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  • Fr., 09. Oktober 2026, 20:59 Uhr
    ADFC Worms: Aufruf zur Beteiligung bei aktuellem Fahrradklimatest bis Ende November / Maßnahmen sind zwar beschlossen, aber deren Umsetzung dauert

    Umweltverbund aus Fuß, Rad & ÖPNV attraktiver machen!

    Über eine starke Beteiligung am Fahrradklimatest würde sich Günter Niederhöfer freuen: „Nur so haben wir die Chance auf Veränderungen“.
    Archivfoto: Robert Lehr

    Von Robert Lehr › „Vielleicht ist bei vielen Wormserinnen und Wormsern wegen des Backfischfestes, den hiesigen OB- oder sonstigen Wahlen sowie den vielfältigen aktuellen politischen Diskussionen der Fahrradklimatest in Vergessenheit geraten“, wundert sich Günter Niederhöfer angesichts der bislang äußerst geringen Beteiligung an der bundesweiten Befragung, die alle zwei Jahre durchgeführt wird. Mit mehr als 213.000 Teilnehmenden im Jahr 2024 sei sie doch die wahrscheinlich größte in ganz Deutschland.

    „Im Jahr 2024 hatten wir rund 360 Mitwirkende, das wären fünf Prozent mehr als zwei Jahre zuvor. Bei der aktuellen zwölften Auflage des Tests sind es bislang nicht mal ein Drittel an Beteiligten“, zeigt der 1. Vorsitzende des ADFC Worms sich enttäuscht von der Beteiligung.

    Für Niederhöfer ein Anlass, alle Fahrradfahrenden und die, die es werden wollen oder aus verschiedenen Gründen noch nicht sind, durch ihre Beteiligung auf die Gestaltung des Radverkehres in Worms Einfluss zu nehmen. Der Fahrradklimatest laufe bereits seit dem 1. September und noch bis Ende November habe man die Möglichkeit, „sich einfach und online daran zu beteiligen“, gibt er seiner Hoffnung Ausdruck, dass die Beteiligung noch ansteigt, „Nutzen Sie die Möglichkeit, Worms in Sachen Fahrradklima zu bewerten!“

    Noch „ausreichend“

    Günter Niederhöfer erinnert neben der vormals höheren Beteiligung aber auch an die damaligen Ergebnisse. Demnach habe Worms 2024 eine Gesamtnote von 4,2 erreicht und sei damit auf Platz 84 von 113 Städten mit 50.000 bis 100.000 Einwohnern gelandet, einem ähnlichen Ergebnis wie 2022. „Worms würde also in der Schule mit ,noch ausreichend’ bewertet“, zeigt sich Niederhöfer enttäuscht. „Können wir damit zufrieden sein? Sicherlich nicht!“.

    Dabei erinnert Fahrrad-Lobbyist Niederhöfer daran, dass man eigentlich annehmen sollte, dass sich das Fahrradklima in Worms kontinuierlich verbessere. Denn schließlich gebe seit Jahren einen Arbeitskreis Radwege, auch im Bau- und Mobilitätsausschuss wie im Stadtrat sei das Thema „Rad“ immer wieder auf der Agenda. Dort seien zwei neue Radwege beschlossen worden: Der inzwischen realisiert Radweg am Eisbach sowie der von Pfeddersheim nach Pfiffligheim. Dieser befinde sich kurz vor der Umsetzungsphase.

    Nach langjährigen Diskussionen hat man sich jetzt auf die Route der Fahrradverbindung zwischen Pfeddersheim und Pfiffligheim geeinigt. U.a. hier soll der neue Weg dann ausgebaut vorbeiführen.
    Foto: R. Seltmann

    Maßnahmenbündel jetzt auch umsetzen!

    Zudem gebe es seit gut drei Jahren eine Vollzeitstelle bei der Stadtverwaltung, die sich ausschließlich mit dem Thema Rad(-wege) beschäftige. Vor einigen Jahren habe auch ein Planungsbüro an einem innerstädtischen Verkehrskonzept gearbeitet. 

    „In der Zwischenzeit gibt es ein Bündel von Maßnahmen, einige sind durch Ausschüsse und Stadtrat ,abgesegnet’“, freut sich Niederhöfer. Die Umsetzung „läuft allerdings schleppend an“.

    Das liege allerdings teilweise daran, dass man diese Maßnahmen mit Sanierungsmaßnahmen der Straßen verbinden wolle. Aber auch die Auswirkungen der B47 neu auf die innerstädtische Verkehrsentwicklung wolle man abwarten. So verzögere sich die Umsetzung positiver Maßnahmen für den Radverkehr immer wieder. „Die Planungen stehen zumindest in großen Teilen, aber beim Radler/der Radlerin ist da leider noch wenig, teilweise nichts angekommen“.

