
„60 Sekunden Perfektion!“ Dies verspricht eine Dokumentation der ARD über die deutsche Turnerin Elisabeth „Eli“ Seitz. Die 31-jährige Frau aus Heidelberg besticht in ihrer fast zwei Jahrzehnte andauernden Karriere als national und international herausragende Kunstturnerin aber nicht allein ob dieser einen Minute Perfektion am Stufenbarren, auf dem Schwebebalken, beim Sprung oder auf dem Boden. Es ist ihr Frohsinn, ihre lebensbejahende Art, ihre Empathie gegenüber ihren sportlichen Konkurrentinnen, gegenüber ihren Fans und nicht zuletzt die Freude, die sie ganz offenkundig in ihrem Sport Turnen ausstrahlt, die Eli Seitz zu einem Vorbild vieler Generationen junger Turnerinnen und junger Turner machte und nach wie vor macht.
Kaum jemanden wunderte es folglich, dass Elisabeth Seitz jüngst erst beim Internationalen Deutschen Turnfest in Leipzig, zugleich der Austragungsort der Europameisterschaften 2025, als Botschafterin des Turnsports agierte. Was viele jedoch wunderte, war ein Statement der allerorts geschätzten jungen Sportlerin, das nicht allein bei ihr manche bittere Träne verursachte. Die Europameisterin und WM-Dritte am Stufenbarren, 26-fache deutsche Rekordmeisterin, verkündete Ende Mai ihren Rücktritt vom Leistungssport. Der Grund dafür ist jedoch ein schöner: Elisabeth Seitz wird Mutter.
Nach einem Urlaub der jungen Frau aus der Rhein-Neckar-Region, die in Altlußheim als Kind lebte, in Mannheim aufs Gymnasium ging, aktuell als Stabsunteroffizier bei der Sportfördergruppe der Bundeswehr aktiv ist und seit 2018 Sport und Englisch auf Lehramt an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg studiert, stellt die Rheinspring- & Blobbing WM 2025 den ersten (sportlichen) Auftritt von Elisabeth Seitz nach dem Abschied vom aktiven Sport dar. Die Turnlegende übernimmt die Schirmherrschaft für die fünfte Auflage des schon als kultig zu bezeichnenden Sport-, Party- und Fun-Events in der Sportstadt Worms. Eingebunden in das Wormser Floßhafenfest 2025 geht es hoch her beim Mega-Event vom 20. bis 22. Juni. Der Nibelungen Kurier sprach mit der deutschen Rekord-Turnerin über die drei tollen Tage in der Nibelungenstadt.
Das Interview mit Elisabeth Seitz wird präsentiert vom Nibelungen Kurier, dem Medienpartner der Veranstaltung.
NK: Frau Seitz, gut 15 Jahre die „Front-Frau“, das Aushängeschild, ein Turn-Idol des Deutschen Turnsports. Wie fühlt es sich an, nun nicht mehr „aktiv“ zu sein?
Elisabeth Seitz: Es fühlt sich komisch an. Mein Leben lang habe ich geturnt. Das war immer meine Leidenschaft. Ich brauche wohl etwas Zeit, das richtig zu fühlen.
NK: Sie sind als Heidelbergerin ein Kind der Rhein-Neckar-Region. War die WM-Qualifikation 2019 in Worms kurz vor der WM in Stuttgart etwas Besonderes für Sie?
Elisabeth Seitz: Natürlich, denn meine Familie wohnt in Edingen und Deidesheim. Irgendwie war das wie ein familiärer Ausflug. Das kann ich mir für das Rheinspringen auch wieder gut vorstellen.
NK: Sie werden Mutter. Beginnt ein komplett neuer Lebensabschnitt für Sie oder bleiben Sie dem Turnsport treu?
Elisabeth Seitz: Ich kann mir gut vorstellen, beruflich als Lehrerin zu arbeiten. Ich möchte aber auch dem Turnsport erhalten bleiben. Etwa als TV-Expertin wie bei Olympia 2024 in Paris. Ich habe viel gelernt im Turnen, kann sehr viel zurückgeben. Da bin ich aktuell sehr offen. Training in Vereinen, Erlebnis-Camps, Motivations-Vorträge – all das sind nur einige der Wege im Turnsport, die ich beschreiten möchte.
NK: Was halten Sie von Fun-Sport-Events wie der Rheinspring- & Blobbing WM, bei denen neben den sportlichen Leistungen der Spaß nicht zu kurz kommt?
Elisabeth Seitz: Ich finde, dass der Leistungssport sich sehr viel von solchen Events abschauen kann. Sich selbst feiern, Sport feiern, gemeinsam Sport erleben und feiern – das ist doch die Quintessenz allen Sports.
NK: Haben Sie lange überlegen müssen, um die Rolle als Schirmherrin einzunehmen?
Elisabeth Seitz: Ich habe sofort zugesagt. Na ja, nicht ganz sofort, erst habe ich mir ein paar Videos auf der Homepage zum Rheinspringen angeschaut. Ich war total geflasht und begeistert. Ich habe gleich gesehen, dass das mitnimmt und perfekt zu mir passt.
NK: Beim Blobbing werden Sie als Sprungrichterin und Co-Kommentatorin zum Einsatz kommen. Erfahrungen diesbezüglich?
Elisabeth Seitz: Ich denke, ich werde das hinbekommen. Es sind viele turnerische Elemente dabei, die ich gut beurteilen kann.
NK: Sie waren 2023 als Botschafterin des Deutschen Olympischen Sportbundes unterwegs. Bleiben Sie als vierfache Olympia-Teilnehmerin Olympia treu?
Elisabeth Seitz: Ja, ich hoffe sehr, bei Olympia 2028 in Los Angeles (USA) dabei zu sein. Am liebsten als TV-Expertin.
NK: Worms ist durch die Nibelungen und die Nibelungen-Festspiele bekannt. Wären Sie vor dem Wormser Dom gerne mal dabei?
Elisabeth Seitz: Ich hatte bisher wegen meines Sports nie Zeit. Vielleicht lädt mich ja ein Wormser dazu ein (lacht). Dann würde ich mir die Nibelungen gerne einmal anschauen.
NK: Worauf freuen Sie sich beim Besuch in Worms am Floßhafen ganz besonders?
Elisabeth Seitz: Ich bin gespannt auf die vielen Kunststücke auf der Schanze und beim Blobbing. Außerdem freue ich mich auf meine Rolle als „Ex-Turnerin“, denn nun kann ich den Sport einfach einmal genießen, als sportlich glänzen zu müssen. Sommer, Sonne, Wasser, turnen – passt!