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  • So., 07. Mai 2017, 22:53 Uhr
    Aufruf der Elterninitiative „Mother Hood e.V.“ folgten rund 300 Teilnehmer / Hebammenproblematik wird ernst genommen

    „Und täglich grüßt der Klapperstorch…!”

    Ein voller Erfolg war der Aufruf der Elterninitiative Motherhood am Samstag, die auf die aktuelle Hebammenproblematik aufmerksam machte. Foto: Andrea Schuch Fotografie


    Die Sicherstellung einer wohnortnahen Versorgung mit Hebammenhilfe und Geburtshilfe sowie Wahlfreiheit des Geburtsortes sind die Hauptanliegen der Elterninitiative „Mother Hood e.V.“. Bei strahlendem Sonnenschein versammelten sich am Samstag rund 300 Teilnehmer auf dem Vorplatz des Wormser Bahnhofes, zur diesjährigen Aktion der Elterninitiative. Bestückt mit roten Ballons zogen die Demonstranten mit Trillerpfeifen durch die Wormser Innenstadt zum Familienfest der Elterninitiative auf dem Wormser Obermarkt und wiesen auf die immer schwieriger werdende Versorgungslage für Schwangere und junge Eltern im Land hin.

    „Wo soll ich mein Kind bekommen?“, ist die Frage, die sich junge Eltern stellen und werden dabei mit einer rückläufigen Zahl an Geburtshilfeangeboten konfrontiert. „Wo soll ich mein Kind bekommen?“, lautete auch das Thema der Podiumsdiskussion. Neben Lydia Abdallah (Landessprecherin von Baden-Württemberg der Elterninitiative Mother Hood e.V.), den gesundheitspolitischen Sprecherinnen der beiden Koalitionsparteien in Rheinland-Pfalz, Kathrin Anklam-Trapp (MdL SPD) und Katharina Binz (MdL Bündnis 90/ Die Grünen) nahmen Professor Dr. Hitschold (Leiter der Geburtshilfeabteilung im Klinikum Worms) und Ingrid Mollnar (Vorsitzende des Hebammenlandesverbandes Rheinland-Pfalz) Stellung zu Fragen rund um die geburtshilfliche Versorgung und deren Perspektive in Rheinland-Pfalz.

    Gedanken und Erwartungen

    „Wo soll ich mein Kind bekommen?“ war auch die Eingangsfrage, die von Moderatorin Julia Jennewein an die Teilnehmer der Diskussion gestellt wurde. Hier spiegelte sich in Windeseile die breite Palette von Gedanken und Erwartungen ab, die alle werdenden Eltern bewegt: ein hohes Maß an Sicherheit, Wohnortnähe und eine gute und empathische Begleitung durch eine bereits vorher bekannte Hebamme waren dabei die herausragenden Punkte. Gerade die wohnortnahe Versorgung mit Geburtshilfeabteilungen ist jedoch durch die Klinikschließungen mehr und mehr in Gefahr. Während die Anzahl der Geburtshäuser und der Hausgeburtshebammen in Rheinland-Pfalz auf niedrigem Niveau stagniert, wurden von 2009 bis heute 17 Geburtskliniken geschlossen. Von ehemals 52 Standorten sind momentan noch 35 Standorte vorhanden. Einigkeit bestand bei allen Podiumsteilnehmern, dass gerade die Sicherstellung der Versorgung im ländlichen Raum von großer Bedeutung ist. Verbunden mit der Schließung von Geburtshilfen im Land sei auch die Überlastung umliegender Kliniken durch Raum – und Personalmangel.

    Es geht auch anders

    Dass dies auch anders geht, stellten Hitschold und Mollnar am Beispiel der Überführung der Geburtshilfeabteilung des Hochstiftes ins Wormser Klinikum vor. Frühzeitig bekannt, waren im Klinikum bereits Baumaßnahmen erfolgt und der komplette Personalstamm der Hochstiftgeburtshilfe vom Klinikum übernommen worden. Obwohl mehr Hebammen im Land, lässt sich ein Mangel im Leistungsbereich der Wochenpflege feststellen. Hier sind vor allem Frauen betroffen, die erst sehr spät Kontakt zu Hebammen aufnehmen können. Gründe für die Verknappung sind zum einen in der frühzeitigen Entlassung aus der Klinik, aber auch in einem erhöhten Bedarf der jungen Mütter, diese Leistung im Gegensatz zu der Zeit vor ca. 20 Jahren in Anspruch zu nehmen. Wie bei den angestellten Hebammen, gibt es auch im Bereich der Freiberuflerinnen hohe Teilzeitraten durch die ungünstigen Arbeitsbedingungen.

    Thema wird ernst genommen

    Kathrin Anklam-Trapp bestätigte, dass die Erhebungen des Gesundheitsministeriums in Rheinland-Pfalz ausweisen, dass momentan landesweit 49 Hebammen zu wenig vorhanden sind. Sie wies ebenfalls daraufhin, dass seitens der Landesregierung die Hebammenproblematik sehr ernst genommen wird. So stand das Thema Hebammenversorgung im letzten Jahr mehrfach auf der Tagesordnung des Gesundheitsausschusses im Landtag. Zudem gibt es in Rheinland-Pfalz seit April 2016 den „Runden Tisch“ der sich mit der Sicherung der Flächendeckenden Geburtshilfe befasst. „Hier redet man miteinander, hier sucht man nach Lösungen.“, bekräftigte die SPD Politikerin und gab bekannt, dass auch Elternvertreter von „Mother Hood e.V.“ zukünftig an den Beratungen im Rahmen des Runden Tisches beteiligt sein werden.

    Bemängelt wurde seitens des Publikums, dass das Thema „Hausgeburtshilfe und Geburtshäusern“ nicht zur Sprache kam. Dieses steht für die Aktion im nächsten Jahr auf der Liste. Auch dann soll es wieder stattfinden, das Familienfest der Elterninitiative „Mother Hood e.V.“, das mit Kuchenbuffet, Zirkusakrobatik des Circus Albireo der Waldorfschule Frankenthal, Tanzdarbietungen der Tanzschulen Schmitt -Seehaus und Tanzschule im Park, improvisierten Theatereinlagen von „drama light“ und natürlich reichlich Fakten und Informationen rund um ein ernstzunehmendes Stück der Gesundheitspolitik vermittelt. „Um auch im nächsten Jahr solch eine umfangreiche Veranstaltung auf die Beine zu stellen, freuen wir uns über jeden, der Lust hat mitzumachen und mit anzupacken“, so Dr. Pia Müller, Sprecherin der Elterninitiative „Mother Hood e.V.“ in Rheinland-Pfalz. Sie bedankte sich bei den zahlreichen Helfern, die die Aktion möglich gemacht hatten sowie bei der Drogeriemarktkette dm, die die Veranstalter mit Sachspenden unterstützt hatte. Weitere Informationen unter www.mother-hood.de

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