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Sa., 15. Juli 2023, 09:05 Uhr
RHEINHESSEN: Bauern- und Winzerverband erwartet unterdurchschnittliche Getreideernte
Trockenheit und Hitze verhindern bessere Erträge
Störche klappern ein Pfeddersheimer Feld ab. Im Hintergrund sorgen zwei Großflächenregner für die notwendige Bewässerung eines weiteren Feldes. Foto: Robert Lehr
Von Florian Helfert › „Erneut hängen Ertrag und Qualität in der Getreideernte im südlichen Rheinland-Pfalz sehr stark von der Bodengüte und den lokalen Sommerniederschlägen ab“, informiert der Bauern- und Winzerverband Rheinland-Pfalz Süd e.V. (BWV). Nach einem aussichtsreichen Frühjahr mit flächendeckenden Niederschlägen und kühlen Temperaturen, ließ die Trockenheit ab Mitte Mai im Zusammenspiel mit hohen Temperaturen und viel Wind die Hoffnungen auf eine bessere Ernte schwinden. BMV-Präsident Eberhard Hartelt geht daher von einer unterdurchschnittlichen Ernte aus.
Verbandsmitglieder berichteten von sehr heterogenen Ernteergebnisse, die sich teilweise sogar in Nachbargemeinden erheblich unterscheiden. Insgesamt lasse sich aber beobachten, dass Kulturen, die im Herbst gesät und früh geerntet wurden, besser mit dem zweigeteilten Witterungsverlauf zurechtkamen als beispielsweise spätreifender Winterweizen oder im Frühjahr gesäte Sommergerste. Damit bestätige sich ein Trend der vergangenen Jahre, der die Landwirte im Land über das künftige Anbauspektrum und mögliche Fruchtfolgen nachdenken lasse.
Regen fehlt in wichtiger Wachstumsphase
Mit der Bilanz der Futtergerste und dem Raps sind die Betriebe nach Verbandsangaben großteils zufrieden, während im Bereich der Braugersten vielfach die geforderten Qualitätsparameter nicht erreicht werden konnten. Beim bisher geernteten Winterweizen gebe es eine breite, standortabhängige Streuung und das fehlende Wasser in der entscheidenden Wachstumsphase mache sich durch schwächere Erträge deutlich bemerkbar.
Viehhaltende Betriebe konnten auf den Grünlandflächen einen sehr guten ersten, vielfach auch einen zweiten Grasschnitt einholen. Auch der Heuschnitt war gemäß dem Bauern- und Winzerverband hochwertig – allerdings gab es anschließend so gut wie kein Wachstum mehr auf den Wiesen. Wie sich die Futtersituation entwickelt, werde daher auch maßgeblich vom Mais abhängen. Dieser sei aber aufgrund der oftmals späteren Aussaat und fehlender Niederschläge in der Entwicklung zurück und benötige kurz vor der Blüte dringend Wasser, damit es nicht zu größeren Ausfällen komme.
Auch die Zuckerrüben, die insgesamt noch gut stehen, bräuchten Regen, um das fehlende Wachstum nachzuholen.
Zahlen bestätigen Trockenheit und Hitze
Fehlender Regen bei gleichzeitig überdurchschnittlich hohen Temperaturen bestätigt auch die Bundesbehörde Deutscher Wetterdienst (DWD) nach ersten Auswertungen ihrer Messstationen für Rheinland-Pfalz:
Der Wonnemonat Mai war mit einer Monatsmitteltemperatur von 13,6 Grad Celsius (12,2 °C) laut der Bundesbehörde wärmer als normal. In der Monatsbilanz regnete es mit 50 Liter pro Quadratmeter (70 l/m²) im Vergleich zu wenig.
Mit 19,7 Grad Celsius war der Folgemonat Juni gegenüber 1961 bis 1990 (15,3 °C) außergewöhnlich warm. Nach vorläufigen Prognosen des DWD liegt er sogar auf Platz 2 nach 2003. Mit einer sehr geringen Niederschlagsmenge von 30 Liter pro Quadratmeter (76 l/m²) war es der trockenste Juni seit voraussichtlich 1993.