So., 30.08.2026
Die Gratiszeitung für Worms und das Nibelungenland
  • Startseite
  • Sport
  • Termine
  • Stellenmarkt
  • Mo., 29. Dezember 2014, 18:00 Uhr
    Tobias Schäfer: „kein guter Stil sachlicher Auseinandersetzung“!

    …und hier die Antwort des Dompropstes

    Sehr geehrter Herr Weiß,

    Ich habe Ihr Schreiben erhalten und möchte Ihnen umgehend antworten. Ich muss allerdings sagen, dass ich es für keinen guten Stil sachlicher Auseinandersetzung halte, dass Sie Ihr Schreiben zeitgleich und direkt an als „Offenen Brief“ an die Presse gegeben haben. Ich hätte es begrüßt, wenn Sie uns zunächst Gelegenheit gegeben hätten, Ihnen, gerne auch in einem persönlichen Gespräch, auf ihre Bedenken und Einwände zu antworten. So werden Sie aber sicher Verständnis haben, wenn ich nun auch meinerseits mein Antwortschreiben ebenso unmittelbar an die von Ihnen bereits informierten Presseorgane weitergebe.

    Sie schreiben, dass Sie unseren Plan, das Haus am Dom an der vorgeschlagenen Stelle zu bauen, ablehnen, weil Sie das Argument, dass der Dom an dieser Stelle über 800 Jahre hinweg bebaut war, nicht überzeugt. Umgekehrt kann ich hier nur wie schon wiederholt darauf verweisen, dass uns gerade Fachleute aus der Denkmalpflege immer wieder ermutigt haben, das geplante Haus an genau diese Stelle zu setzen. So schreibt etwa der Landeskonservator des Landes Rheinland-Pfalz, Dr. Joachim Glatz im Blick auf den geplanten Entwurf: „Zugleich wird die unbefriedigende, letztlich durch Zerstörung und Abbruch entstandene Situation im Süden des Domes in Anlehnung an die historischen Vorgaben geordnet. Die Neubauten in Verlängerung der Flucht der Nikolauskapelle führen den Besucher zum Südportal, dem Hauptzugang des Domes.“ Und weiter schreibt er zum geplanten Entwurf: „Maßstäblichkeit und Materialwahl bzw. Gestaltung gewährleisten eine gute Einfügung in den baulichen Kontext im Schatten des Domes“. Das betrifft vor allem auch die von Ihnen angeschnittene Frage nach der Höhe des geplanten Baus, der eben in seiner Maßstäblichkeit auch zum Dom und zur Nikolauskapelle passen muss.

    Ähnlich deutlich formuliert das der Präsident des Landesamtes für Denkmalpflege des Landes Hessen, Prof. Gerd Weiß, der zugleich Beauftragter für das Weltkulturerbe ist und damit auch auf die Befürchtung reagiert, der geplante Neubau könne eine Aufnahme des Domes in die Liste des Weltkulturerbes gefährden: „Der jetzt vorgesehene Standort des Hauses am Dom war über viele Jahrhunderte eine bebaute Fläche. Ein Neubau an dieser Stelle stellt insoweit einen historischen Zustand wieder her und gibt der unstrukturierten Freifläche auf der Südseite des Doms eine historisch begründete städtebauliche Neuordnung. Der ehemalige Kreuzgangbereich wird durch diese Maßnahme aufgewertet. Der heute gewohnte freie Blick auf die Südseite hat deshalb keine Relevanz für eine mögliche Antragstellung als Weltkulturerbe.“ Nun dürfen Sie freilich eine andere Meinung und Überzeugung vertreten wie die genannten Fachleute, das ist ihr gutes Recht;  aber wenigstens sollte in einer sachlichen Auseinandersetzung um die Frage des rechten Standortes doch auch anerkannt werden, dass man aus guten Gründen auch zu der Überzeugung kommen kann, dass sich der geplante Standort sehr wohl für den Bau eignet, wenn nicht gar anbietet.

