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  • Mi., 03. Juli 2019, 12:34 Uhr
    Ausstellung zur Bedeutung Martin Luthers im Nationalsozialismus eröffnet

    Überall Luthers Worte

     Die Ausstellung wird in der Wormser Dreifaltigkeitskirche gezeigt. Foto: Yvonne Schnur


    „Wir müssen uns mit den Schatten unserer Vergangenheit auseinandersetzen, das gehört zu unseren Aufgaben als Christen – gerade in Zeiten, in denen der Antisemitismus neu entflammt.“ Mit diesen Worten wandte sich Stadtkirchenpfarrer Dr. Achim Müller an die Besucher, die der Einladung zur Vernissage in die Wormser Dreifaltigkeitskirche gefolgt waren. Die Ausstellung „Überall Luthers Worte“ zur Rolle von Martin Luther während des Nationalsozialismus ist in der Kirche am Marktplatz noch bis zum Sonntag, dem 18. August, zu sehen. 

    Konzipiert wurde die Ausstellung „Überall Luthers Worte“ von der Stiftung Topographie des Terrors und der Gedenkstätte Deutscher Widerstand in Berlin anlässlich des Lutherjahres 2017. Auf Initiative des Evangelischen Dekanats Worms-Wonnegau und in Kooperation mit der Gedenkstätte KZ Osthofen wurde die Wanderausstellung nach Worms geholt und ist noch bis zum Sonntag, dem 18. August, in der Dreifaltigkeitskirche zu sehen. 

    Verbindung zwischen Hitler und dem großen Reformator

    Im Mittelpunkt des Abends stand ein Vortrag von Dr. Ulrich Oelschläger, Präses der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) sowie Lutherbeauftragter der Stadt Worms, der darüber aufklärte, wie die Nationalsozialisten Martin Luthers Überlieferungen für ihre Zwecke einsetzen. Ein Gesangbuch für die Kriegsmarine von 1940, diente Oelschläger als erstes Beispiel. Gleich zu Beginn ist das Lutherzitat zu lesen: „Eine feste Burg / ist unser Gott / eine gute Wehr / und Waffen“ - flankiert von Reichsadler, Frakturschrift und Hakenkreuz. Auch an anderer Stelle stößt man auf die konstruierte Verbindung zwischen Hitler und dem großen Reformator: Auf einem Gottesdienstblatt zur Konfirmation 1940 in Oppenheim, fand der Referent Zitate von Hitler, Luther und Christus – „ein merkwürdiger“ Dreiklang, wie Oelschläger anmerkte. Hitler selbst machte keinen Hehl daraus, die Kirche für seine Absichten einsetzen zu wollen; auf einem Plakat der Ausstellung prangt unübersehbar folgendes Zitat des sogenannten Führers: „Wir halten die Kräfte des Christentums unentbehrlich für den sittlichen Wiederaufstieg des deutschen Volkes.“

    Die Kirche war hinsichtlich der nationalsozialistischen Ideologie gespalten: Während die „Deutschen Christen“ der Weltanschauung der Nationalsozialisten folgten, leisteten die Mitglieder der „Bekennenden Kirche“ Widerstand. Bisweilen waren es symbolische Akte, wie etwa das Glockengeläut des Doms anlässlich einer Wahlkampfkundgebung der NSDAP in Königsberg, das seitens der Kirche verweigert wurde und das Joseph Goebbels deshalb in die Rundfunkübertragung per Schallplatte einspielen ließ. Neben solch anekdotischer Ereignisse informierte Oelschläger auch über die Ereignisse zu jener Zeit in Worms: „Der Widerstand gegen die Nazis kam vor allem aus den Kirchengemeinden.“ Vor allem die Luthergemeinde unter der Leitung von August Eckhardt habe sich als „Bekennende Kirche“ hervorgehoben, informierte Oelschläger die Zuhörer. 

    Luthers Antijudaismus

    „Luther war Antijudaist, weil die Juden seiner Auslegung des Alten Testaments nicht folgten. Er lehnte ihre Religion ab, aber er war kein Antisemit“, wenn auch gewisse Frühformen des Antisemitismus erkennbar sind,  konstatierte Oelschläger am Ende seines Vortrages. Luthers Antijudaismus sei gleichwohl eine Seite, die Viele nicht kennen oder mögen, doch auch damit müsse man sich heute auseinandersetzen, schloss der Referent.

    Einen eindrucksvollen Kommentar lieferte im Anschluss an den Vortrag von Dr. Ulrich Oelschläger Dekanatskantorin Ellen Drolshagen. Mit ihrer Interpretation von „Ein feste Burg“ spiegelte sie musikalisch das Gehörte und verfremdete die bekannte Melodie des Lutherliedes, ließ die bekannten Harmonien nahezu bedrohlich wirken.

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