Do., 24.09.2026
Die Gratiszeitung für Worms und das Nibelungenland
  • Startseite
  • Sport
  • Termine
  • Stellenmarkt
  • Mo., 06. Juli 2015, 14:38 Uhr
    Gusdorf Nachfahre besucht Worms-Hochheim

    Tiefe Einblicke in die Familiengeschichte

    Von links: Renate Kollmitz, Maria Hilberg, Hans Egli, Adam Sachs, Timo Horst, Wolfgang Hasch

    Adam Sachs ist ein Urenkel Sigmund Gusdorfs, der gemeinsam mit seinem Bruder Hermann Gusdorf eine Möbelfabrik mit weit über 30 Angestellten um 1900 betrieb. Beides waren angesehene jüdische Bürger und Unternehmer, die im Ersten Weltkrieg für ihr Vaterland an der Front gekämpft hatten und sich vielfach in Wormser Vereinen engagierten, so Ortsvorsteher Timo Horst bei der Begrüßung des Gastes aus den USA. Noch tiefere Einblicke in die Geschichte konnte Wolfgang Hasch, Vorsitzender des Heimat- und Kulturvereins geben: "Kurz vor 1800 kam die Familie als kleine Händler und Handwerker nach Worms." Wie alle Juden hatten sie zu diesem Zeitpunkt noch keinen Familiennamen, was sich erst in der napoleonischen Zeit änderte. So benannte sich der erste Gusdorf in Worms, Salomon, wohl nach seinem Geburtsort. Das Geschäft mit Möbeln in Worms wurde durch harte Arbeit und dem Unternehmergeist immer größer und so siedelte die Familie nach Hochheim über und erbaute eine Möbelfabrik. Beim Besuch des Hochheimer Schreinermuseums konnte sich Sachs über das Schreinerhandwerk, das seine Familie geprägt hatte, informieren.


    Heute existiert die große Möbelfabrik, die Ecke Dreihornmühlgasse und Binger Straße stand nicht mehr. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde die Situation für die Juden in Deutschland immer schwieriger. Zuletzt waren Sigmund und Hermann Gusdorf Inhaber des Unternehmens, bis sie 1934 von den Nazis in den Bankrott getrieben wurden, so Maria Hilberg, stellvertretende Ortsvorsteherin. Beim Kristallnacht-Pogrom wurden ihre Wohnungen verwüstet und geplündert, die beiden Männer am 10.11.1938 verhaftet und nach Buchenwald deportiert. Während Hermann in Buchenwald verstarb, konnte Sigmund Gusdorf zurückkehren. 1941 gelang ihm die Flucht in die USA. Die Familie wurde über dem ganzen Globus verstreut und damit war ein Teil Hochheimer Geschichte zu Ende, bedauert Horst das Schicksal der jüdischen Familie. Für den Gast aus den USA hielt Wolfgang Hasch eine Überraschung bereit. Die Firma Gusdorf hatte in den 20er Jahren Werbegeschenke ausgegeben: Es waren Aschenbecher mit einem kleinen Werbeschild der Möbelfabrik. Davon existiert wohl weltweit nur noch ein Exemplar, so Wolfgang Hasch, der Sachs dieses Relikt der Gusdorf'schen Möbelfarik überreichte.

    Beitrag aus der Rubrik

    » Worms und Ortsteile
    Anzeige Reifen Mast KN10123Anzeige Platten NOLLAnzeige Online StellenmarktAnzeige VHS
    Anzeige Cecil Cycle KN18256Anzeige AmtsblattAnzeige das Wormser
    Anzeige TicketshopAnzeige Tip SüdhessenAnzeige 3 Füller 1