    Hauptfaktoren Sicherheit und Komfort

    Aus zurückliegenden Fahrradklimatest-Ergebnissen sei bekannt, dass zwei Kriterien ausschlaggebend seien, ob man häufiger mit dem Rad fährt oder doch lieber das Auto nutzt: „Die gefühlte Sicherheit im Straßenverkehr und der ,Komfort’ der Wege“.

    Es seien laut Niederhöfer die Bewertungen zum Sicherheitsgefühl, das Fahren im Mischverkehr und an Baustellen, die Breite der Radwege und die Falschparker auf Radwegen, Schutzstreifen und Radstreifen, die fast mit mangelhaft oder mangelhaft in Worms benotet würden.

    Aus Sicht der an der Befragung Teilnehmenden „ändert sich hier wenig oder nichts!“

    Verwaltung oftmals „machtlos“

    Aber Günter Niederhöfer zeigt auch Verständnis für Entwicklungen, denen sich die Verwaltung gegenüber „machtlos“ zeigt. Der motorisierte Verkehr nehme hier wie bundesweit immer weiter zu. Es gebe fast so viele Fahrzeuge wie Wormser, „vom Säugling bis zum Greis“. Daher komme es auch häufiger zu Konflikten mit dem Kfz – auch weil die Zahl der Radfahrenden durch die steigende Zahl der Pedelecs zunehme.

    Ein weiteres Problem sei, dass Radfahrende trotz Schutzstreifen gerade bei hohem Verkehrsaufkommen gefährlich „eng“ und häufig viel zu schnell überholt würden, und das selten mit dem innerorts vorgeschriebenen Abstand von 1,5 m. Zu häufig seien die Radwege und damit deren Breite und Oberfläche alt oder veraltet und warteten auf die Sanierung der jeweiligen Straßen.

    „Bekannt ist das alles seit Jahren bei den Verantwortlichen in der Verwaltung und dem Stadtrat“, betont Niederhöfer. Aber es seien „durchaus einige wichtige Verbesserungen in der Pipeline“. Darüber hinaus denke man über eine reduzierte Geschwindigkeit in der gesamten Innenstadt nach.

    „Heilige Kühe“ schlachten?

    Auch über frühere „heilige Kühe“, einem Durchfahrtsverbot der Stephansgasse, Petersstraße und am Marktplatz werde zumindest nachgedacht, bleibt Niederhöfer optimistisch. Unter anderem sei die dortige Ampelanlage zugunsten der Fußgänger modifiziert worden, die 30-km-Regelung sowie der Schutzstreifen zur Vermeidung von Unfällen beim Öffnen von Autotüren in der Andreasstraße umgesetzt. Das alles sei „lobenswert“.

    „Aber die ,Umsetzungs-Pipeline’ ist weiterhin ziemlich verstopft“, resümiert Niederhöfer. Verbesserungen für die betroffenen Radlerinnen und Radler seien häufig kaum spürbar, „nicht zuletzt wegen der angespannten Haushaltslage“, denn alles, was sich ums Rad drehe, seien freiwillige Leistungen. Und dann müsse auch entschieden werden, „was, wie und wann umgesetzt werden soll“. Hier seien Verwaltung und Stadtrat gefordert.

    Und wenn dann etwas entschieden sei, dauere es, bis Fördergelder beantragt und genehmigt sind und endlich „nach Jahren auch etwas spürbar, fühlbar und erlebbar umgesetzt wird“.

    So verwundere es also nicht, wenn die Wormser Bürgerinnen und Bürger das Gefühl hätten, es täte sich zu wenig in puncto Sicherheit und Komfort. Der Verkehr, auch der in Worms, sei für ca. 20 Prozent der Treibhausgasemissionen verantwortlich seien. „Dieses Jahr zeigen uns die Auswüchse des Klimawandels mit extremer Hitze und Trockenheit und mehr als 1.600 Hitzetoten in Rheinland-Pfalz, wie dessen negative Folgen für uns alle spürbar sind“.

    „Wollen wir das Ziel der Klimaneutralität 2045 auch nur spürbar anpeilen, dann müssen den Ideen Taten folgen, auch beim Sektor Verkehr“, betont Günter Niederhöfer, „wir müssen den Umweltverbund aus Fuß, Rad und ÖPNV auch in Worms attraktiver machen und zwar schnell, sehr schnell“.

    Weitere Infos und Teilnahme unter https://fkt.adfc.de/befragung

     

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