NABU Worms-Wonnegau: Bestände im Wonnegau gleichbleibend / Fachlichkeit ist gefragt
„Thema der Saatkrähen für Kommunalwahl ungeeignet“
Das vor Jahren in der Johanniterstraße entstandene Bild zeigt einen Brutplatz, welchen die Saatkrähen aufgegeben haben. Foto: NABU Worms-Wonnegau
Die Saatkrähe hat es schwer: Vor 30 Jahren in Worms nicht anzutreffen, haben sich ihre Bestände erst seit rund 25 Jahren entwickelt und sind nun auf ca. 2.500 Paare im Wonnegau angewachsen. Das gefällt nicht allen, dabei ist aber festzustellen, dass sich die Zahl nun auf einem gleichbleibenden Niveau eingependelt hat. Der NABU Worms-Wonnegau kennt die Situation genau, denn Aktive des Verbandes zählen an rund 40 Standorten die Nester, um eine verlässliche Zahlenangabe präsentieren zu können.
Auch wenn es zahlreiche kleine Kolonien gibt, gehe bei der Saatkrähe der Trend hin zu großen Kolonien. Und diese große Singvogelart zieht es immer dahin, wo geeignete Brutbäume vorhanden sind und wo „etwas los ist“. Da verwundert es nicht, dass ausgerechnet an Autobahnparkplätzen große Kolonien anzutreffen sind, so etwa an den Parkplätzen „Rotenstein“ und „Bergkloster“ bei Westhofen mit 620 Paaren und an der Rastanlage Wonnegau mit 720 Paaren.
Solides Datenmaterial für Behörden
Einer kennt die Zahlen genau: Matthias Bösl vom NABU zählt jedes Jahr und kann sich auf seine zahlreichen Helferinnen und Helfer verlassen, die ein Netz aus Erfassern bilden. „Wir sind immer wieder überrascht, was sich an den verschiedenen Standorten tut, so ist die letztes Jahr 230 Paare umfassende Kolonie zwischen Flörsheim-Dalsheim und Mörstadt aktuell aufgegeben worden und auf dem Bergfriedhof Osthofen brütet auch keine Saatkrähe mehr“.
Für die Erfasser ist wichtig, dass die Behörden auf solides Datenmaterial zurückgreifen können, deshalb machen sie sich jährlich aufs Neue diese Mühe.
„Wo sollen die Krähen denn hin?“
„Unangemessene Wortwahlen wie „Plage“ oder hasserfüllte Beschreibungen dieser hochintelligenten und sehr sozialen Vogelart sind unangebracht“, wirbt Bösl um Sachlichkeit in Debatten. Vor allem eigne sich die Saatkrähe nicht für den Kommunalwahlkampf. „Es bedarf keiner großen Mühe, sich unter einen Baum zu stellen und zu fordern, die Nester müssten weg“, merkt Bösl an, „doch wo sollen die Krähen denn hin?“ Beobachter stellen nämlich immer wieder fest, dass die Saatkrähen in denselben Bäumen neue Nester bauen, wenn die alten entfernt werden oder sie ziehen ein paar Bäume weiter an andere Standorte.
Besonders bedenklich findet der NABU, wenn dann auch noch wie im Fall Leiselheim ein Jäger als Mitglied eines von der Landesregierung anerkannten Naturschutzverbandes die Entfernung der Nester ohne Kenntnis der Gesamtsituation fordert.
Turmfalken und Waldohreulen schätzen verlassene Nester
Zudem ziehen in verlassene Nester oftmals Turmfalken und Waldohreulen ein, die solche Nistplätze gerne annehmen. „Wir wünschen uns ein starkes Engagement der Gesellschaft für Vogelarten, die in den letzten Jahren aus unserer Landschaft verschwunden sind, statt zu bedauern, wenn Arten wieder zurückkehren“, so Bösl abschließend, „da würde sich ein runder Tisch und Anstrengungen lohnen.“