumen und Darstellungen bedanken. Beeindruckend war auch die 360° Grad Rund-um-Camera, mit der man in einem Raum mit 2 Darstellern war, aber doch nicht da war. Auch das Nachgespräch mit den Leitern des Projektes sowie den Menschen hinter den Arbeiten und Schauspielern gab wunderbare Einblicke und es fand ein reger Erfahrungsaustausch statt. Theater mit Musik und Gegensätzen, Interaktivität und Nähe zu gestalten ist sicher eine Methode, der man mehr Raum und Aufmerksamkeit schenken sollte!