Der türkische Botschafter besuchte am Mittwoch die Nibelungenstadt und diskutierte mit Vertretern aus Politik und Wirtschaft
Türkischer Amtsträger zu Gast in Worms
Hoher Besuch in Worms. Von links: OB Michael Kissel, Botschafter Hüseyin Avni Hüseyin und MdB Marcus Held. Foto: Gernot Kirch
Von Gernot Kirch Pünktlich um 10.30 Uhr fuhr am Mittwoch der Dienstwagen des türkischen Botschafters in Berlin, Hüseyin Avni Karslioglu, am Wormser Rathaus vor und Oberbürgermeister Michael Kissel begrüßte den Gast. Organisiert und in die Wege geleitet wurde die Visite in der Nibelungenstadt durch den Bundestagsabgeordnete Marcus Held (SPD). Im Vordergrund der Gespräche stand der politische und gesellschaftliche Dialog, aber auch wirtschaftliche Fragestellungen standen auf dem Programm.
Begrüßung durch OB Kissel
Oberbürgermeister Michael Kissel verwies in seinen einleitenden Worten auf die Bedeutung der türkischen Mitbürger, die in den 1950er dun 1960er Jahren als sogenannte Gastarbeiter in die Nibelungenstadt kamen und einen maßgeblichen Anteil am Wirtschaftswachstum hatten. Heute verfügten rund zehn Prozent der Wormser Bevölkerung über türkische Wurzeln. Inzwischen gebe es auch zahlreiche türkischstämmige Unternehmer in Worms, die einen wichtigen Beitrag zum ökonomischen Erfolg beisteuerten. Hier nannte er besonders die Firma „Kobil Systems GmbH“, deren Inhaber Ismet Koyun bei dem Empfang im Rathaus anwesend war. Im Anschluss an den Termin im Rathaus besuchten der türkische Botschafter sowie Michael Kissel dun Marcus Held die Firma Mobil.
Gemeinsame Aufgaben
Im weiteren Verlauf seiner Rede sagte der Wormser Oberbürgermeister, dass er sich primär zur Kommunalpolitik und nicht zu außenpolitischen Themen äußere. Daher sprach er nur kurz an, dass es zu einigen politischen Themen durchaus unterschiedliche Auffassungen in beiden Lädnern gebe, betonte aber in erster Linie die Wichtigkeit der Partnerschaft mit der Türkei. Und dies besonders im Hinblick auf die Flüchtlingsproblematik. Hier brachte der Stadtchef seine Erleichterung zum Ausdruck, dass es einen "Flüchtlingsgipfel" mit Vertretern der 16 Bundesländer und der Kanzlerin gebe, wie die große Zahl an Asylbewerbern zu bewältigen sei. OB Kissel mahnte hier die europäische Solidarität an und sagte: "Wenn es nicht gelingt gemeinsam die Herausforderung zu bewältigen, steht Europa vor einer echten Sinnkrise."
Türkische Partnerstadt
Zum Abschluss seiner Rede betonet Michael Kissel, dass die Integration der ausländischen Mitbürger und Zuwanderer eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe sei. Zur Vertiefung der Freundschaft mit der Türkei und ihrer Bewohner stellte der Wormser Oberbürgermeister eine Städtepartnerschaft mit einer türkischen Kommune in Aussicht. Ebenso wie Verbindungen zu weiteren Ländern. Der Stadtchef nannte hier keine Staaten, aber bereist seit langem wünschen sich viele Bürger solche Partnerschaften zu Kommunen in Polen und in die Ukraine, um die Völkerfreundschaft und Verständigung noch mehr zu vertiefen.
Wirtschaftsbeziehungen
Marcus Held (SPD) hob die Bedeutung der Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und der Türkei hervor. So sei Deutschland der größte Handelspartner der Türkei. Andererseits würden jedes Jahr rund fünf Millionen Deutsche ihren Urlaub in der Türkei verbringen.
Herausforderung Südostasien
Der türkische Botschafter Hüseyin Avni Karslioglu erzählte, dass er als Kind über vier Jahre mit seinen Eltern in Deutschland gelebt habe. Er kenne das Land daher gut und sei als Botschafter gerne hierher zurückgekommen. Seine Kindheit habe ihn geprägt. Im weiteren Verlauf betonte der Botschafter, dass Deutschland und di Türkei "in einem Boot" sitzen und die anstehenden Aufgaben gemeinsam bewältigen müsse. Er setze sich für die tiefe Freundschaft zwischen beiden Staaten und den Menschen ein. Als eine ganz zentrale Zukunftsfrage nannte er die ökonomische Herausforderungen durch Südostasien, also etwa China, die wirtschaftlich Akzente setzten.