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  • Sa., 27. August 2022, 08:43 Uhr
    BNITM: Klimawandel beschleunigt Ausbreitung exotischer Stechmücken und Krankheitserreger

    Ungebetene Dauergäste mit vergifteten Geschenken

    Als invasive Art ist die Asiatische Tigermücke ein ungebetener Dauergast, welche eine Vielzahl von Erregern einschließlich des Dengue- und Chikungunya-Virus als unwillkommene Geschenke übertragen kann. Foto: B. Pluskota / KABS


    Von Florian Helfert › Asiatische Tigermücke, japanischer Buschmoskito oder auch Tropenzecke Hyalomma – wärmere Sommer und veränderte Niederschläge bringen unter anderem mehr Stechmücken und exotische Krankheiten mit sich. Das ist stark vereinfacht das Szenario, mit dem infolge des Klimawandels zu rechnen ist.

    Forschende des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin (BNITM) fordern deshalb anlässlich des Welt-Moskito-Tages am Samstag vor einer Woche, den CO2-Ausstoß zu reduzieren und Schnaken intensiver zu bekämpfen.

    Tropische Viren auf dem Vormarsch

    Der Klimawandel fördert Ausbrüche von durch Schnaken übertragenen Erregern auf zweierlei Weise. Zum einen breiten sich exotische Stechmückenarten und in deren Schlepptau bei uns unübliche Infektionserreger immer weiter gen Norden aus. Erschwerend kommt nach Angaben des Landesuntersuchungsamtes Rheinland-Pfalz (LUA) hinzu, dass die Mückensaison immer länger dauert, daher steigt auch die Verbreitung.

    Die Asiatische Tigermücke etwa ist in Südeuropa bereits seit den 1990er Jahren heimisch. Dort ist sie besonders für Ausbrüche des Chikungunya-Virus und des Dengue-Virus verantwortlich. In Deutschland haben sich Populationen der Asiatischen Tigermücke ebenfalls etabliert.

    Höhere Temperaturen, höhere Risiken

    Zum anderen gibt es die Korrelation: Je höher die hochsommerlichen Temperaturen sind, desto schneller vermehren sich viele Viren in den Stechmücken und desto höher ist das Risiko, dass Schnaken diese übertragen können. 

    Dabei wird immer klarer, dass auch heimische Schnakenarten eine Vielzahl von Viren übertragen können. Im Hitzesommer 2018 kam es erstmals zu einem Ausbruch des West-Nil-Virus in Ostdeutschland. Seitdem gibt es jährlich Krankheitsfälle bei Vögeln, Pferden und Menschen. In Rheinland-Pfalz jedoch gab es bislang weder bei Menschen noch Tieren nachgewiesene Fälle, wie LUA-Pressesprecherin Kerstin Stiefel auf NK-Nachfrage bestätigte. Und für ganz Deutschland stellt Prof. Jonas Schmidt-Chanasit, Leiter der Abteilung Arbovirologie und Entomologie des BNITM, ebenfalls auf Nachfrage fest: „Autochthone Fälle gibt es bisher nicht in der Bundesrepublik.“ Bisher seien also nur Reiserückkehrer von tropischen Krankheiten betroffen. Es gebe bislang noch keine Infektion, die originär in Deutschland ihren Ausgang genommen habe.

    „Steigen die Temperaturen, steigt das Infektionsrisiko“, sagt Dr. Renke Lühken, der Leiter der Forschungsgruppe Arbovirus Ökologie am BNITM. Darum müsse als wichtigste langfristige Maßnahme der Ausstoß von Treibhausgasen verringert werden. Zudem sei es wichtig, flächendeckend effiziente und effektive Überwachungs- und Bekämpfungssysteme zu etablieren.

    KABS am Rhein als Vorbild

    Um Schnaken in Schach zu halten, brauche es geschultes Personal, sagt Schmidt-Chanasit: „Die Stechmückenbekämpfung muss in Deutschland dringend flächendeckend professionalisiert werden. Es muss eine gezielte und nachhaltige Bekämpfung geben, ohne andere Insekten dabei zu schädigen.“

    Vorbilder gebe es, so Schmidt-Chanasit. Etwa die Kommunale Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage e.V. (KABS), ein Zusammenschluss von Gemeinden am Oberrhein mit Sitz in Speyer. Gegen „Rheinschnaken“ arbeiten sie unter anderem mit spezifischen Insektiziden, die in Brutgewässern ausgebracht werden. Auch die KABS ist Teil des internationalen Frühwarnsystems.

    Welt-Moskito-Tag

    Am 20. August 1897 wies der britische Tropenmediziner Sir Ronald Ross nach, dass der Malariaparasit von weiblichen Stechmücken der Gattung Anopheles übertragen wird. Damit revolutionierte er nicht nur die Malariaforschung und -bekämpfung. Seine Erkenntnisse sind noch heute grundlegend, um Epidemien zu verstehen, die von Insekten ausgehen. 1902 erhielt Ross den Nobelpreis für Medizin oder Physiologie.

    Wie kann ich mich vor Schnaken schützen?

    Entfernen Sie mögliche Brutstätten für Schnacken auf dem Balkon und im Garten: Eimer, ungenutzte Blumentöpfe, offene Gießkannen, alte Reifen oder Ähnliches. Decken Sie Regentonnen ab. Bringen Sie Schnakenennetze an Fenstern oder über den Betten an. Benutzen Sie Stechmückensprays, deren Wirkung wissenschaftlich getestet wurde, etwa durch das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (blaues Gütesiegel).

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