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  • Mi., 17. November 2021, 08:44 Uhr
    Hamm: Ingrid Kaller ist seit Jahren als Sterbeamme nicht nur in der Altrheingemeinde aktiv

    „Trauerarbeit wird totgeschwiegen“

    „Die Trauerarbeit wird totgeschwiegen“, sagt Ingrid Kaller: „doch es ändert sich gerade.“



    Der Tod gehört zum Leben, in unserer Gesellschaft wird er allerdings zur Seite gedrängt. Fit, jung und unverwundbar sind die Themen der Zeit. Doch in Hamm ist das anders.

    Seit vielen Jahren gab es die sogenannte Totenfrau. Was früher in vielen Gemeinden Tradition hatte, ist den Hammern bis heute wichtig. Vor ziemlich genau 10 Jahren wurde Ingrid Kaller vom damaligen Ortsbürgermeister Volker Luckas und dem evangelischen Pfarrer Thomas Höppner-Kopf angesprochen, ob sie dieses Amt übernehmen wolle.

    Da Ingrid Kaller schon lange in der Hospizarbeit aktiv war, hatte sich bei ihr ein ganz eigenes Bild dieser Aufgabe entwickelt. „Ins Leben holt uns eine Hebamme und ich möchte den Sterbenden oder den Verstorbenen eine Sterbeamme sein.“, so ihr Anspruch. Sie absolvierte eine Ausbildung zur Sterbeamme. Seitdem können Menschen, die krank sind oder die Hinterbliebenen sich bei ihr melden. Nicht nur aus Hamm.

    Auf die Frage was eine Sterbeamme eigentlich macht, lächelt sie und erklärt, dass es zu ihren Aufgaben gehört, den Sterbenden das Hinübergleiten leichter zu machen und den Angehörigen Stress zu nehmen. Sie ist nicht nur für die Verstorbenen da, sondern auch für die Hinterbliebenen, denen sie zu einem friedvollen Abschied verhilft.

    Mit Herz und Know-How

    Jeder, der schon einmal einen Angehörigen verloren hat, weiß wie hilflos man sich in den ersten Stunden und Tagen fühlt. Gerne leitet Ingrid Kaller mit Herz und Know-How die Hinterbliebenen an, um beispielsweise die Kleidung auszuwählen, bei der Waschung oder dem Ankleiden behilflich zu sein. Sei es mit Ritualen oder kleinen Zeremonien, die sie Totenfürsorge nennt. Sie kümmert sich um die Verstorbenen genauso wie um die Trauernden.

    Des Weiteren ist sie das Bindeglied zur Ortsgemeinde, hat Zugang zur Trauerhalle, die sie auf Wunsch auch gerne mit den Angehörigen für das letzte Fest schmückt. „Aktive Beteiligung der Trauernden beim Abschied nehmen, dass hilft vielen“, sagt sie.

    Außerdem kennt sie sich mit vielen Dingen aus, die den Hinterbliebenen meist fremd sind. So können im Krankenhaus Verstorbene nach Hause geholt werden und 36 Stunden bleiben. Die Angehörigen können sogar im Krematorium bei der Einäscherung dabei bleiben, die Urne kann von Hinterbliebenen getragen werden. Es viele Dinge, die Angehörige nicht wissen. Die Sterbeamme weiß darum.

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