
Von Robert Lehr › Ein lapidarer Aushang sollte die Nutzerinnen und Nutzer der SB-Geschäftsstelle der Rheinhessen Sparkasse im Wormser Westend über deren Schließung zum 11. Oktober informieren – entsprechend groß war die Aufregung. Das DIN A4-Papier nannte alternative Standorte, die digitalen Angebote und die Möglichkeit, Anliegen auch am Telefon klären zu können.
Eine ältere Dame am Rollator, die schon Hilfe beim Tätigen ihres Überweisungsauftrages am SB-Terminal brauchte, wollte es nicht glauben: „Die machen mit uns, was sie wollen“, entrüstete sie sich. Mit ihrer Beeinträchtigung sei es ihr nicht möglich, weitere Wege zurückzulegen.
Sachlicher formulierte es eine Pressemitteilung des SPD-Ortsvereines Innenstadt, nachdem gerade ältere Menschen und Menschen mit eingeschränkter Mobilität auf gut erreichbare Angebote angewiesen seien: „Wer Bankangebote vor Ort abbaut, erschwert vielen Menschen den Alltag. Der Verweis auf digitale Angebote reicht dabei nicht aus“, erklärt darin Sarah Schäfer, Vorsitzende des Ortsvereines.
Sie fordert deshalb „Klarheit darüber, warum der Standort geschlossen wurde, ob eine Wiederöffnung vorgesehen ist und welche Alternativen für die Menschen im Quartier bestehen“.
Ihr Ortsverein werde zu der Problematik eine Anfrage im Innenstadtausschuss stellen. Dabei solle auch geklärt werden, wann und in welcher Form der Verwaltungsrat über die Entwicklung des Standorts informiert worden sei und ob er an entsprechenden Entscheidungen beteiligt war. Oberbürgermeister Adolf Kessel gehöre dem Verwaltungsrat der Sparkasse an, weshalb Auskunft erwartet werde, seit wann ihm die Schließung bekannt gewesen sei und wie er sich für den Erhalt der Versorgung im Quartier eingesetzt habe.
„Die Menschen haben Anspruch auf nachvollziehbare Antworten. Wir erwarten, dass die Interessen der Innenstadt auch gegenüber der Sparkasse deutlich vertreten werden. Unser Ziel ist eine verlässliche und gut erreichbare Versorgung vor Ort“, ergänzt auch Waldemar Knaub.
Auf Nachfrage des NK antwortete die Pressestelle der Rheinhessen Sparkasse, dass „die mitarbeiterbesetzte Geschäftsstelle im Liebenauer Feld bereits im Zuge der Neuausrichtung unseres Geschäftsstellennetzes 2023 geschlossen worden ist“. Damit hätte man seinerzeit auf das „länger beobachtete geänderte Kundenverhalten reagiert, unser stationäres Angebot enger mit telefonischen und digitalen Zugangswegen verzahnt und Beratungs- sowie Servicekapazitäten stärker an größeren Standorten gebündelt“. Der SB-Bereich sei übergangsweise weiterbetrieben worden. Mit der endgültigen Schließung sei die Neuausrichtung „nunmehr abgeschlossen“.
Die Bargeldversorgung sei durch das Standortnetz der Rheinhessen Sparkasse im Stadtgebiet gesichert. Es stünden als nächstgelegene Möglichkeiten der Geldausgabeautomat Hauptbahnhof, die Hauptstelle Lutherring, die SB-Geschäftsstelle in Worms-Neuhausen sowie die SB-Geschäftsstelle Worms-Pfiffligheim (alle circa 1 bis 1,6 km entfernt) zur Verfügung, so die offizielle Antwort. Weiterhin wurde erklärt, dass „wir für Menschen mit eingeschränkter Mobilität darüber hinaus unser ‚Bargeld-Taxi‘ anbieten, das Bargeld auf Wunsch nach Hause bringt. Überweisungen und vergleichbare Aufträge nimmt unser Kunden-Servicecenter unter 06241/851-0 auch telefonisch entgegen“.
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