    Ihre Befürchtung, der geplante Baukörper werde Veranstaltungen auf dem Domplatz negativ beeinträchtigen, kann ich nun gar nicht teilen. Was konkret das Turmblasen anbelangt: Der süd-westliche Turm, von dem aus das Turmblasen traditionell stattfindet, wird den geplanten Bau weit überragen und in keiner Weise  beeinträchtigen. Der Domplatz wird nach Vollendung des Hauses komplett und im selben Umfang wie eh und je zur Verfügung stehen; das im Haus geplante kleine Café und das haus insgesamt kann im Gegenteil zum Aufwärmen für den einen oder anderen Besucher ein zusätzlicher Anlaufpunkt werden: ich kann daher beim besten Willen nicht erkennen, wieso das traditionelle Turmblasen, wie Sie befürchten „deutliche Einbußen“ erleiden sollte. In den Zeitungsberichten über das diesjährige Turmblasen war nicht zu erkennen, dass es in diesem Jahr Einbußen gegeben hätte, obwohl Gegner des Hauses im Vorfeld wiederholt öffentlich darauf hingewiesen haben, dass durch den Bauzaun auf dem Domplatz die Atmosphäre für das Turmblasen zerstört sei. Interessant fand ich persönlich in diesem Zusammenhang auch Presseberichte, die darauf hinwiesen, dass die - seinerzeit ebenso umstrittenen „Domterrassen“ – heute ganz selbstverständlich von den Besuchern des Turmblasens einbezogen sind, ja das viele diese als Aussichtsplattform nutzten.

    Was die Unterstützung durch die Domgemeinde betrifft, die Sie ebenfalls ansprechen: wir haben das Turmblasen in der Tat von Anfang an unterstützt und werden das uneingeschränkt auch weiterhin tun. Ich bin sicher, die Veranstalter des Turmblasens, die Kultur- und Veranstaltungs GmbH Worms, wird Ihnen bestätigen, dass wir auch in diesem Jahr diese Veranstaltung wie gewohnt nach Kräften unterstützt haben. Uns hier, wenn auch nur andeutungsweise zu unterstellen, dass wir das künftig nicht mehr tun wollen oder das wir hier "andere Signale" senden würden, weise ich ausdrücklich und entschieden zurück.

    Dass es in diesem Jahr durch den Bauzaun und den dadurch abgesperrten Bereich zu Einschränkungen gekommen ist, tut uns leid, ist aber unvermeidlich - und wäre es im Übrigen auch, wenn das Haus an anderer Stelle gebaut würde. Dass wir die Maßnahme ausgerechnet in der Adventszeit beginnen mussten, hat, wie wir auch öffentlich informiert haben, allein damit zu tun, dass für die ab Januar terminierten archäologischen Grabungsarbeiten die Baustelle eingerichtet und vorbereitet werden musste. Es ist daher auch nicht auszuschließen, dass auch im nächsten Jahr durch noch laufende Baustellenarbeiten Einschränkungen möglich sind. Eine Baustelle, wo immer sie sich befindet, bedeutet immer Einschränkungen. Bei der Veranstaltungsdichte in Worms wird sich leider keine Zeit finden lassen, um ein Bauprojekt in dieser Größenordnung durchzuführen, ohne dabei auch Veranstaltungen zu tangieren.  Hier müssen wir einfach um Verständnis bitten, wenn es während der Bauphase zu Einschränkungen kommen kann und wird. Hierfür werden sich aber mit etwas gutem Willen auch akzeptable Lösungen finden lassen.

    Ich möchte aber noch einmal betonen, dass nach Abschluss der Baumaßnahme der Domplatz in vollem Umfang wieder zur Verfügung stehen wird und, wie bereits gesagt, dann durch das Haus sogar neue Möglichkeiten bietet, die das Turmblasen wie auch andere Veranstaltungen nach meiner Überzeugung auf diesem Platz nicht einschränken, sondern möglicherweise sogar noch attraktiver machen können, weil es neue Chancen und Möglichkeiten bietet.

    Mit freundlichen Grüßen

    Tobias Schäfer, Propst am Dom

    Beitrag aus der Rubrik

    » Aus dem Nibelungenland
    » Worms und Ortsteile
    Anzeige Reifen Mast KN10123Anzeige Platten NOLLAnzeige Online StellenmarktAnzeige VHS
    Anzeige Cecil Cycle KN18256Anzeige das WormserAnzeige Ticketshop
    Anzeige Klinikum Worms - Tag der offenen TürAnzeige AmtsblattAnzeige Tip Südhessen